Andalusien – Tradition und Fortschritt
17.08.2010
Der traditionelle Flamenco gehört genauso zu Andalusien wie moderne Solaranlagen – Das Sonnenland bietet viel Abwechslung
Weiße Strände mit unzähligen Muscheln, türkisfarbenes Wasser und warmes Wetter – das klingt nach dem perfekten Strandurlaub. Wer in Andalusien allerdings den Blick nicht nur über das glitzernde Meer schweifen lässt, sondern auch auf die Landschaft und in die Städte blickt, erkennt, dass die Region, die eine der 17 autonomen Gebiete Spaniens gehört, nicht nur der perfekte Ort zum Ausspannen und Relaxen ist. Schon auf dem Weg vom Flughafen können die Besucher der Costa de la Luz einen kleinen Vorgeschmack auf das spanische Land bekommen. Auf der Fahrt zum Hotel oder zum Ferienappartment sieht man nicht selten zahlreiche Flamingos. Andalusien gehört mit Frankreich zu den einzigen Ländern, in denen Flamingos noch in freier Wildbahn leben. Die Schlammhaufen, die aus den Flachwassern herausragen, bieten die ideale Möglichkeit für die Vögel ihre Eier zu legen und die Brut aufzuziehen. Nachdem die Jungen geschlüpft sind, bleiben sie nur wenige Tage im Nest. Wenn die Lagunen schließlich im Hochsommer austrocknen, müssen sich die Flamingos für die Nahrungssuche auf den Weg zu anderen Gewässern machen und zeigen im Zuge dessen den Besuchern des Landes oft ihr pinkes Federkleid.
Vom Flamingo zum Flamenco, so ein Wechsel ist nur in Andalusien möglich. Schon im 15. Jahrhundert war die Geburtsstunde dieses legendären Tanzes, der heute in keinem anderen Land so beliebt ist wie in seinem Heimatland Andalusien. Während der Flamenco, der arabische, persische, indische und spanische Elemente miteinander verbindet, zur damaligen Zeit noch den Schmerz und das Leid der spanischen Zigeuner, der Gitanos, ausdrückte, steht er heute für die spanische Lebensfreude. Nicht zuletzt die Gitarrenspiele, die unverwechselbaren Castagnettenklänge und das rhythmische Klatschen sorgen dafür, dass die Besucher Andalusiens von den temperamentvollen Schritten begeistert sind.
Bei der Wahrung dieser alten Tradition kann leicht der Eindruck entstehen, Andalusien sei eine Gegend, die sehr an der Vergangenheit hängt. Wenn man jedoch einen Blick auf die Energiegewinnung des Landes wirft, so ist Andalusien so fortschrittlich wie nur wenige andere Nationen. Das Sonnenland nutzt die natürlichen Gegebenheiten so effizient wie nur möglich aus und ist stolz, im Besitz des weltweit größten Solarkraftwerkes zu sein. Bei mehr als 3.000 Sonnenstunden im Jahr erweist sich diese Investition als äußerst gewinnbringend, sodass bereits zwei weitere Werke in Planung sind. Der Ertrag lässt sich schon jetzt ablesen: mit einem Werk können rund 200.000 Menschen mit umweltfreundlichem Solarstrom versorgt werden.
Die Flamingos bringen mit ihrem rosaroten Federkleid viel Farbe nach Andalusien. Von den zahlreichen Sonnenstunden profitieren aber nicht nur das Sonnenkraftwerk und die Umwelt, sondern auch die vielen Sonnenblumenfelder, die die Landschaft Andalusiens zieren. Zu Hunderten recken die prachtvollen Blumen ihre Blüten der Sonne entgegen und enden nicht selten auf einem Erinnerungsfoto. Bildlich festgehalten werden sollte auch der Fenster- und Balkonwettbewerb, der einmal im Jahr in den Innenhöfen von Córdoba ausgetragen wird. Zwar finden sich dort nur selten Sonnenblumen, dafür sorgen die mit Geranien, Nelken und Pelargonien geschmückten Blumentöpfe und Balkonkästen für frische und fröhliche Farben in den Gassen des Städtchens. Und da jeder Bewohner auf den Gewinn des Wettbewerbs erpicht ist, geben sich die Anwohner jedes Jahr die größte Mühe, ihren Balkon ins beste Licht zu rücken. Außerdem wird mit dem Wettstreit die alte Tradition fortgesetzt, dass auf den Balkonen der Stadt stets Blumen in ihrer bunten Pracht erblühen. Zwar findet der Wettbewerb bereits im Mai statt, doch selbst im Hochsommer ist der farbenprächtige Blumenschmuck noch gut erhalten. Außerdem wandelt man bei einem Bummel durch den Ort auf den Straßen einer Stadt, die zum Weltkulturerbe ernannt wurde. Das kann man gewiss nicht von jedem Urlaubsziel behaupten.
Wer die Entdeckungstour durch das Land hinter sich hat, sollte sich auch einmal die Zeit zum Ausspannen gönnen. Die zahlreichen, wunderschönen Sandstrände bieten dafür die beste Gelegenheit. Beim Nickerchen am Mittag ist allerdings Vorsicht geboten! An der Ostküste, die ans Mittelmeer grenzt, machen sich Ebbe und Flut weitaus bemerkbarer als an der Westküste, die an den Atlantik grenzt. Obwohl man sich möglicherweise in Sicherheit wägt, das Strandlaken morgens noch weit vom Meer entfernten am Ende des Strandes ausgebreitet zu haben, kann einige Stunden später das Wasser schon an den Zehen kitzeln. Die durch die Flut erzeugten Wellen lassen das Herz aber schnell höher schlagen und laden zum feucht-fröhlichen Bad im Meer ein.
Für diejenigen, die sich viel besser bei sportlichen Betätigungen entspannen können, sind die Wellen natürlich die beste Voraussetzung für das Wellenreiten. Den Ritt nicht auf dem Wasser, sondern am Wasser entlang sollten sich aber vor allem Pferdefreunde nicht entgehen lassen. Der Traum, einmal mit einem wunderschönen Pferd am Strand entlang zu reiten, kann sich in der zweitgrößten Region Spaniens schnell erfüllen. Viele Reiterhöfe verleihen die für das Land typischen Andalusier für einen Tagesritt an interessierte Touristen. Da es in Spanien die Gangart „Trab“ nicht gibt, kann die Küstenregion im schnellen Galopp oder im gemütlichen Schritt erkundet werden. Und da das Glück der Erde bereits auf dem Rücken der Pferde liegt, kann der Reiter wohl nur noch glücklicher werden, wenn der Ritt vorbei am rauschenden Meer und durch den feinen Sandstrand führt.
Nach einem langen Tag ganz im Zeichen Andalusiens sollte auch das Abendessen typisch spanisch ausfallen. Der beste Einstieg für ein andalusisches Menü ist ein für die Region typischer Sherry als Aperitif. Für die traditionelle Vorspeise bietet sich bestens das so genannte gazpacho an. Die Suppe, die aus pürierten Tomaten, Paprika, Gurken und Knoblauch besteht und mit Olivenöl und Salz verfeinert ist, wird kalt serviert und schmeckt am besten mit kleinen Brotwürfeln, Tomaten- und Gurkenstücken als Beilage. Bei den Hauptgerichten findet sich häufig Fisch auf den Speisekarten. Das große Angebot, das das Meer bereit hält, spiegelt sich auch in den Restaurants wider und so haben die Gäste die Wahl zwischen Barsch, Seezunge, Thunfisch bis hin zum Hai. Wer dabei nicht satt wird… mh
|
|