Der moderne Zappelphilipp – gerne werden Kinder und Jugendliche, die unter der Krankheit AD(H)S leiden, so genannt. Doch das Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts Syndrom ist mehr als das. Nicht jedes unaufmerksame, zappelige Kind ist hyperaktiv oder hat AD(H)S! Vielleicht ist es eben nur sehr verspielt, lebendig, lebhaft und reizoffen. Auch kann das Verhalten ganz andere, vielfältige Ursachen haben. Da sind Eltern oft überfordert. Deshalb ist auf jeden Fall eine ärztliche Abklärung notwendig. Doch was, wenn sich der Verdacht bestätigt? Schnell liegen die Nerven blank. Von den Erziehern im Kindergarten und von den Lehrern in der Schule gibt es häufig Klagen über das Kind. Es sei zu impulsiv, streite sich mit anderen Kindern, könne sich nicht konzentrieren oder träume nur vor sich hin. Zu Hause ist es auch nicht viel anders, Ärger mit den Geschwistern steht auf der Tagesordnung und auch Hausaufgaben bedeuten nur Stress. Da bleiben die positiven Eigenschaften des eigenen Kindes oft auf der Strecke und das Kind leidet noch mehr. Die AD(H)S Selbsthilfegruppe in Gladbeck möchte betroffenen Eltern und Kindern helfen. Initiatorin dieser Gruppe ist Marianne Czennia. Ihre Tochter hat ebenfalls AD(H)S und nach einer wahren Odyssee durch die Instanzen, ist so die Idee gereift, sich mit betroffenen Eltern zusammenzuschließen und sich gegenseitig Hilfestellungen zu geben. In der Schulpsychologin Erika Blaska fand Marianne Czennia eine kompetente Fachfrau, die über jahrelange Erfahrung in der Elternarbeit bei AD(H)S verfügt. „Vor einigen Jahren wusste man noch sehr wenig über die Krankheit. Selbst Ärzte waren oftmals nicht ausreichend informiert. Das hat sich mittlerweile zum Glück geändert. Aber unsere Hauptaufgabe ist es, neben der Unterstützung der Eltern, eine Sensibilisierung für das Krankheitsbild AD(H)S in der Öffentlichkeit zu erreichen.“ Auch Lehrer sind noch längst nicht immer auf dem neuesten Stand, was die Beurteilung der Kinder und die Anerkennung des AD(H)S betrifft. Die Öffentlichkeit informieren und Mithilfe bieten, sind zwei der Hauptziele der Selbsthilfegruppe. Im vergangenen Jahr gab es mehrere Informationsstände in der Gladbecker Innenstadt. Die Bindung zwischen Eltern und Kindern zu stärken, kann das Gesamtbild positiv beeinflussen. Hier sind der Austausch und die Hilfe der erfahrenen Therapeuten gefragt. Doch auch Spiele und Ausflüge stehen auf der Agenda der Selbsthilfegruppe. Besonders viel Spaß gab es an einem Familienausflug, der in dem Klettergarten Oberhausen führte.
Dank der Selbsthilfegruppe ist ein Netzwerk entstanden, in dem sich Vertreter aus verschiedenen Institutionen treffen, um sich für die Verbesserung der Lebenssituation von AD(H)S betroffenen Kindern und Jugendlichen stark zu machen. Fortbildungsveranstaltungen stehen dabei ebenso auf dem Programm wie der Erfahrungsaustausch.
Marianne Czennia: „Die Selbsthilfegruppe ist eine erste Anlaufstelle, wenn Eltern nicht mehr weiter wissen. Wir haben das alles ja schon mehrfach mitgemacht und können Trost und Halt, aber auch wichtige Tipps im Umgang mit den Kindern sowie den Behörden geben.“
Einen besonderen Service bieten die Mithelfer der Gruppe Alleinerziehenden und anderen, die nicht an den Gruppenabenden teilnehmen können. Sie können den Notdienst in Anspruch nehmen und werden zu Hause besucht. Telefon: (0 20 43) 37 65 83, (0 20 43) 4 58 54, (0 20 43) 3 03 62. gj
Die Treffen der SHG sind an jedem 4. Mittwoch im Monat um 19 Uhr im Haus
Kleimann, Hegestraße 89.
Informationen zur Gruppe gibt es im Netz www.adhsgladbeck.de oder bei Marianne Cennia, Telefon (0 20 43) 3765 83.
ADHS bzw. ADS, so wird eine schon im Kindesalter beginnende psychische Störung genannt. Symptome sind Aufmerksamkeitsschwäche, impulsives Verhalten und manchmal auch Hyperaktivität.
Charakteristisch für eine Aufmerksamkeits-Defizit-Störung (ADS) ist ein ausgeprägt unaufmerksames und impulsives Verhalten, vor allem in Gruppensituationen.
Bei der Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) kommt noch Unruhe und übermäßiger Bewegungsdrang dazu. Die Störung tritt schon im frühen Kindesalter auf. Sie ist nicht nur vorübergehend (hält also schon mindestens länger als sechs Monate an).



