Foto: Privat
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Pastor Xavier feiert Jubiläum in Schermbeck

Xavier Muppala feierte Ende 2019 sein 20-jähriges Priesterjubiläum – Wir haben mit ihm über seinen Werdegang bis nach Schermbeck gesprochen.

Schermbeck - Geboren wurde der sympathische Pastor am 25. März 1974 in Nalgonda im Bundesstaat Andhra Pradesh in Indien. Die südöstliche Küstenregion, von der sich 2014 der Staat Telegana abtrennte und eigenständig machte, war lange die Heimat von Xavier Muppala. 2013 kam er als Pastor in die katholische Kirchengemeinde St. Ludgerus in Schermbeck, bis dahin hat er aber einen stattlichen Weg absolviert, den wir uns mit ihm angeschaut haben.

Zehn Jahre investierte er in seine Priesterausbildung in Indien. Dabei erlangte er Bachelor-Abschlüsse in den Fächern Philosophie, Englische Literatur und Theologie. 1999 erfolgte dann die Weihe zum Diakon und nach weiteren zehn Monaten Praktikum im Ordinariat Nalgonda und einem Pastoralkurs in Andhra Pradesh erfolgte am 30. Dezember 1999 schlussendlich die Priesterweihe. Der Weg von seiner Heimat Nalgonda und seiner Heimat-Gemeinde über die verschiedenen Stationen in Indien, bis ihn sein Weg schlussendlich in die Gemeinde Schermbeck brachte, war für Xavier Muppala bestimmt einiges, aber sicherlich nicht langweilig.

Welche Station oder Stationen der Ausbildung und in Ihrer Laufbahn ist oder sind besonders in Erinnerung geblieben?

Muppala: „Mein Vater war Lehrer und auch Katechat. In Indien führen die Katecheten den Wort-Gottesdienst durch und übernehmen Beerdigungen, wenn kein Priester erreichbar ist. Sie bereiten auch die Messen vor, bevor die Priester dann kommen. Ich bin oft mit ihm in die verschiedenen Dörfer gegangen, wenn er dort arbeiten musste. Seitdem bin ich von dieser Pastoralarbeit begeistert. Kirche war für uns immer ein Gefühl von Zuhause.

Auch meine Zeit im Internat St. Xavier in Surypet, das ich von der sechsten bis zur zehnten Jahrgangsstufe besucht habe, hat mich nachhaltig geprägt. Das Internat war eine Jesuiten-Schule und bereits als Kind war ich begeistert von der Arbeit, die die Priester dort geleistet haben, und von ihrem Umgang mit den Kindern. Sie haben sich sehr für die Bildung der Schüler eingesetzt.“

Was haben Sie aus Ihrer Zeit als Hochschullehrer an Erfahrungen mitnehmen dürfen?

Muppala: „In dem Priesterseminar war ich Hochschullehrer für Theologie-Studenten. Das Fach, das ich unterrichtet habe, heißt 'Moral Theologie'. Es ist nicht einfach, die Morallehre der Kirche an jüngere Generationen zu vermitteln. Es war aber wichtig, die Stellungnahme der Kirche zu vielen Themen im Bereich der Moral für die angehenden Priester deutlich darzustellen. Ich bin sehr froh, dass ich das machen konnte. Ich habe bis heute auch noch Kontakt zu meinen ehemaligen Schülern, die mir immer noch dankbar für die klaren Ansichten sind, die wir damals im Unterricht besprochen haben.“

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Wie kam dann die Entscheidung, nach Deutschland zu gehen? Und wie ist Ihre Entscheidung auf Schermbeck gefallen?

Muppala: „In meinem Heimat-Bistum haben wir die Möglichkeit, nach zehn Jahren Pastoralerfahrung, die wir in unserer Heimat machen müssen, ins Ausland zu gehen, um dort andere und noch weitere Erfahrungen im pastoralen Bereich zu sammeln. Einen Teil des Gehalts schickt man an das Heimat-Bistum, das dort für karitative Zwecke eingesetzt werden kann. Ich hätte natürlich auch in den USA, in Kanada oder anderswo in Europa den Auslandsaufenthalt absolvieren können, aber ich habe mich für Deutschland entschieden – und das, obwohl die Sprache so schwer zu lernen ist. Trotzdem war das meine Entscheidung und ich habe mich mit dem Bistum Münster in Verbindung gesetzt, welches mich dann nach Deutschland eingeladen hat. Vom Bistum aus bin ich dann nach Schermbeck geschickt worden und ich finde, dass die Wahl sehr gut getroffen ist. Die Menschen hier sind sehr freundlich, kooperativ und engagieren sich für viele Aktivitäten.

Jetzt sind Sie in der Schermbecker Gemeinde nun bereits seit 2013. Wie bewerten Sie den Stellenwert der Angebote für Jugendliche in der Gemeinde?

