Der Urlaubsort Erl imponiert durch eine einmalige
Bergkulisse. Im Norden erhebt sich das mächtige Kranzhorn mit den
charakteristischen zwei Gipfelkreuzen, im Westen über dem Inntal beherrschen
Brünnstein und Wildbarren das benachbarte Bayern, im Süden begrenzen Zahmer und
Wilder Kaiser den Blick und im Osten steigt in sanften Abhängen der Erlerberg
empor.
Also, Grund genug – nicht nur für Alpinbegeisterte – der
nördlichsten und zugleich tiefstgelegenen Gemeinde Tirols einen Besuch
abzustatten. Die 1400-Seelen-Gemeinde Erl hat nämlich dieses Jahr einen ganz
besonderen Höhepunkt zu bieten – die Passionsspiele. Seit dem Mittelalter sind
Passionsspiele ein wesentliches Merkmal der Tiroler Kulturlandschaft. Seither
verkünden hier Passions- und Osterspiele die christliche Botschaft des
Friedens. Nach fünfjähriger Pause finden die traditionsreichen Festspiele in
diesem Jahr erneut in Erl statt. Zwischen dem 25. Mai und 5. Oktober wird das
Leiden Christi gleich 37 Mal auf die Bühne gebracht. Die Veranstalter erwarten
dabei annähernd 60.000 Besucher aus Österreich, der Schweiz, Deutschland und
Norditalien. Die ganze Dorfgemeinde arbeitet fieberhaft daran, die
Passionsspiele zu einem Tiroler Großereignis werden zu lassen. Bereits seit
2004 wird getextet, geprobt, geschneidert und arrangiert. Man will die
Tradition bewahren, die Qualität aber noch steigern.
Daher präsentieren sich die Passionsspiele in Erl dem
Publikum „im neuen Gewand“ und leiten somit schon jetzt die Vorbereitungen für
das große 400-jährige Jubiläum der Passionsspiele im Jahr 2013 ein. Der
vielfach ausgezeichnete Tiroler Autor Karl Lubomirski erhielt den Auftrag zur
völligen Überarbeitung des Textes. Von der Bühnenbildnerin Annelie Büchner ist
ein neues Konzept zu erwarten, das mittels gezielter Lichtführung die gewohnten Raumverhältnisse der letzten
Jahrzehnte aufzubrechen versucht und dem Spiel eine angemessene sinnliche
Atmosphäre verleihen möchte. Einen wesentlichen Beitrag dazu werden zweifellos
die Kostüme von Lenka Radecky leisten. Wolfram Wagner taucht die überarbeitete
Passionsspiel-Optik in einen neuen Klangraum. Was die Regie anbelangt, vertraut
man auf Bewährtes und überlässt sie den erfahrenen Händen des Regisseurs Rolf
Parton.




