Foto: Jana Golus
Foto: Jana Golus

Gegen Mauern in unseren Köpfen

Beim diesjährigen Projekttag „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ der 
Gesamtschule Schermbeck wurde ein Original-Teilstück der Berliner Mauer enthüllt

Schermbeck - Gegen Mauern in unseren Köpfen stiegen im Juni 400 bunte Luftballons in den Himmel über Schermbeck – und das rund um ein Teilstück der Berliner Mauer. Die Gesamtschule Schermbeck veranstaltete ihren jährlichen Projekttag „Schule ohne Rassismus“ und hielt dabei einen besonderen Höhepunkt bereit. Auf dem Schulgelände wurde im Rahmen eines Festaktes ein Teilstück der Berliner Mauer enthüllt. Das Mauerstück wurde von dem spanischen Künstler Victor Landeta bemalt und zeigt das Bildnis von Nelson Mandela, dem bekannten südafrikanischen Aktivisten gegen die Apartheid und dem ersten schwarzen Präsidenten seines Landes. Er gilt als international herausragender Vertreter im Kampf für Freiheit, gegen Rassentrennung, Unterdrückung und soziale Ungerechtigkeit. Gestiftet wurde das Mauerstück von dem ehemaligen Schermbecker Bürger Elmar Prost.

Geplant war der Projekttag zunächst anders. Die Schüler sollten sich mit der aktuellen Flüchtlingssituation auseinandersetzen. „Aber dann hat Bürgermeister Mike Rexforth angerufen und gefragt, ob wir eine Teilstück der Berliner Mauer auf unserem Schulgelände aufstellen wollen“, erzählt Schulleiter Norbert Hohmann. Also wurden die Pläne geändert und die Schüler der Q1 befassten sich im Rahmen des Projekttages „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ unter der Leitung ihrer Beratungslehrerin Sabina Wichmann mit dem Thema „Erinnern für die Zukunft – Heimat Deutschland“. In verschiedenen Workshops setzten sie sich mit der Bedeutung der Veränderung ihrer Lebenswirklichkeit durch den Mauerfall, die Wiedervereinigung, die Globalisierung und die aktuelle Lebenssituation der Flüchtlinge in Deutschland auseinander.
 

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Im Rahmen eines Festaktes wurde das Original-Teilstück der Berliner Mauer enthüllt.
Foto: Jana Golus

Fast auf den Tag genau ein Vierteljahrhundert nach dem Beginn des offiziellen Abrisses der Berliner Mauer wurde jetzt das Mauerstück in Schermbeck enthüllt. Bürgermeister Mike Rexforth freute sich bei der Enthüllung: „Und so bin ich heute richtig stolz, dass fast auf den Tag genau nach einem Vierteljahrhundert ein Teil dieser Mauer nun in Schermbeck seinen letzten Bestimmungsort gefunden hat. Schermbeck ist nun neben Atlanta, Amsterdam, New York, Singapur und Ujianbao in Südkorea in aller Munde.“ Als Elmar Prost Mike Rexforth vor einigen Monaten über seinen Bruder Kurt Prost kontaktierte, brauchte der Bürgermeister selbst keine Sekunde für seine Entscheidung. Und als er dem Schulleiter der Gesamtschule Norbert Hohmann von der Idee berichtete, das Mauerstück an der Gesamtschule aufzustellen, war auch dieser sofort Feuer und Flamme für das Projekt. „Denn die Mauer gehört zu uns, sie ist Teil unserer Geschichte! Ein Symbol für Schmerz, Trennung und Tod – aber auch zugleich ein Zeichen der Hoffnung, des Glaubens und ein Zeichen der Macht. Der Macht der Menschen. Sie erinnert daran, dass nichts für ewig ist, wenn wir, die Menschen, es nicht wollen“, sagte Mike Rexforth vor der Enthüllung des Mauerstücks.

Auf dem Gelände der Gesamtschule soll das Mauerstück nun als Gedenkstätte und als Mahnmal fungieren und daran erinnern, dass die Freiheit eines der höchsten Güter der Menschheit ist. „Für uns Deutsche ist sie heute eine Selbstverständlichkeit, aber Freiheit kann leider heute nicht jeder Mensch auf dieser Welt sein Eigen nennen“, betonte der Bürgermeister. „Täglich sterben auf dieser Welt Menschen, deren einziger Wunsch es ist, in Frieden selbstbestimmt leben zu dürfen.“

Das Mauerstück sollt ab sofort von den Schülern und allen Schermbeckern als Denkanstoß genommen werden. „Ich wünsche mir, dass euch und uns alle dieses Stück deutscher Geschichte jeden Tag daran erinnert, jeden Menschen so zu nehmen, wie er ist, ihm egal welches Geschlecht er besitzt, welche Neigung er hat, aus welchem Land er stammt oder welchen Glauben er hat, ihm stets mit Respekt zu begegnen“, betonte der Bürgermeister. Der Stifter des Mauerstücks Elmar Prost war bei der anschließenden Enthüllung nicht zugegen, wurde aber durch seine Geschwister Kurt und Annemarie Prost vertreten. „Ich wünsche mir, dass dieses Denkmal, mal denken lässt“, sagte Kurt Prost bei der Enthüllung. Dann ließen die Schüler 400 bunte Luftballons gegen Mauern in unseren Köpfen steigen.

Im Anschluss an die feierliche Enthüllung hatten die Schüler die Möglichkeit vier ihrer Lehrer als Zeitzeugen aus der DDR zum Leben zu dieser Zeit und zum Mauerfall zu befragen. Dabei interessierte die Schüler zum Beispiel, was die Kindheit in der DDR von einer Kindheit zur heutigen Zeit unterscheidet und ob die Lehrer etwas aus der damaligen Zeit vermissen. Die Lehrer Katja Bransdor, Heike und Torsten Ahr und Matthias Trost antworteten bereitwillig auf alle Fragen.

In einem zweiten Block hatten die Schüler die Möglichkeit, Fragen zur aktuellen Flüchtlingssituation zu stellen. Bürgermeister Mike Rexforth gab den Schülern mit auf den Weg, dass jeder einzelne von ihnen den Flüchtlingen schon mit Kleinigkeiten wie einem einfachen Gruß oder Erklärungen, wo sie am besten einkaufen können, helfen kann. go

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