Die Schornsteinfeger - wie man sie kennt - mit voller Ausrüstung.
Neue Besen kehren gut – unter diesem Motto hat Markus
Augustin am 1. April den Kehrbezirk 47, das sind Schultendorf, Rentfort-Nord
und ein Teil Zweckels, von seinem Vorgänger Horst Lippeck übernommen. Somit
müssen sich die Bürgerinnen und Bürger in Sachen Schornsteinfeger an ein neues
Gesicht gewöhnen.
Der 43-jährige Gladbecker ist bereits im 27. Jahr
Schornsteinfeger und übt diesen Beruf mit Freude und Leidenschaft aus.
Gemeinsam mit Benjamin Fischer bildet er das Glücksbringer-Team im Gladbecker
Norden. Doch was macht der schwarze Mann eigentlich genau? Auf jeden Fall mehr,
als Leitern durch die Gegend tragen und mit dem Drahtbesen die Schornsteine zu
fegen. LebensArt hat die beiden auf einer ihrer Touren begleitet.
„Schornsteinfeger ist ein sehr vielseitiger Beruf. Neben der
Reinigung sind die Inbetriebnahme neuer Heizungsanlagen, der Immissionsschutz
und vor allem auch Beratungstätigkeit ein weiteres Feld unserer Aufgaben“, weiß
Markus Augustin aus langjähriger Berufserfahrung zu berichten. Im Frühjahr sind
die Dohlenvögel ein besonderes Problem der Hauseigentümer. Sie nutzen gerne die
warmen Schornsteine, um ihre Nester zu bauen. Also machen sich Markus Augustin
und Benni Fischer mehr als einmal pro Tag auf den Weg, die Nester zu beseitigen
und Schutzgitter anzubringen. „So ein verstopfter Kamin kann lebensgefährlich
sein, da die giftigen Gase in die Innenräume gelangen“, sagt Benni Fischer.
Bei Familie Haase in Zweckel steht die klassische Kaminreinigung
an. Zunächst heißt es, Leiter an die Hauswand stellen und ab auf das Dach. Dort
geht es mit der langen Drahtbesenschlaufe in den Kamin. Der dabei abfallende
Ruß muss anschließend im Keller aus dem Kamin gekehrt werden und ab in die
Mülltonne – schon fertig. „Nach dem langen Winter kommt eine Menge Ruß
zusammen, die Leute haben viel mit dem Kamin geheizt. Das lohnt sich richtig“,
erzählt Benni Fischer und holt neben dem vielen schwarzen Staub doch glatt noch
ein Vogelskelett aus dem Abfall.
Heizungen müssen regelmäßig vom Fachmann gewartet werden.
Weiter geht der Weg zur Uechtmannstraße – dort wird eine
Heizung auf die Immissionswerte hin überprüft. Der Gesetzgeber gibt bereits
seit Jahren vor, Heizungen regelmäßig vom Fachmann überprüfen zu lassen. „Das
ist wie der TÜV beim Auto – wenn es nicht vorgeschrieben wäre, würden viele
wichtige Messungen nicht stattfinden, was zu extremer Umweltbelastung aber auch
zur Gefahr für die eigenen Gesundheit werden könnte. Und mit gut funktionierender
Heizung lässt sich eine Menge Energie sparen“, so der Experte. Allerlei
Richtwerte gilt es dabei zu checken – Abgase, Kohlendioxide, Kohlenmonoxide,
Rußtest – dafür gibt es zum Glück Messgeräte, die auf schnellem Wege zeigen, ob
alles in Ordnung ist.
„Meistens ist es das – und wenn nicht, muss die Heizung
vom Installateur gewartet und neu eingestellt werden. Ein paar Wochen später
kommen wir zur Kontrolle. Das mag manchmal nicht gerne gesehen werden, aber
letztendlich ist das zur Sicherheit aller – der Umwelt und der Menschen“,
erklärt Markus Augustin. Seit drei Jahren ist er Schornsteinfegermeister und Gebäudeenergieberater
im Handwerk. Somit berät er hinsichtlich energiesparender Heizsysteme und
stellt den Energieausweis aus, der bei Verkauf oder Vermietung einer Immobilie
benötigt wird.
Insgesamt 3150 Haushalte haben die beiden Meisterkehrer im
Jahr zu betreuen – doch auch sie erliegen oftmals der Bürokratie. Mehr als die
Hälfte ihrer Arbeitszeit verbringen sie im Büro, um ihre Touren vor- und nachzubereiten.
Aber ein ausgeklügeltes System erleichtert schließlich die Arbeit. Jede Heizung
ist erfasst und muss nur noch mit den gemessenen Werten versehen werden.
Schornsteinfeger haben übrigens eine rund 99-prozentige Beliebtheit
unter den Bürgern: Sie gelten als freundlich und gerngesehen. Das können die
Gladbecker bestätigen. „Die meisten Menschen sind nett zu uns. Sicher gibt es
auch mal diejenigen, die mit dem falschen Fuß aufgestanden sind, und unser
Kommen mit Grimmigkeit entgegentreten, doch das ist wirklich selten“, freut
sich Markus Augustin und strahlt über das leicht verrußte Gesicht. gj