Was haben der viele Schnee und die Kälte der vergangenen Wochen nur angerichtet? Viele Straßen und Zufahrtswege sind immens beschädigt. Selbst die Bottroper Straße hat einige Löcher mehr im Asphalt. Während sich die Kinder in den vergangen Wochen über Schlittenfahrten und Schlindertouren gefreut haben, so merkten die Autofahrer auch nach dem ersten Abtauen der weißen Pracht, was so ein harter Winter alles für Folgen haben kann.
„Der diesjährige Winter hat enorme Straßenschäden verursacht“, bestätigt auch Andreas Pläsken, Pressesprecher der Stadt. Die eisigen Temperaturen in den letzten Wochen haben starke Frostschäden zur Folge gehabt und insbesondere den schon beschädigten Straßen noch weiter zugesetzt. Die Ausbesserung der Straßen erfolgt nach dem Prioritätenprinzip, sprich, zuerst die vielbefahrenen Strecken und die großen Löcher. Anders sei es im Moment nicht möglich, ist doch angesichts der desolaten Haushaltslage sowieso schon kein Geld mehr da. Wären die Straßen vorher in einwandfreiem Zustand gewesen, so wäre womöglich auch das Ausmaß der jetzigen Frostschäden geringer. Andererseits könne beispielsweise die Osterfelder Straße davon profitieren, weil für deren Instandsetzung in diesem Jahr bereits Gelder freigesetzt wurden. Andere wichtige Straßen, wie die Schneiderstraße, müssen warten oder werden erst einmal provisorisch gestopft. „Noch müssen wir nicht zu den Maßnahmen greifen, die andere Städte bereits praktizieren und Tempolimits bis zu 10 km/h verhängen, um Unfälle zu vermeiden“, so Andreas Pläsken weiter.
Die Polizeidienststelle in Recklinghausen vermeldet allerdings keinen signifikanten Anstieg der Unfälle in den Dörfern und Städten. Andreas Weber von der Pressestelle: „Wir können in unserem Gebiet kein erhöhtes Verkehrsunfallaufkommen erkennen. Natürlich gab es witterungsbedingte Unfälle. Aber das ist im Winter normal.“ Anscheinend haben sich auch die Kirchhellener Autofahrer dem Wetter angepasst und sind vorsichtig gefahren.
Im Vergleich zum Norden und Osten Deutschlands scheint NRW (in den niederen Lagen) allgemein noch recht glimpflich davongekommen zu sein. Der Landesbetrieb Straßenbau NRW hat bisher keine Schadensbilanz herausgegeben, der Winter hat Nordrhein-Westfalen (noch) fest im Griff. Es ist jedoch abzusehen, dass noch immense Kosten auf die Kommunen zukommen werden. Landesverkehrsminister Lutz Lienenkämper hat angesichts des ungewöhnlich langen Winters ein Sonderprogramm für die Beseitigung von Schlaglöchern angekündigt. „Eine Bestandsaufnahme mit allen Schäden können wir erst im Frühjahr vornehmen. Aber mit Sicherheit werden in diesem Jahr die Schäden das übliche Maß überschreiten“, sagt Lienenkämper. Das Verkehrsministerium wird in diesem Jahr rund 73 Millionen Euro in die Sanierung des Landesstraßennetzes investieren. „Falls das nicht reicht, müssen wir im Etat umschichten. Die fachgerechte Beseitigung der Schlaglöcher hat Priorität“, so der Verkehrsminister.
Im Rahmen der Verkehrssicherheitspflicht behebt der Landesbetrieb Straßenbau bereits jetzt gefährliche Schäden wie Schlaglöcher. Aus straßenbautechnischen Gründen können diese Arbeiten aber häufig nur provisorisch sein und erfordern dann in den warmen Monaten Nacharbeiten, um dauerhaft zu wirken.
Insgesamt wird die Landesregierung im laufenden Jahr 167,2 Millionen Euro in den Ausbau und die Sanierung des Landesstraßennetzes investieren. „Damit bleiben unsere Investitionen weiterhin auf einem sehr hohen Niveau“, teilt Lienenkämper mit.
Negative Auswirkungen hat nicht unbedingt der Schnee, sondern in erster Linie der Frost. Ist der Asphalt bereits brüchig, dringt Wasser in die Ritzen. Bei Minusgraden gefriert das Wasser und dehnt sich aus, so dass Teile der Straßendecke aufgerissen und nicht selten zu Gefahrenquellen werden.
