Mehr als nur ein Drahtesel
21.05.2010
Radfahren hält fit und schont die Umwelt – Auf den folgenden Seiten erfahren Sie alles rund um das Gefährt mit zwei Rädern
Spätestens jetzt – bei etwas konstanteren Frühlingstemperaturen – wird das Fahrrad wieder aus dem Keller oder der Garage geholt. Nicht selten jedoch lässt die Fahrtauglichkeit zu wünschen übrig. Die Reifen sind platt, die Bremsen funktionieren nicht und über den Rahmen hat sich eine dicke Staubschicht gelegt. Zeit, das Rad wieder frühlingstauglich zu machen.
Reinigung, Pflege, Sicherheit im Straßenverkehr und neue Trends auf dem Fahrradmarkt – der Kirchhellener Christian Fiele vom gleichnamigen Fahrradfachgeschäft an der Hauptstraße steht LebensArt zum Thema Rede und Antwort.
„Bei der Reinigung gibt es keine spezielle Formel. Meist genügt es den Rahmen mit einem trockenen Lappen abzustauben, eventuell auch feucht, aber spezielle Seifen benötigt man nicht“, erklärt der Fachmann. „Natürlich sollte die Kette nachgeölt werden. Sie sollte aber nicht triefen.“
Doch wie beim Auto ist auch beim Fahrrad zwischendurch eine Inspektion vom Fachmann notwendig, wenn kleinere Reparaturen nicht mehr ausreichen oder schlichtweg die Zeit fehlt. Auch bei Zweirad Fiele häufen sich im Frühjahr die Aufträge. „Wir prüfen das Fahrrad auf Herz und Nieren. Manchmal müssen lediglich Verschleißteile ausgetauscht oder Schrauben angezogen werden, in anderen Fällen gibt es mehr zu tun – je nach Alter, Qualität und Nutzung“, weiß Christian Fiele. Wer sich längere Wartezeiten ersparen möchte, der geht antizyklisch zur Inspektion. „Um rechtzeitig zu den ersten Sonnenstrahlen wieder loslegen zu können, kommen einige bereits im Januar und Februar, andere lassen das Rad zum Herbst hin überprüfen, bevor es wieder in die Garage verschwindet.“ Sind die Bremsen wieder in Ordnung, ist die Kette geölt, und der Reifen ausgetauscht, kann man sich wieder guten Gewissens aufs Rad schwingen.
Aber auch der Radfahrer selbst sollte sich für den Straßenverkehr rüsten. Der richtige Fahrradhelm beispielsweise kann im Falle eines Sturzes schwere Schädelverletzungen verhindern. Eine Helmpflicht gibt es in Deutschland zwar nicht, aber wer sich beim Radfahren sicher fühlen möchte, der sollte nicht nur auf Reflektoren, Licht und funktionstüchtige Bremsen achten, sondern auch sich selbst schützen. Wichtig beim Kauf eines Fahrradhelmes sind Passform und Qualität. Ein Fahrradhelm sollte die entsprechenden Sicherheitsnormen erfüllen und ein anerkanntes Prüfzeichen aufweisen (DIN EN 1078).
Grundsätzlich sollte ein Fahrradhelm immer im Vorfeld anprobiert werden.
„Die unterschiedlichen Firmen, sogar die einzelnen Modelle können in
der Passform variieren – trotz genormter Größenangabe“, erläutert
Christian Fiele. Der Helm darf weder drücken noch wackeln und sollte den
hinteren und vorderen Bereich des Kopfes sicher abdecken, das Sichtfeld
aber nicht einschränken. Herausnehmbare Polsterkissen helfen bei der
Feinjustierung. Auch der Kinnriemen darf nicht einschneiden.
