Es mutet fast schon unheimlich an, wenn man Bilder aus dem World Trade Center sieht, damals, als noch alles in Ordnung war. Der Künstler Slawomir Elsner hat 2001 in und aus dem noch stehenden World Trade Center fotografiert. Im Club „Windows on the World“ im 107. Stockwerk hielt er die Welt draußen und das Leben innerhalb des Gebäudes fest, Bilder, die so nie wieder realisierbar sein werden.
Später hat Elsner die entstandenen Fotografien mit Buntstiften auf das Format 1,68 x 1,10 Meter übertragen, jedes Detail, jede Verwackelung des Abzugs wurde übernommen, doch die Motive wirken durch Elsners gestrichelten Farbauftrag verfremdet. Die grellen, gleißenden Lichter von den Straßen New Yorks überdecken geradezu die dunklen Konturen der umliegenden Gebäude. So treffen Fotografie und Zeichnung in ungewöhnlicher Art und Weise aufeinander.
Die Fotoaufnahme, die eine scheinbar objektive Vergangenheit abbildet, wird mit der individuellen Erfahrung des Künstlers durch seine Buntstiftzeichnung verbunden, so dass der Betrachter aus einer wahrlich spannenden Perspektive mit nine eleven konfrontiert wird. Statt der immer wiederkehrenden einstürzenden twin towers sehen wir ein ganz unspektakuläres und tiefsinniges Werk, das dem Gedenken an die Opfer gerecht wird.
Die Werkgruppe von Slawomir Elsner ist nach dem Club benannt, in dem er fotografierte, „Windows on the World“, und wird vom 10. September bis zum 29. Oktober in der Neuen Galerie im Rathauspark zu sehen sein. Ausstellungseröffnung ist am Freitag, 10. September, um 20 Uhr. Dann wird auch Slawomir Elsner in Gladbeck sein und seine Werke vorstellen. js



