„Ich hab’s im Kreuz“
20.05.2009
Der Rückenschmerz gilt als Volkskrankheit Nummer eins
„Nee, lass mal. Ich hab’s im Kreuz.“ – Diese Erklärung hört man nicht selten in den unterschiedlichsten Alltagssituationen, wenn mehr oder weniger schwere Last zu tragen ist. Rückenschmerzen, die Volkskrankheit Nummer eins, trifft immer mehr Menschen in Deutschland und auch junge Menschen sind bereits gefährdet.
Ein Grund dafür ist die Bewegungsarmut im Alltag. Längere Strecken legen viele nur noch selten zu Fuß zurück, am Arbeitsplatz warten Bürostuhl und Schreibtisch und auch in der Freizeit liegen Fernseher und Computer auf der Favoritenliste weit vor der sportlichen Betätigung. Hinzu kommt, dass der Ernährungsplan aus den unterschiedlichsten Gründen nicht unbedingt immer viel Obst und Gemüse und wenig Fett und Zucker beinhaltet.
Kurz gesagt: Stress, Übergewicht, zu wenig Sport. Dies sind nur einige wenige Ursachen für den schleichenden Schmerz im Rücken, der auf ständige Haltungsfehler zurückzuführen ist. Auch psychische Belastungen spielen eine große Rolle.
In den wenigsten Fällen können Ärzte wirklich die direkte Ursache für Rückenschmerzen diagnostizieren. Dieser spezifische Rückenschmerz ist meist auf ganz konkrete Schäden im Bewegungsapparat zurückzuführen – beispielsweise auf einen Bandscheibenvorfall –, während der unspezifische Rückenschmerz, an dem die Mehrheit der Bevölkerung leidet, auf eine Vielzahl von Haltungsschäden beruht, wenn Wirbelsäule, Muskeln, Bänder und Sehnen nicht mehr einheitlich funktionieren. Es kommt zu unangenehmen Verspannungen, die häufig nur ab und zu, dann aber regelmäßig auftreten.
Rückenschmerzen, die noch nicht in Arme und Beine übergehen, können meist mit leichten Schmerzmitteln behandelt werden, zusätzlich helfen Wärmekompressen und Cremes die Muskelverspannungen und Entzündungen zu lindern. Bei heftigen Rückenschmerzen, die plötzlich auftreten und dauerhaft sind, sollte ein Arzt aufgesucht werden.
Eine individuelle Physiotherapie oder regelmäßige Massagen können helfen, Rückenschmerzen auf Dauer zu mildern. „Prozentual gesehen gehören Rückenschmerzen zu den Beschwerden, die wir am häufigsten behandeln“, bestätigt auch Mirko Müller vom Kirchhellener Therapiezentrum Rückenschmerzen als Volkskrankheit Nummer eins. „Doch auch nach der Behandlung bei uns müssen die Übungen zuhause weiter durchgeführt werden, denn sonst kommt es nach kurzer Zeit wieder zu den gleichen Schmerzen“, weiß der erfahrene Physiotherapeut. „Wenn das Muskelgewebe verspannt ist, ändert sich der PH-Wert, es wird schlechter durchblutet, porös und damit anfälliger für Belastungen.“ Wenn dann etwas Schweres zu heben ist, kommt es nicht selten zu schlimmen Verletzungen. „Wir behandeln passiv durch Dehnungen und Massagen, denn das geschädigte Gewebe muss wieder mobilisiert werden.“
Auch nach erfolgreicher Behandlung oder zur Vorbeugung rät der Experte Mirko Müller: „Nur ein aktiver Lebensstil mit sportlicher Betätigung, aber auch seelische Entspannung können dem entgegenwirken.“ Vor allem aktives Sitzen am Arbeitsplatz sei hilfreich, so der Physiotherapeut. Also, öfters mal auf dem Bürostuhl die Position wechseln. Und bei allen Bewegungen im Alltag gilt es, das Phänomen Instinktschonung auszumerzen, denn schmerzen erst einmal bestimmte Bewegungen, achten wir instinktiv darauf, genau diese zu vermeiden, „ein Teufelskreis“, so Mirko Müller.
Außerdem ist es ratsam, Matratze, Bett, Fahrrad und Bürostuhl auf Qualität zu überprüfen, denn die Verbesserung der Alltagssituation ist das A und O bei der Bewältigung des Schmerzes. js