Der Goldpreis hat derzeit seinen Höchststand erreicht. Ebenso wie das Angebot an Altgold-Ankauf. Sogar via Briefgold kann man alte Schmuckstücke zurzeit zu Geld machen. Das Angebot klingt verlockend. Verpackt in sogenannten Gold-Kits werden die alten Stücke verschickt, Geld soll binnen 24 Stunden folgen. Wer allerdings einen Blick auf die AGB der Firmen wirft, dem wird nicht zu unrecht flau in der Magengegend. So werden Nicht-Edelmetalle beispielsweise nicht angekauft, aber auch nicht ausdrücklich an den Absender zurückgeschickt.
Sebastian Rathmann aus Kirchhellen kauft ebenfalls Alt-, Zahn- und Bruchgold an. „Allerdings bewerte ich die Stücke sofort“, sagt er. Bezahlt wird nach Tagespreis. „Bargeld gibt es ebenfalls sofort.“ Besondere Schmuckstücke, die beispielweise mit Brillanten besetzt sind, werden natürlich nach anderen Maßstäben beurteilt. Ansonsten wird der Goldpreis in Feinunzen (1 Feinunze = 31,1 Gramm) berechnet. Dieser liegt etwa bei 25 Euro. „Zudem muss stets der Goldgehalt bestimmt werden, denn auch da gibt es Abstufungen“, sagt der Fachmann.
Altes Gold zu verkaufen ist die eine Sache, neues zu kaufen die andere. Denn auch bei Anlegern ist das Edelmetall schwer in Mode gekommen. Ängste vor einem starken Anstieg der Inflation oder sogar einem Zusammenbruch unseres Wirtschaftssystems haben den Goldkurs in bisher nicht gesehene Höhen katapultiert. Anfang Dezember stieg der Preis für eine Feinunze Gold erstmals über 1.200 US-Dollar. Dennoch: „Gold ist keinesfalls eine sichere Geldanlage – auch wenn dies derzeit oft behauptet wird“, sagt die Verbraucherzentrale NRW. Wer plant, Gold zu kaufen, sollte daher einige wichtige Punkte bedenken:
Gold ist riskant: Auch wenn der Goldpreis in den vergangenen Monaten von einem Hoch zum nächsten geklettert ist – Gold bietet keinesfalls Sicherheit gegen Verluste. Um das zu verstehen, muss man nicht einmal lange zurückblicken: Im Jahr 2008 fiel der Goldpreis um rund 30 Prozent.
Gold ist teuer: Derzeit ist Gold so teuer wie noch nie. Niemand kann heute sagen, ob der Goldpreis in der Zukunft weiter steigt. Aber: Zeiten allgemeiner Euphorie rund um eine Anlageform sind selten gute Zeiten, um in diese Anlageform zu investieren. Hinzu kommt, dass Verbraucher in der Regel einen erheblichen Aufschlag auf den reinen Goldpreis zahlen müssen, wenn sie Barren und Münzen kaufen – zehn Prozent und mehr sind keine Seltenheit.
Die Aufbewahrung von Gold ist teuer: Nach dem Kauf muss das Gold sicher gelagert werden. In der Regel wählen Anleger dafür ein Bankschließfach. Auch das kostet Gebühren. Zudem sollten Sie klären, bis zu welcher Summe der Inhalt des Bankschließfachs versichert ist. Möglicherweise ist eine Zusatzversicherung nötig. Die kostet zusätzliches Geld.
Gold bringt weder Zinsen noch Dividenden: Wer Gold kauft, spekuliert einzig und allein darauf, dass der Goldpreis weiter steigt. Denn Gold bietet Anlegern keinerlei laufende Einnahmen: Für Gold erhalten Sie keine Zinsen wie bei Festgeld oder Sparbriefen. Und Sie erhalten auch keine Dividenden aus Gewinnen wie bei Aktien. Das heißt: Gold erwirtschaftet nichts. Es liegt einfach nur da.
Gold birgt ein Währungsrisiko: Der Goldpreis wird auf dem Weltmarkt in US-Dollar gehandelt. Das bedeutet: Es kann sein, dass Käufer in Euro Verluste machen, obwohl der Goldpreis in Dollar gestiegen ist – nur deshalb, weil der Dollar gegenüber dem Euro abgewertet wurde. Die Abwertung des Dollars gegenüber dem Euro ist auch ein Grund dafür, dass Anleger in Deutschland bisher weniger vom spektakulären Anstieg des Goldpreises profitiert haben als Anleger in den USA – der Kursanstieg fällt nämlich deutlich weniger spektakulär aus, wenn man ihn in Euro misst.
„Grundsätzlich sollten Käufer nur einen kleinen Teil ihres Vermögens in Gold investieren. Und sie sollten sich überlegen, ob es wirklich Goldbarren oder Goldmünzen sein müssen – denn es gibt eine ganze Reihe anderer Anlageprodukte rund um das glänzende Metall“, rät die Verbraucherzentrale. Die wichtigsten davon stellt die Verbraucherzentrale NRW auf ihrem kostenlosen Finanzportal im Internet auf www.verbraucherfinanzwissen.de vor. Wer größere Summen anlegen will, kann bei der Verbraucherzentrale NRW eine persönliche, kostenpflichtige Beratung in Anspruch nehmen. Die Beratung dauert etwa eine Stunde und kostet 100 Euro. gk



