Gladbeck - „Die Stolpersteinlegung zeigt, dass man das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus lokal gestalten kann und auch muss“, sagt Johannes Schildmann, theologischer Vorstand des Diakonischen Werkes Gladbeck-Bottrop-Dorsten e.V. und verweist damit auf das projekt des Künstlers Gunter Demnig, der an die Opfer der NS-Zeit erinnert, indem er vor ihrem letzten selbstgewählten Wohnort Gedenktafeln aus Messing in den Bürgersteig einlässt. Inzwischen liegen Stolpersteine in über 500 Orten Deutschlands und in mehreren Ländern Europas. Auch in Gladbeck sind Stolpersteine zu finden.
Im Jahr 2008 hat zudem eine Bottroper Bürgerinitiative das Thema der Euthanasie aufgenommen und zum 70. Jahrestag des Euthanasiebefehls eine bis dahin beispiellose Veranstaltungsreihe auf die Beine gestellt. „Wohin bringt ihr uns“ – Die Frage der geistig behinderten Menschen, die mit einem „grauen“ Bus in die Tötungsanstalten im Dritten Reich gebracht wurden, war der Leitsatz der Bottroper Veranstaltungen gegen das Vergessen der Euthanasieverbrechen in Bottrop. Nun hat sich auch in Gladbeck ein Projektkreis gegründet, der ebenfalls die Verbrechen an Gladbeckern ergründen will. „Unser Ziel war es stets, die Opfer aus ihrer bisherigen Namenlosigkeit herauszuholen“, sagt Pfarrer Johannes Schildmann, Mitglied der Initiative und Herausgeber des Buches „Wohin bringt ihr uns – Euthanasie Gedenken vor Ort“. Unterstützt wird der Gladbecker Kreis von Bernd Walter, Leiter des LWL-Institutes für westfälische Regionalgeschichte. Er gilt als der Experte in der westfälischen Euthanasieforschung und hat die Bottroper Veranstaltungsreihe mit seinen Forschungsergebnissen maßgeblich unterstützt.
„Die Bottroper Veranstaltungen gegen das namenlose Vergessen zeigen das Engagement der Stadt für eine demokratische Erinnerungskultur. Sie nennt die Opfer der NS-Gewaltherrschaft bei ihren Namen und sieht sie als Teil der eigenen Stadtgeschichte und Gesellschaft", sagt Bernd Walter. In Gladbeck soll es nun ein eben solches Engagement geben. „Wir wollen Mut machen, vor Ort zu recherchieren“, sagt Pfarrer Johannes Schildmann. So sei es auch Ziel des Buches andere Städte und Gemeinden zum Aufbau einer Erinnerungs- und Gedächtniskultur vor Ort für die Opfer von Euthanasie und Zwangssterilisation zu motivieren, damit nicht für die Gesellschaft wichtige Erfahrungen ungehört mit ihren Zeitzeugen versterben und so für nachfolgende Generationen verloren gehen.
Das im Luther-Verlag erschienene Buch „Wohin bringt ihr uns – Euthanasie Gedenken vor Ort“ kostet 14,95 Euro und enthält zusätzlich die filmische Dokumentation der Bottroper Veranstaltungsreihe auf DVD. Erhältlich ist es in der Gladbecker Humboldt-Buchhandlung. gk