Von Kirchhellen in die ganze Welt
05.02.2010
Der Ausbau der Start- und Landebahn sowie des Gewerbegebiets soll die Schwarze Heide wieder nach vorne bringen
„Bitte stellen Sie Ihre Sitze in eine aufrechte Position und legen Sie die Sicherheitsgurte an. In wenigen Minuten beginnen wir mit dem Landeanflug auf den Flugplatz Schwarze Heide in Bottrop-Kirchhellen. Von hier aus haben Sie die Möglichkeit über die Autobahnen 31, 3 und 2 das gesamte Ruhrgebiet zu erreichen. Wir freuen uns, Sie bei Ihrem nächsten Flug wieder begrüßen zu dürfen!“ – Was wie Zukunftsmusik klingt, könnte schon bald Alltag werden auf dem Verkehrslandeplatz Schwarze Heide, denn nicht nur die derzeitige Geschäftsführung will den Bereich des Business-Flugverkehrs ausbauen, auch die nötigen Investoren stehen bereit und manch einer würde lieber heute als morgen Kurs auf die Schwarze Heide nehmen.
Dass der Verkehrslandeplatz dringend an seinem Image arbeiten muss, das wissen die Betreiber, unter ihnen auch die Stadt Bottrop. Nicht wenigen stoßen aber die hierfür fälligen Investitionen sauer auf. „Es heißt immer, der Flugplatz sei defizitär. Der Flugplatz ist aber erst einmal als Infrastruktur zu sehen. Dieser schafft die Möglichkeiten für Unternehmen, die wiederum Profit bringen. Die Unterhaltung dieser Infrastruktur kostet natürlich Geld, wir bemühen uns allerdings dieses Defizit so klein wie möglich zu halten“, erklärt André Hümpel, Geschäftsführer der Flugplatzgesellschaft. Daher seien auch die Räume der ehemaligen Flugschule TTC, die zum 31. Dezember 2009 gekündigt hatte, inzwischen vermietet worden. „So konnten wir Mietausfälle vermeiden.“ Fest steht, dass die Unterhaltung der Infrastruktur die Stadt Bottrop jedes Jahr mehrere Hunderttausend Euro kostet.
Das soll sich ändern, auch durch die Verlängerung der Landebahn. Fakt ist, dass dieser Ausbau unausweichlich ist, will der Flugplatz auch in Zukunft Bestand haben. Denn laut der europäischen Rechtsvorschrift JAR-OPS muss es bei gewerblichem Flugverkehr eine so genannte Sicherheitsstrecke geben. Die Landebahn am Flugplatz Schwarze Heide muss daher von 900 auf 1.500 Meter verlängert werden. Laut André Hümpel soll mit dem Ausbau der Landebahn nach der winterlichen Wetterperiode begonnen werden. „Der Flugverkehr wird durch den Ausbau zwar eingeschränkt, wir haben aber die Möglichkeit, den angrenzenden Grasbereich der Segelflieger zu nutzen.“ Zudem sollen die Bauarbeiten schon Mitte des Jahres abgeschlossen sein. Fakt ist aber auch, dass so ein Ausbau Kosten nach sich zieht. Die Kosten dafür betragen 6,5 Millionen Euro, von denen das Land NRW 50 Prozent übernimmt. Die andere Hälfte fällt den Gesellschaftern zu. Darunter die Stadt Bottrop, die 49 Prozent der Flugplatz-Anteile hält, sprich mit 1,6 Millionen Euro an dem Ausbau beteiligt ist. Das Geld ist bereits genehmigt und steht für die Arbeiten bereit.