Apropos Unfälle: Wer haftet eigentlich, wenn doch etwas passiert? Das ist eine sehr komplizierte Angelegenheit. Zunächst einmal ist die Stadt natürlich für die Verkehrssicherheit zuständig, jedoch muss von Fall zu Fall untersucht werden, wer Schuld hat. Welche Art von Straße ist es? Was für ein Schaden? War die Stadt über den konkreten Zustand der Straße informiert? Hätte der Autofahrer wissen müssen, dass die Straße Schlaglöcher aufweist? Mit zunehmender Berichterstattung und Diskussion muss jeder Verkehrsteilnehmer mit Gefahren rechnen und sich angemessen verhalten, sonst kann sein Verhalten leicht zu einer Mitschuld führen.
Viel zu tun hatten auch die Mitarbeiter der BEST. Und haben dabei jede Menge Kosten verursacht, die mit Sicherheit nicht im Haushaltsplan vorgesehen waren. Doch wer trägt die Ausgaben für vermehrte Räumfahrten, überteuertes Salz und Ausbesserung von Schäden? „Das wird in den nächsten Wochen von Seiten der Verwaltung und der Politik verhandelt – entweder es wird über die Stadt abgewickelt oder die BEST wird die Gebühren erhöhen“, so einfach ist das: Der Winter kostet uns also nicht nur die erhöhten Energiekosten…
Die hohen Schneelasten sorgten aber nicht nur auf den Straßen für Unmut. Auch bei Gebäuden mit flachen Dächern und nur wenigen tragenden Wänden kam es vermehrt zu Problemen. Vielerorts wurden Sporthallen geschlossen, ganze Dächer stürzten ein. „So einen Fall gab es in Bottrop nicht“, beruhigt Andreas Pläsken. Auch wenn die Schäden an einzelnen Gebäuden noch nicht genau absehbar sind, so mussten keine Sport- oder Lagerhallen geschlossen werden.
Trotzdem spürten die Fußballspieler die Wettereinflüsse. So müssen beim VfB Kirchhellen beispielsweise alle sechs angesetzten Spiele der A-Junioren nachgeholt werden. Kein leichtes Unterfangen, wie Spielbetriebsleiter Martin Kohlhaw weiß: „Die Meisterschaftsrunde läuft ja weiter und in den laufenden Betrieb sechs weitere Spiele unterzukriegen, wird nicht leicht – zudem die jeweiligen Gegner die gleichen Probleme haben.“ Bei der VfB-Jugend, die dem Fußballkreis Gelsenkirchen und Gladbeck angehört, fielen in den ersten sechs Wochen des Jahres insgesamt 24 Pflichtspiele den Witterungsbedingungen zum Opfer. Eng könnte es auf den beiden Sportplätzen an der Loewenfeldstraße werden, denn der normale Spiel-und Trainingsbetrieb geht weiter. Der Fußballverband hat bereits angekündigt, dass möglicherweise die Spielzeit bis in den Juni verlängert werden könnte.
Denn alle Sportler, die auf den Außenplätzen trainieren, standen mehrmals vor verschlossenen Toren, da die Stadt die Bespielbarkeit nicht mehr gewährleisten konnte. Mit dem Frost kommen auch Steine und Asche aus dem Boden an die Oberfläche, so dass sich die obere und die untere Schicht vermischen. Diese Steine bedeuten eine erhebliche Verletzungsgefahr für die Sportler und Folgeschäden an den Plätzen, die kostenintensiv behoben werden müssten. Bleibt zu hoffen, dass die Kirchhellener Sportler die verlorengegangenen Spieltage wenigstens bei strahlendem Sonnenschein nachholen dürfen.
Auch die Krankenhäuser und Ärzte melden eine erhöhte Zahl von wetterbedingten Erkrankungen. Vor allem Knochenbrüche und Verstauchungen standen in den vergangenen Wochen auf der Tagesordnung. Fahrradfahren bei Glatteis sollte man sich also gut überlegen. Und wintergerechtes Schuhwerk beugt ebenfalls dem einen oder anderen Sturz vor. gj
Schlaglöcher, die dringend behoben werden müssen, können unter der Telefonnummer (0 20 41) 70 38 00 gemeldet werden.