Muppala: „Die Gemeinde bietet viele Angebote für Jugendliche und das finde ich sehr wertvoll. In diesen Freizeitangeboten werden viele Tugenden wie Gemeinschaft, Freundlichkeit untereinander, Spaß an der Kirche und noch mehr vermittelt und geprägt. Angebote wie die Messdiener, Pfadfinder, die Landjugend, die Kinder-Ferienlager und der Freitag-Abend-Treff ermöglichen Kindern und Jugendlichen wunderbare Erfahrungen im Leben.“

Wie gut sind die Angebote besucht?

Muppala: „Einige der Freizeitaktivitäten sind gut besucht, andere vielleicht weniger. Dazu muss man aber auch sagen, dass es ein Überangebot für Freizeitgestaltung gibt. Es gibt viele Sport-, Tanz-, Musik- und Kulturvereine und da stehen die Jugendlichen oft vor einer zu großen Auswahl.“

Dennoch besuchen ja viele Jugendliche die Angebote in der Kirche und in der Gemeinde. Wie weit verbreitet ist dort das Thema ‚Glaube‘ unter den jungen Menschen?

Muppala: „Das Thema ‚Glaube‘ ist bei den Jugendlichen sogar sehr lebendig vertreten. Wir denken ja oft direkt an die Teilnahme an Gottesdiensten, wenn wir von ‚Glaube‘ sprechen, aber da gibt es so viel mehr. Vielleicht sind die Schermbecker Jugendlichen nicht jeden Sonntag in der Kirche, das ist aber auch nicht das Ziel, denn der christliche Glaube und die Kultur sind trotzdem lebendig. Heutzutage wird viel offener und unbefangener über Gott, Jesus, das Leben, den Tod, die Auferstehung, kirchliche Moral und viele weitere Themen gesprochen. Außerdem haben Jugendlichen noch immer viele Fragen in diese Richtungen, da muss man mit ihnen genau drüber sprechen. Das gilt für Indien wie für Europa und so auch für Schermbeck.“

Das Nähmaschinen-Projekt in Ponugodu war ein großer Erfolg dank Schermbecker Engagements. Foto: Privat
Das Nähmaschinen-Projekt in Ponugodu war ein großer Erfolg dank Schermbecker Engagements. Foto: Privat

Sehen Sie denn in der Gemeinde Nachwuchspotenzial im pastoralen Bereich?

Muppala: „Ja, in der Tat. Der Glaube im Leben wird immer weitergegeben. Jeder muss seine eigenen Erfahrungen mit Gott machen und mit diesen wieder andere Menschen erleuchten, die wiederum auch eigene Erfahrungen machen. Genau das war eben auch das Motiv der Lasermessen im vergangenen und in diesem Jahr: Glaube weiterzugeben.“

Neben der Arbeit in der Gemeinde Schermbeck engagieren Sie sich auch noch in Ihrer Heimatgemeinde Ponugodu. Kürzlich haben Sie erst Nähmaschinen für das Netzwerk „Starke Frauen“ spenden können und damit vielen Frauen die Ausbildung zur Näherin ermöglicht. Wie wichtig ist es, dort weiter Unterstützung zu leisten?

Muppala: „Die ‚Starken Frauen‘ befassen sich mit dem Wachstum und der Verbesserung der sozialen, wirtschaftlichen, politischen und gesetzlichen Stärke von Frauen in Indien. Hier geht es um die Gleichberechtigung von Frauen und die Vermittlung ihrer Rechte, die sie in Anspruch nehmen sollen und vor allem müssen. Den Frauen wird durch das Netzwerk vermittelt, dass sie es wert sind, ein Leben mit Respekt und Menschenwürde zu führen. Dass sie alleine über ihr Leben bestimmen dürfen, egal, ob zuhause oder bei der Arbeit. Sie haben das Recht, eigene Entscheidungen zu fällen und eine gleichberechtigte Mitwirkung am sozialen, religiösen oder öffentlichen Leben zu haben. Das heißt selbstverständlich, dass sie in der Gesellschaft den gleichen sozialen Status wie Männer haben, ebenso wie in der Wirtschaft. Sie sind und brauchen nicht in einer finanziellen Abhängigkeit zu anderen zu stehen und bekommen gleiche Chancen in der Bildung. Und für einen sicheren und angemessenen Arbeitsplatz sowie eine geregelte Berufsausbildung war es notwendig, den Frauen die Nähmaschinen zukommen zu lassen, die sich durch viele spendenfreudige Bürger der Gemeinde Schermbeck finanzieren ließen. Mit der Arbeit bei den ‚Starken Frauen‘ sind wir noch nicht fertig, sind aber stolz, schon solche Ergebnisse vorweisen zu können.“
jl

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