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Aufräumen mit einem Vorurteil

Auch Darmkrebs ist heilbar – Wichtig ist allerdings eine Früherkennung durch regelmässige Vorsorge

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Dr. Wilhelm Gross-Weege ist Chefarzt Klinik für Allgemein- und Viszeral-Chirurgie im St. Elisabeth Krankenhaus.
Foto: André Elschenbroich

Darmkrebs gilt landläufig als die vielleicht schlimmste Krebserkrankung. Jeder kennt schließlich jemanden, der an Darmkrebs verstorben ist, aber niemand kennt jemanden, der nach überstandener Krankheit noch lebt. „Das kann man so nicht stehen lassen. Darmkrebs ist nicht schlimmer als andere Krebsarten und es gibt viel mehr Menschen, die nach überstandenem Darmkrebsleiden noch leben, als dass sie verstorben sind“, macht Dr. Wilhelm Gross-Weege deutlich. Der Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeral-Chirurgie im St. Elisabeth Krankenhaus in Dorsten führt die landläufige Meinung auf das Tabu-Thema Krebs zurück, man spricht nicht gerne über diese Krankheit.

„Hingegen bekommt es das Umfeld des erkrankten Menschen immer mit, wenn der Patient verstorben ist“, sagt der Chefarzt. Und er räumt auch mit einem anderen Vorurteil auf, dass Darmkrebs nicht heilbar ist.

„Ganz im Gegenteil, der Krebs im Darm ist heilbar, Grundvoraussetzung ist aber auch bei dieser Krebsart das rechtzeitige Erkennen“, mahnt Dr. Gross-Weege zur regelmässigen Vorsorgeuntersuchung. Dass sich Tumorzellen im Dickdarm bilden, merkt niemand zu Beginn, denn es geschieht schmerzfrei. Erst bei einer Darmspiegelung erkennen die Fachärzte, ob sich Krebszellen gebildet haben. „Häufig dauert es bis zu 10 Jahre, dass sich zum Beispiel aus Polypen Krebszellen gebildet haben und dann ausbrechen,“ erklärt der Chirurg. Häufige Symptome sind erkennbare Veränderungen wie plötzlicher, unregelmäßiger Stuhlgang oder Blut im Stuhl. Durch ein Beratungsgespräch mit dem Hausarzt und einer vorbeugenden Darmspiegelung kann der Facharzt feinste Veränderungen im Dickdarm erkennen, die direkt entfernt werden können.

Und schon sind wir beim nächsten Vorurteil, eine Darmspiegelung ist unangenehm, ja sogar schmerzhaft. Auch mit diesem Vorurteil räumt Dr. Gross-Weege auf. Zwar muss für eine Darmspiegelung der Darm so sauber wie möglich sein und das geht nur über Abführmittel. Doch diese Flüssigkeit kann der Patient tags zuvor schon zuhause trinken. Sie ist vom Geschmack her längst erträglich. Bei der eigentlichen Spiegelung wird über einen Schlauch eine Kamera in den Dickdarm geführt, dies erfolgt mittlerweile in vielen Fachkliniken in Hypnose. „Die Angst vor der Untersuchung ist bei vielen Patienten viel schlimmer, als die Erfahrung, die dann gemacht wird“, weiß der Mediziner aus Erfahrung.

Heißt die Diagnose dann Darmkrebs, ist für die meisten Patienten der Schock groß, glaubt man doch kaum an Heilung. „Auch da muss ich widersprechen, Darmkrebs ist heilbar, wenn er früh genug erkannt wird“, erklärt der Chefarzt mit Nachdruck. Bei der radikalen Operation wird das ganze Tumorgewebe großflächig herausgeschnitten, um eventuell befallene Zellen auch gleich mit zu entfernen. „Und dabei kann ruhig ein Teil vom Darm herausgeschnitten werden,“ beruhigt Dr. Gross-Weege. Bis zu 70 Zentimeter des rund einen Meter langen Dickdarms können weggeschnitten werden, ohne dass der Patient an Lebensqualität einbüsst.

