Foto: Egon Maier

Hilfe für pflegende Angehörige

Das Sozialwerk möchte pflegende Angehörige mit einem neuen Angebot entlasten – Sieben Ehrenamtliche sollen ab sofort pflegebedürftige Menschen stundenweise betreuen

Kirchhellen - Einen geliebten Menschen zu pflegen, ist oftmals kräftezehrend und kann Angehörige vor große Herausforderungen stellen. Schließlich beschäftigt und belastet diese Aufgabe Pflegende rund um die Uhr, für Erledigungen, Arztbesuche oder eigene soziale Kontakte bleibt kaum noch Zeit. Ab sofort soll ein neues Angebot des Sozialwerks St. Johannes diese Menschen ein Stück weit im Alltag entlasten: Ein Pool aus Ehrenamtlichen steht zur Verfügung, um pflegebedürftige Menschen in Kirchhellen nach Bedarf stundenweise zu betreuen.

„Unsere Ehrenamtlichen stehen in den Startlöchern“, verrät Ulrike Eikenkamp vom Sozialwerk. „Wir sind schon alle ganz gespannt, wie der Dienst angenommen wird.“ Immer mehr Menschen pflegen ihre Angehörigen zu Hause. Für sie ist es in der Regel eine Herausforderung, den Alltag flexibel zu gestalten. „Es kann vorkommen, dass man ganz plötzlich irgendwohin muss – sei es ein Arztbesuch oder eine Beerdigung. Wenn niemand zu Hause einspringen kann, bleibt manchmal keine andere Wahl, als den anstehenden Termin abzusagen.“ Da das Sozialwerk immer häufiger auf dieses Problem angesprochen wurde, reifte die Idee, einen Dienst anzubieten, der pflegende Angehörige entlasten soll.

Auf einen Aufruf in der Pfarrinfo und der örtlichen Presse meldeten sich im vergangenen Jahr innerhalb kurzer Zeit sieben Interessierte, die bereit waren, sich für dieses Projekt ehrenamtlich zu engagieren. Um die sechs Frauen und einen Mann auf ihre Aufgabe vorzubereiten, führte Andrea Duckheim, Leiterin der ambulanten sozial-pflegerischen Dienste des Caritasverbandes Bottrop, im Oktober und November 2014 eine Schulung durch. „Nun können sie stundenweise die Betreuung der zu pflegenden Menschen übernehmen“, erklärt Ulrike Eikenkamp. „Sie ergreifen aber keine pflegerischen Maßnahmen.“ Trinken und Essen anzureichen oder die Personen zur Toilette zu begleiten sei kein Problem. Für weitere pflegerische Maßnahmen sind die Ehrenamtlichen aber nicht geschult. Die Angehörigen hinterlassen jedoch stets ihre Telefonnummer, sodass der Ehrenamtliche Bescheid geben kann, falls derartige Maßnahmen notwendig werden oder ein Notfall eintritt. Dank der Schulung im vergangenen Herbst sind sie aber auch für die Betreuung von Demenzkranken gerüstet. Andrea Duckheim zeigte auf, was Demenz ist und welche Kommunikationsmöglichkeiten die Ehrenamtlichen nutzen können.

„Im Großen und Ganzen stellen wir uns auf die Wünsche der zu Betreuenden ein“, erklärt die Koordinatorin. So können die Ehrenamtlichen mit ihnen beispielsweise singen, spielen oder lesen. „Es gibt aber selbstverständlich auch Menschen, die einfach froh sind, dass jemand da ist, sich aber vielleicht gar nicht unterhalten möchten.“ Dann sei es auch möglich, dass sich die Ehrenamtlichen einfach nur still dazusetzen.

„Das Angebot richtet sich an unsere Gemeinde. Den Dienst in anderen Städten oder Stadtteilen anzubieten, können wir leider nicht leisten“, erklärt Eikenkamp. Bei einer langen Fahrzeit, fehlt schließlich die Zeit für die Betreuung. „Wir wurden auch schon gefragt, ob ein Ehrenamtlicher immer an einem bestimmten Tag zu einem bestimmten Termin kommen kann. Das funktioniert leider nicht: Wenn jeder Ehrenamtliche eine feste Einsatzzeit hätte, könnten wir nur sieben Leute bedienen und nicht mehr flexibel reagieren. Uns geht es darum, bei plötzlich eintretenden Ereignissen zu helfen.“ Anfragen können somit auch kurzfristig beim Sozialwerk eingehen. Ulrike Eikenkamp versucht dann einen Ehrenamtlichen für den jeweiligen Einsatz zu finden. „Werden wir zwei Mal von dem gleichen Haushalt angesprochen, versuche ich erst einmal den gleichen Ehrenamtlichen zu erreichen, der auch beim ersten Mal schon da war – es ist ja immer ganz gut, wenn man die zu betreuende Person und den Haushalt schon kennt. Leider kann ich aber nicht garantieren, dass das klappt.“ Alle Ehrenamtlichen, von denen sechs aus Kirchhellen und eine aus Dorsten kommen, seien aber gleichermaßen „nett, lieb und sehr hilfsbereit“.
Wer selbst helfen möchte, kann sich übrigens nach wie vor als Ehrenamtlicher melden. Ein Einsatz wäre in vielen Fällen auch ohne Teilnahme an der Schulung möglich. „Wir planen ohnehin, uns regelmäßig zu treffen, um über die Erfahrungen zu sprechen und herauszufinden, was gut läuft und an welchen Stellen Verbesserungen erforderlich sind.“ In Zukunft sollen außerdem Nachschulungen zu bestimmten Themen angeboten werden.

Am 12. März haben Interessierte übrigens die Möglichkeit, sich ausführlich über den Dienst zu informieren: Um 15 Uhr können Pflegende zusammen mit ihren zu betreuenden Angehörigen die Ehrenamtlichen im Pfarrheim St. Johannes persönlich kennenlernen und Fragen stellen. Zur besseren Planung wird um eine Anmeldung unter der Telefonnummer (02045) 40 45-14 gebeten. jh


Pflegende Angehörige können ihre Anfragen direkt an Ulrike Eikenkamp im Eine-Welt-Laden, An St. Johannes 3, richten. Erreichbar ist sie unter der Telefonnummer (02045) 40 45-14.

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