Scotty steht auf der Stallgasse, seelenruhig lässt er sich vom 11-jährigen Florian sein braunes Fell putzen und seine schwarze Mähne kämmen. Die Ohren gespitzt, die Augen wachsam und als wenn er ein „Lächeln auf den Lippen“ hätte, genießt der Wallach die Massageeinheiten. Schließlich bereitet ihn Florian gemeinsam mit der Physio- und Hippotherapeutin Dorothea Murrenhoff auf die Therapiestunde vor. Denn jeden Montag findet am Reitverein Gladbeck e.V. eine besondere Reitstunde statt. Kinder im Alter von 3 bis 11 Jahren werden von Dorothea Murrenhoff und dem kecken Pony Scotty beim therapeutischen Reiten betreut.
Seit 1991 behandelt Dorothea Murrenhoff wöchentlich Kinder in der Hippotherapie im Reitverein Gladbeck. „Das therapeutische Reiten empfiehlt sich für Kinder die Bewegungs- und Koordinationsprobleme haben“, sagt Dorothea Murrenhoff. Ihnen fehlt die so genannte dritte Dimension. „Der Pferdeschritt ist eine dreidimensionale Bewegung“, erklärt sie. Die Schrittbewegung des Pferdes gleicht der Bewegung der menschlichen Hüfte beim Gehen. Die Kinder müssen versuchen sich beim Reiten der Pferdebewegung anzupassen und in diese einzufühlen.
Durch das Arbeiten mit dem Pferd wird die Muskelspannung der Kinder reguliert und ihre Koordinations- und Körperwahrnehmung verbessert. Bei der Therapie soll so eine dynamische Haltungsanpassung erarbeitet werden. „Es gibt Kinder, die sich zum Beispiel sehr fest im Rumpf machen und durch mangelnde Dynamik ihr Gleichgewicht auf dem Pferd nicht finden. Und dann gibt es Kinder, die instabil auf dem Pferd sitzen, weil ihre Körperspannung zu gering ist. Wir kennen das ja auch beim Reiten. Wir müssen auch erst lernen alles gleichzeitig richtig zu machen“, erklärt Dorothea Murrenhoff, „die Kinder sollen lernen sich dem Pferd anzupassen und stabil in ihrer Haltung auf dem Pferd zu bleiben“. Je größer das Koordinationsproblem, desto schwerer fällt es den Kindern diese Bewegung zu erlernen. Langsam geht für Florian die Therapiestunde dem Ende zu. Noch eine Runde auf dem Rücken von Scotty und dann muss er sich verabschieden. Er lobt das Pony und bedankt sich mit einem Leckerchen. „Ein Vorteil ist, dass es für die Kinder eher eine Reitstunde ist und sie nicht das Gefühl haben zu einer Therapie gehen zu müssen“, sagt Dorothea Murrenhoff.
Die Hippotherapie wird nicht von der Krankenkasse bezahlt. Die Eltern müssen den monatlichen Beitrag von 50 Euro selbst leisten. „Der Träger des therapeutischen Reitens ist die Lebenshilfe Gladbeck“, sagt Dorothea Murrenhoff. Interessenten können sich an die Lebenshilfe wenden. Weitere Informationen erhalten Sie im Internet auf www.lebenshilfe-gladbeck.de oder unter der Telefonnummer (02043) 275200. LS



