Foto: Julian Schäpertöns

Junge Flüchtlinge erzählen ihre Geschichte

Zwei Syrerinnen besuchen die Jahrgangsstufe 11 der Gesamtschule Schermbeck und erzählen die Geschichte ihrer Flucht

Schermbeck - Riham ist in der Universität, als es passiert. Erst hört sie nur die Geräusche eines Flugzeuges. Plötzlich ein lauter Knall. Das Dach des Vorlesungssaals stürzt ein. Panik bricht unter den Studenten aus. „Jeder rannte durch die Uni. Der Boden war voll mit Glas und Blut“, schildert die 29-jährige Syrerin die Situation. Riham rettet sich nach draußen. Dort sieht sie ihre Universität in Flammen. Zwar kann sich Riham retten, doch das Leben, wie sie es kannte, ist nicht mehr dasselbe. „Es war beängstigend, immer so nah am Tod zu sein“, sagt die Syrerin. Sie trifft einen Entschluss, ihre Heimat zu verlassen, um in Deutschland sicher leben zu können.

Heute lebt Riham Sabbagh in Ochtrup. Ihre Geschichte erzählt sie im Rahmen des Projektes „Life Back Home“ an Schulen. Zusammen mit der Syrerin Marah Alasaad ist sie zu Besuch an der Gesamtschule Schermbeck. Die beiden jungen Frauen berichten dort der Jahrgangsstufe 11 von den Zuständen in Syrien und was sie auf der Flucht durchmachen mussten. Die Schüler haben so die Möglichkeit,  mit echten Menschen, die Schreckliches erlebt haben und nun als Flüchtlinge in unserer Gesellschaft leben, in Kontakt zu kommen und Fragen zu stellen. Was bedeutet es, aus einem Land zu fliehen, in dem Krieg, Hunger und Unsicherheit den Alltag bestimmen? Wie fühlt es sich an, in einer Gesellschaft anzukommen, in der es andere Wertvorstellungen und Lebensbedingungen gibt? Wie läuft der Entscheidungsprozess darüber ab, der dazu führt, seine Heimat zu verlassen. Wie geht man damit um, wenn man in Deutschland angekommen ist, der Krieg zu Hause jedoch weitergeht?

Riham Sabbagh erzählt den Schülern vom friedlichen Leben in Aleppo vor dem Krieg. Dabei zeigt sie persönliche Bilder von ihrer Familie, dem Zimmer, in dem sie gelebt hat und der Universität, die nun in Trümmern liegt. „Wir hatten ein normales Leben bis der Krieg anfing“, berichtet Riham. Als es dann immer schlimmer wird, trifft sie eine Entscheidung. Über die Türkei flieht sie nach Deutschland.  „Ich bin dankbar für mein Leben hier, aber meine Heimat blutet immer noch. Dieser Krieg muss enden“, sagt sie. 

Auch die 22-jährige Marah Alassad erlebt die Schrecken des Krieges. Sie erzählt den Schülern, wie eine Bombe in ihr Zimmer fällt, wie sie ihre beste Freundin bei einem Anschlag verliert und sie irgendwann so deprimiert ist, dass sie nur noch einen Ausweg sieht: Die Flucht. Ihre Mutter verkauft das Haus, damit Marah genug Geld für die Flucht hat. „Ich habe ihr versprochen, dass ich sie nach Deutschland hole, sobald es möglich ist“, erzählt Marah. Dann bricht die damals erst 19-Jährige alleine auf. Der Weg ist voller Gefahren. Sie fährt mit 50 anderen Menschen in einem Tiertransporter, muss mitten in der Nacht in einem viel zu vollem Schlauchboot fünf Stunden über das Meer fahren und miterleben, wie viele Menschen auf der Flucht ums Leben kommen. Doch sie schafft es nach Deutschland. Und ist dankbar dafür. Darum möchte sie anderen Flüchtlingen helfen Deutsch zu lernen. Und sie erzählt ihre Geschichte. Damit andere von den Schrecken in Syrien erfahren... js

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