Das herausgeschnittene Gewebe wird von einem Pathologen untersucht, der dann auch das Tumorstadium festlegt. Im Idealfall ist die Tumorbildung örtlich beschränkt geblieben und auch Lymphknoten sind nicht befallen. Auf der „Tumorkonferenz“ der KKRN-Gruppe, dem Katholischen Klinikum Ruhrgebiet Nord, zu der das St. Elisabeth Krankenhaus in Dorsten, das Marienhospital in Marl, das Gertrudis-Hospital in Herten sowie das St. Sixtus Hospital in Haltern am See gehören, wird die weitere Behandlung nach der Operation besprochen. Die Tumorkonferenz ist ein Zusammenschluss von Experten – von Pathologen, Onkologen, Chirurgen, Gastroenterologen und Strahlentherapeuten der angeschlossenen Kliniken.
 

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Krebs im Darm ist heilbar, weiß Dr. Wilhelm Gross-Weege Grundvoraussetzung ist aber das rechtzeitige Erkennen.
Foto: André Elschenbroich

Individuell wird jeder Patientenfall erörtert und aus dem gemeinsamen Wissen eine Entscheidung für den jeweiligen Patienten getroffen. Ein unschätzbarer Vorteil für die Patienten in den KKRN-Kliniken, dass das gepaarte Wissen von Fachärzten verschiedener Klinken gebündelt wird zum Wohle der Patienten. „In unserer Tumorkonferenz sitzen Fachärzte aller Abteilungen und diskutieren über geeignete Behandlungsmethoden“, beschreibt der Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie. „In der Regel hält nicht jedes Krankenhaus alle Abteilungen vor, durch den KKRN-Verbund aber haben wir durch den Zusammenschluß der vier Kliniken per Videokonferenz alle Fachbereiche beisammen“, erklärt Dr. Wilhelm Gross-Weege den Verbund mit dem St. Sixtus-Hospital in Haltern sowie den Hospitälern in Westerholt und Marl.

Die Krankenhausgesellschaft ist der größte Klinikverbund des nördlichen Ruhrgebiets. Anhand der individuellen Patientendiagnose wird in der Tumorkonferenz die weitere Behandlung festgelegt, nicht zuletzt die Notwendigkeit einer  Chemotherapie. Diese medikamentöse Therapie von Krebserkrankungen, die mit den bekannten Nebenwirkungen einhergeht, sucht und vernichtet eventuell im Körper verbliebene Krebszellen. Den Krebs besiegen kann die Menschheit noch nicht, aber Heilung ist möglich, auch der Darmkrebs ist heilbar. Dr. Wilhelm Gross-Weege will sensibilisieren: „Wer rechtzeitig zur Krebsvorsorge geht und nicht die eher harmlose Darmspiegelung scheut, der hat bei frühzeitigem Erkennen große Chancen, vom Krebs geheilt zu werden.“ Die Krankenkassen in Deutschland übernehmen ab dem 55. Lebensjahr die Krebsvorsorgeuntersuchung genauso, wie die Darmspiegelung. Und wenn in der eigenen Familie schon einmal Krebserkrankungen aufgetreten sind, beteiligen sich die Kassen auch vor dem 55. Lebensjahr an den Kosten.

Darmkrebs ist heilbar, bei frühzeitigem Erkennen der Krankheit. Vorsorge tut Not! Und Vorbeugen? Auch hier hat Dr. Gross-Weege einen Rat: „Wenn wir uns gesund ernähren, dann mindern wir das Risiko einer Krebserkrankung“. Er sieht es pragmatisch und verweist dabei auf Zutaten aus der Region, die frisch zubereitet werden. „Das ist immer ein sicherer Weg, sich gesund zu ernähren“. JÜRGEN RÜSTEMEYER

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