Schermbeck - Kalt ist es, sehr kalt. Auf bis zu minus 63 Grad Celsius fällt
das Thermometer in der Nacht in den kältesten Orten Sibiriens.
Das Land, wo der
Fisch gefroren gekauft und gegessen wird, wo Häuser auf Pfählen errichtet
werden, die tief ins Erdreich reichen, um auch beim Tauen des Bodens Stabilität
zu gewährleisten, wo die Kinder ab minus 52 Grad Schulfrei bekommen und wo ein
bläuliches Licht die alles ergreifende Stille umhüllt – dieses Land ist das
Ziel des Schermbeckers Martin Becker. Mit einem Frankfurter Ehepaar reist der
45-Jährige nach Sibirien, um hier an der Seite eines erfahrenen Kenners als
erster Westeuropäer beide Kältepole zu erleben.
Auf das Abenteuer seines Lebens hat sich Martin Becker gut
vorbereitet und präsentiert stolz seine dicke Jacke, die übergroßen Handschuhe
und seine Stiefel in Größe 47 mit integrierter, isolierter Filzpantoffel.
„Kalte Füße bekomme ich darin bestimmt nicht“, meint der Schermbecker mit einem
Lachen. Aber auch ansonsten macht er sich über die Kälte wenig Sorgen. „Die
Morgentoilette muss eben schnell gehen“, meint er, „aber mal im Ernst, man darf
die Kälte natürlich nicht unterschätzen. Trotzdem habe ich mir sagen lassen,
dass sie sehr erträglich sei.“
Am 20. Februar erfüllt sich für Martin Becker sein lang gehegter
Kindheitstraum. Über Moskau geht es zum Ausgangspunkt nach Yakusk. „Mit dabei
ist ein Frankfurter Ehepaar, das ebenso lange wie ich von dieser Reise träumt.“
Mit Konstantin Abert – kein Europäer kennt sich in dem eisigem Land besser aus
als er – geht es von Yakusk über die Kolyma-Trasse nach Khandyga, um von hieraus
einen der beiden Kältepole, das Örtchen Verkhoyansk zu erreichen. „Die Ortschaften
Verkhoyansk und Oymyakon wettereifern um den Titel kältester Ort der Welt. Nur
in der Arktis ist es zeitweise noch kälter als hier.“ Verkhoyansk trumpft immer
wieder mit Temperaturen um minus 60 Grad auf. Umso überraschender, dass es hier
im Sommer knapp 40 Grad warm ist. „Die Temperaturschwankungen sind extrem“,
weiß Martin Becker. Nach dem strengen Winter folgt der kurze, heiße Sommer, der
abertausende Mücken mit sich bringt. „Eine große Plage für die Menschen.“




