Wer hätte gedacht, dass zwei Stunden Flug wie eine Zeitreise sein können? Wer zu einem Besuch auf die „Grüne Insel“ aufbricht, vermag in eine Welt aus längst vergangenen Zeiten einzutauchen.
Denn nur 30 Kilometer nördlich vom Flughafen Dublin entfernt in der Grafschaft Meath im „Tal der Könige“ liegen die zwei berühmtesten Megalith-Anlagen Irlands, kolossale Hügelgräber, in denen unterirdisch große Steinsäulen Passagen säumen. Um etwa 3200 v. Chr. von Ackerbauern errichtet, sind sie sogar älter als Stonehenge in England und die Pyramiden von Gizeh in Ägypten. Die in den Steinen eingearbeiteten geheimnisvollen Muster und Symbole geben lediglich Hinweise auf die damalige jungsteinzeitliche Kultur, alles andere bleibt jedoch im Verborgenen, was der Gegend eine nahezu mystische Aura verleiht. Ein solch monumentales Kulturerbe wirkt ziemlich unheimlich, wenn man bei loderndem Fackellicht durch die dunklen Grabgänge geführt wird.
Die Geschichte der Iren selbst beginnt mit der Besiedlung durch die Kelten um 300 v. Chr., die bis zum 8. Jahrhundert n. Chr. vollständig christianisiert wurden. Aus diesem Zeitraum stammen auch etliche Mythen und Legenden, aber natürlich auch archäologische Funde, wie z.B. keltische Steinverzierungen oder frühchristliche Kreuze und Schalen, die in diversen Ausstellungen zu bewundern sind. Die dritte prägende Hinterlassenschaft ist die keltische Sprache, das Gälische, welches nur noch von etwa 3 Prozent der Bevölkerung gesprochen wird, aber noch im ganzen Land vertreten ist, so z.B. auf Orts- und Straßenschildern.
Wer genug über alte Zeiten gegrübelt hat, der wage wieder einen Schritt Richtung Gegenwart und gönne sich eine kleine Pause bei Tee und Rosinenbrötchen („scones“) in einem der nahe gelegenen Teehäuser. Danach gibt es auf ausgiebigen Wandertouren viel von Irlands weiter Flur zu entdecken.
Bei einer Fläche von gut 70.000 Quadratkilometern sollte man viel Zeit für Erkundungen mitbringen. Aufgrund der landschaftlichen Unterschiede zwischen Ostirland, Südwest- und Nordwestirland bietet sich eine Rundreise natürlich an.
Ideal zum Wandern sind die Wicklow Mountains, eine Bergkette südlich von Dublin. Dieses am dichtesten bewaldete Gebiet Irlands lockt mit üppiger Fauna, die entlang der Wanderrouten zu bestaunen ist, und der Klosterstätte von Glendalough aus dem 6. Jahrhundert.
Nebenbei lohnt es sich, immer mal wieder einen Blick in die zahlreichen verstreuten Kleinstädte und Dörfer in der Nähe zu werfen, die das ländliche Irland prägen.
Die Panoramastraße „Ring of Kerry“ im Südwesten des Landes gehört zu den beliebtesten Touristenrouten. Sie führt um die Halbinsel Iveragh herum, eine Landschaft, die vom rauen Wind und tosenden Wellen in die Küste gerissen wurde. Hier befinden sich noch weitere kleine Buchten und Landzungen, sowie weiter östlich der Killarney National Park und im Süden die Creagh Gardens, wo begeisterungsfähige Naturfreunde auf ihre Kosten kommen.
Unbedingt sehenswert in dieser Gegend ist die „zweite Stadt“ Irlands, Cork. Nach dem alten irischen Sprichwort „Ein Fremder ist nur ein Freund, den man noch nicht kennt“ wird man hier herzlich willkommen geheißen und erlebt eine besondere Art der Gelassenheit und Lebensfreude.
Dabei gibt es keinen besseren Ort unter Leute zu kommen als den traditionellen irischen Pub. Für die Einheimischen ist dies nicht nur ein Ort zum Essen und Trinken. Bei Guinness und einem kleinen Snack wird hier gefeiert, gestritten und über Gott und die Welt philosophiert.
Dass die Iren ein sehr traditionsreiches Volk sind, wird schnell deutlich. Der Leidenschaft zur klassischen irischen Musik, dem „Irish Folk“ mit Harfe und Fiddle, wird noch genauso gerne nachgegangen wie dem Tanz, einer Mischung aus Step- und Formationstanz. Das irische Nachtleben (besonders in Dublin) zu erkunden, kann also zu reizvollen Begegnungen und spannenden Erlebnissen führen.
Unterkunftsmöglichkeiten in Irland reichen von Zeltplätzen für wetterfeste Camper über günstige Hostels oder dem klassischen Bed & Breakfast bis hin zu kleinen Landsitzen, den Cottages, die original irisches Flair versprühen.
Für eine Rundreise ist ein Mietwagen zu empfehlen. Den kann man vorab im Internet oder am Flughafen selbst buchen. Außerdem verfügt Irland über ein gut ausgebautes nationales Busnetz. Diese Überlandbusse bringen Touristen von einer Region zur anderen. Innerhalb der Städte kann man bequem zu Fuß gehen.
(März 2008)