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Braucht Kirchhellen ein Jugendzentrum?

Die Sozialraumanalyse gibt Aufschluss über das Freizeitverhalten von Jugendlichen in Kirchhellen - Ob der Spargelhof Beckmann zum Jugendhaus wird, bleibt offen

Kirchhellen - Kirchhellener Jugendliche sind in Sachen Freizeitgestaltung gut versorgt. Das hat die sogenannte Sozialraumanalyse des Jugendamts Bottrop und der freien Träger in Kirchhellen ergeben. Sie haben im Sommer und Herbst 2011 die Kirchhellener Jugendlichen unter die Lupe genommen.
 

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Ulla Delsing und Janine Pakeiser wollen am ehemaligen Spargelhof Beckmann einen Begegnungsraum für Jugendliche schaffen.

Die für die Studie interessante Gruppe der 11- bis 21-Jährigen umfasste am Stichtag (31.12.2010) in Bottrop 1.613 Jungen und Mädchen. Abgefragt wurde unter anderem das Zeitkontingent der Kirchhellener Jugend: Drei Viertel haben zwischen drei und fünf Stunden Freizeit pro Tag. 78 Prozent gehören mindestens einem, oft zwei oder mehr Vereinen an. Der weitaus größte Teil, 83 Prozent, gehören einem Sportverein an, 30 Prozent einem Jugendverband in kirchlicher Trägerschaft, 17 Prozent sind in einer Musikschule oder in einem Chor und 8,7 Prozent in anderen ortsansässigen Vereinen organisiert.

Diese starke Vereinsstruktur ist auffällig und nicht repräsentativ für viele andere Städte, aber typisch für Kirchhellen. Die meisten Jugendlichen verbringen ihre Freizeit in Kirchhellen. Mit ihren Freunden treffen sie sich vor allem zu Hause oder im Verein, selten jedoch in einem Jugendtreff. So besuchen nur 3,8 Prozent den Jugendkeller der Pauluskirche und nur 6,3 Prozent die Jugendhütte. Die nicht in Vereinen oder Verbänden organisierten Jugendlichen treffen sich eher am Bankenvorplatz oder an der Skateranlage am Sportplatz der Loewenfeldstraße, in der Eisdiele oder privat.

Nur wenige Kirchhellener gaben an, die sogenannten institutionellen Treffpunkte, also offene Einrichtungen und feststehende Angebote (wie beispielsweise die Jugendhütte des Jugendhilfevereins Philipp Neri) zu besuchen. Bemängelt wird hingegen das Fehlen von Gaststätten und Cafés, die auf Jugendliche ausgerichtet sind. Die gesamte Studie ist unter www.bottrop.de einsehbar.

Dennoch ist die Jugendhütte nach wie vor gut besucht. Dort treffen sich hauptsächlich diejenigen, die nicht organisiert sind und Jugendliche, die neben dem Verein noch Freizeit anders verbringen möchten. Die zuständige Streetworkerin, Michaela Huwe, kann den Jugendlichen, die sich dort regelmäßig treffen, Anregungen geben oder einfach nur da sein. Denn Jugendeinrichtungen sind auch in Kirchhellen wichtig. Ganz anders stellt sich der Spargelhof Beckmann zurzeit dar. Auch hier wird bereits regelmäßig ein offenes Angebot genutzt, doch sieht die Stadt Bottrop und auch die Bezirksvertretung noch keinen Handlungsbedarf für eine dauerhafte Einrichtung. Karl Trimborn, neuer Leiter des Jugendamtes, sagte gegenüber LebensArt, dass es zur Zeit keine konkreten Planungen für die Einrichtung eines Jugendzentrums im ehemaligen Spargelhof Beckmann gebe. „Es ist
diesbezüglich bisher keine Entscheidung getroffen worden“, so der Leiter des Jugendamtes.

Jedoch stehen Ulla Delsing aus Dorsten und Janine Pakeiser aus Kirchhellen schon in den Startlöchern. Sie möchten das Projekt „Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtung am Spargelhof“ gerne unterstützen. „Wir wollen gemeinsam mit den Jugendlichen das Gebäude ausbauen“, sagt Ulla Delsing, die als Bildungsträgerin schon mehrere solcher Projekte initiiert hat. „Wir möchten dazu gerne die Arge aus Bottrop mit ins Boot holen“, sagt Ulla Delsing. Anlass dazu gibt ihnen unter anderem das „Europäische Jahr für aktives Altern und Solidarität zwischen den Generationen.“ „Eine gemeinsame, generationsübergreifende Geschichte kann auch hier in Kirchhellen entstehen – ein altes Gebäude für die Zukunft retten. Jung und Alt zusammenbringen und gemeinsam ein Projekt starten, um für Kinder und Jugendliche Zeit und Raum zu schaffen“, so lautet das Motto von Ulla Delsing. Um Kosten zu sparen, ist man auf Zuwendung aus der Kirchhellener Unternehmerschaft angewiesen. „Sanieren kostet und Kosten schrecken ab. Die Städte sind verschuldet, scheuen selbstverständlich neue Kosten und so passiert oft gar nichts. Abreißen scheint meist die billigere Alternative, aber Geschichte geht dann verloren. Jugendliche aber brauchen keinen teuer sanierten Luxus, sondern lediglich trockenen, warmen und sauberen (Erfahrungs-)Raum, wo sie willkommen sind“, weiß die Dorstenerin.

Ulla Delsing und Janine Pakeiser wollen Sanierung und aktive Gestaltung ohne Neuverschuldung. Fraglich bleibt, ob ein solches Projekt ohne direkte Einbeziehung der Stadt und großer Bildungsträger realisierbar ist. Denn die Renovierung eines alten Gebäudes mit privaten Mitteln ist die eine Seite. Eine kontinuierliche Programmgestaltung für Jugendliche, die Verwaltung und Betreuung gestalten sich da schon schwieriger. gk/gj

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