Die
Zeiten, in denen Fahrradhelme aus ästhetischen Gründen abgelehnt
wurden, sind längst vorbei. Es sind auch nicht mehr nur Eltern, die als
gutes Vorbild vorangehen und vor ihren Kindern immer mit Kopfschutz
fahren. „Je mehr Leute Helme tragen, desto eher schließen sich andere
an“, bestätigt auch Christian Fiele diesen Trend. Manch anderer muss
wohl erst schmerzhafte Erfahrungen machen, aber danach lässt er den Helm
bestimmt nie wieder zuhause. Vor allem bei Kindern aber spielt bei der
Auswahl die Optik eine entscheidende Rolle. Statt dem Einheitsgrau von
damals gibt es inzwischen eine große Bandbreite an Mustern und Farben.
Ob Blumen, beliebte Zeichentrickfiguren oder Totenköpfe, jedes Kind
findet sicher einen Helm, der nicht nur passt, sondern auch gefällt.
Sicherheit bietet aber nicht nur der Fahrradhelm. Im Straßenverkehr sollte man darauf achten, gut zu sehen zu sein. Mit Reflektoren am Rad und an der Kleidung macht jeder Radfahrer rechtzeitig auf sich aufmerksam. Neben einem Notfallflickzeug ist bei Radtouren auch ein kleines Erste-Hilfe-Set mit den nötigsten Utensilien nicht verkehrt.
Doch wie schütze ich mein Fahrrad vor Diebstahl? Ob im Supermarkt oder beim Discounter, es gibt kaum einen Ort, an dem man kein Fahrradzubehör kaufen kann. „Bei Fahrradschlössern gibt es natürlich erhebliche Preis- und Qualitätsunterschiede“, sagt Christian Fiele. „Feste Rahmenschlösser, die meist an Hollandrädern zu finden sind, sichern das Fahrrad eher für kurze Zeit, zum Beispiel wenn man eben die Einkäufe erledigt. Dann muss der Dieb das schwere Rad wohl oder übel wegtragen.“ Mit Langkabelschlössern dagegen lässt sich das Fahrrad an einen Fahrradständer, eine Laterne, einen Baum oder Zaun sicher anketten. Die gibt es natürlich auch in den unterschiedlichsten Preisklassen. Inzwischen gibt es auch Kombisysteme, bei denen das Rahmenschloss über eine Steckverbindung mit einem langen Kettenschloss erweitert werden kann. Und was ist mit Billigschlössern? „Die günstigen, kleineren Fahrradschlösser sind im Grunde nur für den Lerneffekt zu gebrauchen. Wir empfehlen die eher Eltern, die ihren Kindern von klein auf beibringen möchten, ihr Fahrrad stets abzuschließen“, sagt Christian Fiele.
Bei den Kleinsten auf zwei Rädern hieß es einst: erst Dreirad, dann Fahrrad mit Stützrädern. Doch an den Tag, an dem die hilfreichen Stützen abmontiert wurden, mag sich manch einer nur ungern erinnern, je nachdem wie oft man daraufhin den Boden geküsst oder Bekanntschaft mit den Brennnesseln gemacht hat. Heutzutage sieht man schon die Kleinsten auf zwei Rädern durch die Gegend sausen – ohne Pedale, auf so genannten Laufrädern. „Laufräder bieten den pädagogischen Vorteil, dass sie das Kind spielerisch ans Radfahren vorbereiten und nebenbei das Gleichgewicht schulen“, so der Kirchhellener Radexperte. Laufräder gibt es schon für Kinder ab 85 Zentimeter Körpergröße. „Die meisten Räder wachsen im Laufe der Zeit mit, können also höhenverstellt werden. Die Gebrauchszeit kann so bei bis zu vier Jahren liegen.“ Natürlich gilt auch hier von Beginn an Helmpflicht. Denn die Kleinen können mit dem Laufrad genauso stürzen wie mit jedem Roller oder Fahrrad.
