Foto: aureus GmbH - Julia Liekweg
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Der Lehrer, das Instrument und ich - Musikschule Gladbeck

Die Musikschule der Stadt Gladbeck nimmt langsam wieder den Betrieb auf – Zur Zeit aber nur im Einzelunterricht.

Gladbeck - Nach dem Erfolg des digitalen Unterrichts, den die Musikschule während ihrer Schließung schnellstmöglich umsetzen konnte, freut sich Musikschulleiter Rolf Hilgers, dass nach und nach wieder Leben ins Gebäude einzieht – wenn auch noch unter Auflagen. Die Musikschule hat viele Vorkehrungen getroffen, um den Musikschülern zumindest wieder ein wenig Kontakt zu ihren Lehrern zu ermöglichen.

Nahezu der gesamte Musikschulunterricht im Instrumentalbereich ist wieder in das Hauptgebäude am Bernskamp 1 zurückgekehrt. Der digitale Unterricht, soll nach wie vor unterstützend und als Ergänzung zum Präsenzunterricht stattfinden. „Es ist einfach notwendig, dass wir Kontakt zu den Schülern haben können. Das ist wichtig für uns als Lehrer und natürlich auch für die Schüler“, erzählt uns Rolf Hilgers. Jüngere Schüler brauchen beispielsweise noch Unterstützung und Anleitung beim Stimmen ihrer Gitarre oder der Geige. „Da müssen wir als Lehrer natürlich das Instrument berühren, obwohl wir ansonsten den Körpernähe nach Möglichkeit komplett einstellen. Korrekturen beim Halten des Instruments müssen daher momentan auch entfallen“, sagt der Musikschulleiter.

Auf der sicheren Seite

Dennoch ist die Beleg- und Schülerschaft froh darüber, unter den notwendigen Auflagen wieder ein Stück Unterricht genießen zu dürfen. Im Vorfeld hatte sich Rolf Hilgers in Videokonferenzen mit Musikschulleitern aus der Umgebung und mit dem Verband deutscher Musikschulen über mögliche und notwendige Maßnahmen und Umsetzungsmöglichkeiten der Hygienevorkehrungen ausgetauscht.

Um die Instrumente zum Stimmen der Saiten anfassen zu können, hat die Musikschule den Lehrern Handschuhe zur Verfügung gestellt. Im Eingangsbereich sowie auf den Toiletten stehen ausreichend Handseife und -desinfektionsmittel, auf jeder Etage im Hauptgebäude sind Waschräume, um sich die Hände vor Betreten der Unterrichtsräume zu waschen. Das Betreten der Musikschule ist nur mit einer Mund-Nasenschutzmaske möglich. „Die Eltern der Schüler werden auch gebeten, das Gebäude nach Möglichkeit nicht zu betreten. Auch im Unterrichtsraum dürfen sich ausschließlich zwei Personen aufhalten: Der Schüler und der Lehrer“, bestimmt Rolf Hilgers. Die Räume sind groß genug, dass der nötige Mindestabstand gewahrt werden kann. „Der Unterricht für Blasinstrumente findet sogar in noch größeren Räumen statt. Wir wollten einfach auf Nummer sicher gehen und verhindern, dass sich die Schüler oder Lehrer durch Tröpfchen anstecken“, lauten die Maßnahmen. Die Blasinstrumenten-Schüler setzen im Unterricht natürlich den Mundschutz ab, „denn sonst funktioniert das Spielen ja nicht“, lacht der Leiter. In der Regel behält der Lehrer dann aber den Mundschutz auf, es sei denn, die Raumgröße erlaubt einen großzügigen Abstand zum Schüler.

Einige der Musikschüler oder Eltern haben trotz der Öffnungen unter den strengen Hygieneauflagen noch Bedenken, die Kinder wieder in den Unterricht zu lassen und nutzen weiterhin das digitale Angebot. „Dafür haben wir Verständnis. Wir wissen nicht, ob es Menschen aus Risikogruppen in den Familien gibt. Älteren und vorerkrankten Lehrern haben wir auch empfohlen, den Unterricht digital zu halten“, sagt Rolf Hilgers.

Positive Resonanz und ein bisschen Wehmut

„Wir haben durchweg positive Rückmeldungen von den Schülern und Eltern erhalten. Dank des digitalen Unterrichtsangebots konnten einige Eltern nun zum ersten Mal sehen, wie der Unterricht überhaupt so abläuft und lernen auch die Lehrer in der Unterrichtssituation ganz anders kennen“, freut sich Rolf Hilgers. Daher überlege man, wie das digitale Angebot auch in der Zukunft in den Musikschulalltag integriert werden kann. Die Möglichkeit, von zuhause am Unterricht teilzunehmen, ist besonders für Berufstätige oder Schüler, die aus anderen Städten kommen, eine große Erleichterung. „Wir möchten eine schöne Mischung aus Präsenz- und digitalem Unterricht schaffen und damit eventuell sogar unsere Reichweite erhöhen.“

Doch das Zusammensein fehlt schon. Der Einzelunterricht kann zwar für die meisten stattfinden, doch noch können die kleineren und größeren Ensembles und Orchester nicht proben. „Das ist äußerst schade. Unsere großen Konzerte sind und werden noch abgesagt und selbst wenn wir im September wieder auftreten dürften, können wir bis dahin ja nicht zusammen proben“, sagt Rolf Hilgers betrübt. Es sei schade um die großen Orchester, aber mit mehr als 50 Personen in einem Raum zu proben scheint noch lange nicht möglich zu sein. „Wenn ich schätzen müsste, würde ich sagen, dass wir vielleicht erst frühestens nach den Sommerferien mit den großen Orchestern proben dürfen. Kleinere Ensembles könnten auch schon vor den Sommerferien wieder zusammenkommen, aber auch da bleiben die Entwicklungen abzuwarten“, sagt er. Außerdem stellt er in Aussicht: „Es ist möglich, dass wir unser nächstes Konzert in diesem Jahr erst Ende November oder Anfang Dezember spielen können.“ Auch die Kooperation mit den Kindergärten, Kindertagesstätten und Schulen muss noch ein wenig warten. „In den Einrichtungen wissen die Mitarbeiter ja meist selbst noch nicht, wie es weitergeht. Wir stehen aber in ständigem Kontakt, um schnell reagieren zu können.“

„Ich freue mich auf den Tag, an dem alles wieder normal ist, klar. Aber im Moment sind wir in dieser besonderen Situation und wir von der Musikschule tun unser Möglichstes, ein sicheres und hygienisches Arbeitsumfeld für die Kollegen und Schüler zu schaffen. Wir gehen auf die Bedenken von Eltern und Schülern bestmöglich ein und bieten Alternativen, damit sich niemand beim Musizieren unwohl oder unsicher fühlen muss“, schließt der Musikschulleiter. // jl

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