„Es ist warm geworden! Mit diesem Worten begrüßte uns Dima, ein russischer Freund am Flughafen in Jakutien“, erzählt Martin Becker von seiner Reise ins ferne Sibirien. Knapp einen Monat lang war der Schermbecker unterwegs, in der Kältekammer Russlands, mit dem Ziel, die beiden Kältepole Verhojansk und Oimjakon zu bereisen. „Ein Traum ist in Erfüllung gegangen, auch wenn die Reise nicht ganz nach Plan verlaufen ist.“ Denn angekommen in Jakutien, dem mehr als 3 Millionen Quadratkilometer großen Landstrich weit nördlich von Japan und Australien, ist nichts sowie geplant. Vom Fahrer Zhenia, der Martin Becker und die anderen drei Abenteuer in drei Wochen rund 4.000 Kilometer durch die Kältekammer fahren sollte, fehlte zunächst jede Spur. „Zhenia auf dem Telefon zu erreichen, war sinnlos. Eine Netzabdeckung gibt es hier nur in zwei Städten, Jakutsk und Batagai.“ Irgendwo im ewigen Eis schien Zhenia samt des Transporters liegen geblieben zu sein. Es blieb den Reisenden also Zeit, sich mit den Besonderheiten und Eigenarten des 5-Sterne-Kältefachs Jakutsk vertraut zu machen. „Gelegenheit, sich an den Geruch des Diesel zu gewöhnen, der hier wie ein beißender Nebel in der Luft liegt.“ Denn die Motoren der Autos werden hier ein halbes Jahr lang nicht mehr abgestellt, sie würden bei den eisigen Temperaturen schlicht nicht mehr anspringen. Aber auch die sibirische Küche war eine Herausforderung für die Reisenden. Da stand roher gefrorener Fisch neben roher gefrorener Pferdeleber oder gekochtes Pferdeblut in Pferdemagen auf der Speisekarte. Gewöhnungsbedürftig für den westlichen Magen.
„Eine Woche lang haben wir nichts von unserem Fahrer Zhenia gehört. Dann tauchte er plötzlich auf und wir konnten unsere Tour starten“, berichtet Martin Becker. Auf den wenigen Straßen, hauptsächlich auf zugefrorenen Flüssen und Sümpfen ging es durch die eingeschneite Winterwelt. „Die Landschaften sind einfach bemerkenswert“, sagt Martin Becker, „ergreifend ist allerdings die Stille, die alles umfängt.“ Denn nichts ist in den Weiten der vereisten Tundra zu hören. „Dort hört man keinen Vogel zwitschern, kein Flugzeug, kein Auto, nur den eigenen Atem.“