Und was tut sich bei den Jugendlichen? „Ob Jungen oder Mädchen – beide interessieren sich im Teenie-Alter eher für nostalgische und vor allem bequeme Hollandräder, die hier in Kirchhellen ohnehin äußerst beliebt sind.“ Dass sich Sportlichkeit und Bequemlichkeit nicht ausschließen müssen, zeigen die holländischen Radhersteller mit ihren neuesten Modellen, bei denen das klassische Hollandrad mit dem entsprechenden sportlichen Equipment, beispielsweise einer 24-Gang-Kettenschaltung ausgestattet wird. Lange Touren sind also auch so problemlos zu bewältigen. „Nach wie vor kommt es auf die Nutzung an, für welches Rad sich der Kunde entscheidet“, sagt Christian Fiele. Auf dem Markt hat sich viel getan, sowohl in Sachen Technik als auch im Design.
In den vergangenen Jahren beispielsweise ist das Elektrofahrrad immer beliebter geworden. Mit teilweise 100 Kilometern Reichweite kann man sogar das Münsterland erkunden, ohne an den Rande der Erschöpfung zu geraten. „Ein Elektrorad ist keine Frage des Alters. Ich kann den Motor beliebig oft zu- oder abschalten.“ Zuhause lässt sich der Motor an der Steckdose problemlos wiederaufladen. Inzwischen fallen E-Räder unter „normalen“ Fahrrädern kaum noch auf, da die Motoren so klein geworden sind, dass es sich auch um eine Gepäcktasche unter dem Sattel handeln könnte.
Eine schier unendliche Auswahl an Rädern und Zubehör wartet also beim Fachhändler auf die Kunden. Was Sie in Sachen Ausrüstung beachten sollten, zeigen wir im folgenden. js Es hat zwar nur einen Rahmen, Sattel und zwei Räder, doch neben der richtigen Sicherheitsausrüstung gibt es noch allerhand Zubehör, die das Rad zum Allround-Talent machen.
Wer nicht bremst, verliert
Bei längerer Standzeit unbedingt vorab testen, ob die Bremsen funktionieren und die Beläge in Ordnung sind. Die Form des Lenkers ist abhängig von der Sitzhaltung, bei Hollandrädern ist er gebogen, bei Cityrädern eher gerade und bei Renn- und Mountainbikes empfehlen sich Bügel bzw. Hörner. Eine Klingel ist obligatorisch, zusätzlich ist Platz für Tachometer und Vordertasche.
Wo ist das Katzenauge?
Mindestens ein Katzenauge in den Speichen ist Pflicht, lernt man in der Fahrradprüfung. Inzwischen sind die meisten Reifen mit einem Reflektorstreifen ausgestattet, da ist das orangefarbene Auge nicht mehr notwendig. Die Beleuchtung – vorne ein weißer Scheinwerfer und hinten ein roter Rückstrahler – ist gesetzlich vorgeschrieben. Neuere Modelle verfügen auch zusätzlich über ein Standlicht.
Wasser marsch
Sauber zu halten ist das Fahrrad relativ einfach. Leichter Staub lässt sich zwischendurch mit einem trockenen Tuch abwischen. Geht es über Stock und Stein durch Wald und Flur, bringt man das Rad hinterher mit warmem Wasser wieder zum Glänzen. Laugenwasser nur bei hartnäckigem Schmutz verwenden! Wer das Rad draußen abstellt, kann es mit einer speziellen Fahrradplane abdecken.
Bequem in den Sattel schwingen
Beim Sattel ist nicht nur die Sitzhöhe, sondern auch die -fläche wichtig. Sitzt man aufrecht (Holland- und Cityrad), ist eine breite Sitzfläche zu empfehlen, bei sportlicher Haltung (Mountainbike und Rennrad) eine eher schmalere und längere. Die Sitzposition sollte in der Regel um mind. 15 Grad geneigt sein, damit die Wirbelsäule ihre natürliche Wölbung beibehalten kann.
Stauraum nutzen
Der Gepäckträger bietet genügend Platz für einen Fahrradkorb oder auch abnehmbare Fahrradtaschen, die je nach Modell an einer (s. Abb.) oder an beiden Seiten montierbar sind. Auch unter dem Sattel lässt sich eine kleine Tasche befestigen – für Flickzeug und Verbandsmaterial. Eine Luftpumpe sollte bei Touren nicht fehlen. Mit dem Rahmenschloss kann man das Rad zügig abschließen.
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