Ein reges Treiben herrscht wieder in
den Räumen der Gladbecker Tafel. Um den großen Tisch im
Gemeinschaftsraum haben sich die ehrenamtlichen Helferinnen und
Helfer versammelt und trinken noch schnell einen Kaffee, bevor dir
Türen zur Lebensmittelausgabe geöffnet werden. „Mittlerweile
können wir wieder auf eine große Anzahl an freiwilligen Helfern
zählen“, freut sich Dietmar Tervooren, Mitglied der Tafel und
verantwortlich für die Pressearbeit des Vereins. Noch bis vor Kurzem
drohte der Gladbecker Tafel das Aus. Nur noch vier ehrenamtliche
Helfer sorgten für die Versorgung der hilfsbedürftigen Gladbecker.
„Mit diesen war die tägliche Arbeit nicht mehr zu bewältigen“,
sagt Alfred Müller.
Nach dem angekündigten Aus schaltete
sich die Stadt Gladbeck ein, die an einer Aufrechterhaltung des
Angebotes interessiert war und ist. „Die Nähe der Stadt zu dem
Verein ist deutlich daran zu erkennen, dass viele Ratsmitglieder
persönlich Mitglied sind“, sagt Peter Breßer-Barnebeck,
Pressesprecher der Stadt Gladbeck.
Mit der Gladbecker Caritas wurde
schnell ein Partner gefunden, der die Aufgaben der Tafel im Notfall
hätte übernehmen können. „Wir haben erste Gespräche geführt
und festgestellt, dass die Caritas hier vor Ort gut aufgestellt ist
und ein solches Angebot leisten könnte.“ Schließlich hätte ein
plötzliches Aus der Tafel nicht nur die zahlreichen Bedürftigen,
sondern auch die Lebensmittelunternehmen, die täglich ihre Waren an
die Tafel liefern, vor ein Problem gestellt.
„In der Zwischenzeit haben sich
jedoch neue Ehrenamtliche gemeldet, um unsere Arbeit zu
unterstützen“, sagt Alfred Müller, Vorsitzender der Gladbecker
Tafel.
Querelen gab es auch um die
außerordentliche Mitgliederversammlung. „Diese war angesetzt
worden, um die Zukunft der Tafel zu besprechen. Da sich aber schon im
Vorfeld so viele neue Helfer gemeldet hatten, wäre diese Sitzung
nicht nötig gewesen“, sagt Dietmar Tervooren. Zudem hatte man mit
der Terminierung der Sitzung auf den 5. September und damit genau auf
die Eröffnung des Appeltatenfestes einen unglücklichen Zeitpunkt
gewählt. Die nächste ordentliche Mitgliederversammlung der
Gladbecker Tafel e.V. steht jedoch bereits am 10. Oktober an.
Über den Fortbestand der Tafel freut
sich auch Marc Koener, Lidl-Verkaufsleiter in der Gesellschaft Herne
und damit auch für die drei Gladbecker Lidl-Geschäfte
verantwortlich. Nicht nur mit Lebensmitteln, sondern auch mit dem
Spendenknopf unterstützt der Discounter die Tafeln deutschlandweit.
„Der Spendenknopf ist in unser Pfandsystem integriert. Jeder Kunde
kann selbst entscheiden, ob er seinen Pfandbon ziehen oder das
Pfandgeld zu Gunsten der Tafel spenden möchte.“ Über den Einsatz
der Spenden verschafft sich Marc Koener regelmäßig sein eigenes
Bild. „Wir stehen im engen Kontakt zur Gladbecker Tafel.“
Bei so viel Engagement dürfte auch die
Aktion „Hamstern“ ein Erfolg werden. Um nicht Winterschlaf halten
zu müssen, „hamstert“ die Gladbecker Tafel bereits jetzt
haltbare Lebensmittel für die kalte Jahreszeit. „Gern gesehen sind
unbeschädigte Konserven mit längerfristigem
Mindesthaltbarkeitsdatum. Von Hülsenfrüchten, eingelegten Obstwaren
oder Gemüse besteht Bedarf bis hin zu in Dosen verpackten
Fertiggerichten und Suppen. Aber auch haltbare Molkeprodukte wie
H-Milch und Kondensmilch sind stets Mangelware und daher genommen.“
Die Annahme der Lebensmittel erfolgt zu
den täglichen Öffnungszeiten zwischen 9 und 15 Uhr im Tafelladen an
der Bülser Straße 145. Größere Mengen können auf telefonische
Anfrage unter (02043) 680497 vom Tafelfahrdienst abgeholt werden.
www.gladbecker-tafel.de
Die Tafel-Idee
Die Tafeln sammeln die überschüssigen
Lebensmittel im Handel und bei Herstellern ein und verteilen sie an
sozial und wirtschaftlich benachteiligte Menschen kostenlos oder
gegen eine symbolische Münze.
Verteilt werden bei den Tafeln
ausschließlich gespendete Lebensmittel. Zugekauft wird nichts.
Miete, Transport- und Verwaltungskosten der Tafeln werden über
private und privatwirtschaftliche Spender und Sponsoren gedeckt. So
schaffen die Tafeln eine Brücke zwischen Überfluss und Mangel –
zu Gunsten aller Beteiligten. Die erste deutsche Tafel wurde von der
Initiativgruppe Berliner Frauen e.V. 1993 in Berlin gegründet. In
Gladbeck werden 420 Bedürftige durch den Verein Tafel e.V. versorgt.
Die örtlichen Tafeln sind in der Regel
ehrenamtlich organisiert.