Mit dem Ausbau der Start- und Landebahn entspricht der Flugplatz dann zwar europäischen Richtlinien, aber noch lange nicht den Wünschen derjenigen, die von hier aus ihre Geschäftsziele in Paris, München oder auf Sylt erreichen wollen. Um aber Geschäftskunden nach Kirchhellen zu locken, braucht es mehr als eine verlängerte Start- und Landebahn. Es braucht Unternehmen, die Geschäftsflüge ermöglichen und dazu noch das passende Ambiente bieten. Der entsprechende Bebauungsplan für ein Gewerbegebiet am Flugplatz befindet sich derzeit noch in der rechtlichen Prüfung. „Die Stadt arbeitet daran“, sagt Paul Ketzer, Beigeordneter der Stadt. Vorgesehen sind jedoch rund 30 Hektar für flugaffines Gewerbe. „Nicht nur Flugschulen, sondern auch Lufttaxen für Unternehmer sind dann hier möglich“, sagt André Hümpel. So wie es auch Michael von Borzyszkowski plant. Mit seiner Firma YourPlane, eine Tochterfirma der TrafAir AG, sieht der Unternehmer großes Potenzial am Flugplatz Schwarze Heide. „Es gibt hier sehr gute Anbindungen.“ Zudem seien die klassischen Flugverbindungen für Geschäftsreisende nicht mehr da. Durch die zahlreichen Billigfluglinien werden immer weniger Flughafenzentren angeflogen. Gleichzeitig wachse die Nachfrage in der Luftfahrt überproportional. Ein Trend, den auch André Hümpel bestätigen kann. „Wir sehen ein großes Potenzial für Geschäftsflüge.“ Allein die Tatsache, dass sich Verkehrslandeplätze ähnlich dem in Kirchhellen in der ganzen Republik und auch im nahen Ausland befänden, spricht für das Klein-Flugzeug als Verkehrsmittel mit Zukunft.
„Wir sind interessiert an einem Grundstück im Gewerbepark und wollen hier einen Eyecatcher bauen. Investitionen von 4 bis 6 Millionen Euro sind geplant“, sagt Michael von Borzyszkowski. Eine Kombination von Business und Event, die es in dieser Form noch nicht gibt, plant der Geschäftsmann aus Recklinghausen. Dabei sollen Zeitkontingente in Buisness-Fliegern an Geschäftsleute vermietet werden. „Wir wollen eine starke Marke in Europa aufbauen. Hier soll der Startschuss für etwas Großes gegeben werden.“ Warum also der YourPlane AG nicht gleich den Spaten in die Hand geben? Der Bottroper Haushalt könnte das Geld gut gebrauchen. „So einfach ist das nicht, schließlich gibt es noch mehr Interessenten und noch keinen gültigen Bebauungsplan“, sagt Hümpel, „natürlich sind wir aber an jeder Gewerbeansiedlung interessiert, versuchen aber auch den bestmöglichen Partner zu finden, der hier langfristig verbleibt.“ Denn der Flugplatz Schwarze Heide soll auf lange Sicht ein Aushängeschild für die Region werden. „Dazu wollen wir das Ganze auf solide Beine stellen.“ Ist die YourPlane AG etwa keine solide Basis? „Wir haben Investoren im Rücken, die namentlich nicht genannt werden wollen“, sagt Michael von Borzyszkowski. Verständlich und sicherlich unerheblich, so lange das Geld fließt.
„Wir sind aber der Seriosität verpflichtet und brauchen einen langfristigen Partner“, sagt Geschäftsführer André Hümpel. Da verunsichert es den einen oder anderen schon, wenn auf Internetseiten wie dem Börsennachrichtenportal wallstreet-online.de eifrig über die undurchsichtigen Aktiengeschäfte der TrafAir Capital AG diskutiert wird, deren Tochterfirma die Your Plane AG ist, auch wenn jene Nutzer-Einträge natürlich keinerlei objektiven Bewertungen unterliegen.
Der Geschäftsführer will daher potenzielle Investoren genau prüfen, wenn es sein muss, dann dauere das eben. Doch wie heißt es in einem Sprichwort so schön: Drum prüfe, wer sich ewig bindet. gk