Foto: Gundis Jansen-Garz

Dem Tag Struktur geben – Demenz geht uns alle an

Der Malteser Tagestreff in Bottrop arbeitet nach dem Konzept der schwedischen Königin Silvia Stiftung und das mehr als erfolgreich

Kirchhellen - Die roten Türrahmen und Lichtschalter fallen sofort auf, wenn man den Malteser Tagestreff (MalTa) an der Scharfstraße in Bottrop betritt. Doch was im ersten Augenblick für eine hübsche Dekoration gehalten werden kann, ist für die Gäste des MalTas lebenswichtig.
 

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Eine geborgene, leicht verständliche und sichere Umgebung finden die Gäste im MalTa. Gemeinsames Spielen gehört dazu.
Foto: Gundis Jansen-Garz

Genau wie die roten Toilettendeckel, Klebestreifen am Waschbecken und Seifenspender, die Platzdeckchen und Namensschilder an der Jacke – denn die Gäste sind demenziell erkrankt.  Katja Dördrechter, Projektleiterin beim Malteser-Diözesanverband Essen erklärt: „Stellen sie eine weiße Tasse auf einen weißen Teller und eine weiße Tischdecke, da haben selbst gesunde Menschen Schwierigkeiten die Tasse zu treffen! Und wie schnell ist der Kaffee daneben gegossen. Unsere Gäste hier im MalTa sind krank und leiden unter anderem an Wahrnehmungsschwierigkeiten. Ein farbiges Tischset macht ebenso wie die Türrahmen und Toilettendeckel deutlich, wo sich was befindet.“
So einfach wie logisch ist das Prinzip, nach dem beim MalTa gearbeitet wird. Und das Konzept, das dahinter steht, nennt sich „Silviahemmet“, benannt nach der schwedischen Königin Silvia. „In Schweden sind die Menschen schon viel weiter im Umgang mit dementiell Erkrankten. Manchmal ist es beschämend, dass wir uns hier in Deutschland mit einer adäquaten Betreuung so schwer tun und es so wenig finanzielle Unterstützung gibt“, sagt Katja Dördrechter. Bei den Maltesern und dem Konzept „Silviahemmet“ stehen die Patienten im Mittelpunkt der Bemühungen: Die Steigerung der Lebensqualität im Alltag ist ein zentrales Ziel der Philosophie. Dazu gehören beispielsweise die Förderung von Ressourcen, die spezielle Farbgestaltung der Umgebung und das Schaffen einer Tagesstruktur. „Vieles aus dem Konzept ist nicht völlig neu, aber anders bewertet. Es vereint das Gute aus unterschiedlichen Ansätzen“, sagt Katja Dördrechter. Sie ist eigens nach „Silviahemmet“ ausgebildet, hat dafür eine Prüfung in Stockholm abgelegt. Die Malteser sind von dem Konzept so überzeugt, dass die Hilfsorganisation nun überall in ihren Einrichtungen danach arbeiten möchte. Die vier Säulen von „Silviahemment“ lauten:
Symptomkontrolle, Angehörigen-arbeit, Beziehungsarbeit/Kommu-nikation sowie Teamarbeit.
 

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Das gemeinsame Zubereiten der Mahlzeiten ist ein wichtiger Punkt im Tagesablauf. Die Betreuer helfen dabei mit.
Foto: Gundis Jansen-Garz

Dabei geht es in der täglichen Arbeit vor allem um die Aktivierung der bei den Erkrankten noch vorhandenen Ressourcen und um emotionale Zuwendung. Angehörige und auch das Personal lernen einen veränderten Blick auf den Erkrankten und seine Bedürfnisse einzunehmen. Für die Betroffenen bedeutet das, dass ihre lange Reise „sicher und ruhig“ verlaufen kann. Das Fortschreiten der Demenz wird durch diesen Betreuungsansatz übrigens deutlich verzögert. „Demenz geht uns alle an“, lautet der Appell von Katja Dördrechter und ihrem Team. Deshalb wünschen sie sich, dass die Akzeptanz der Krankheit, der Erkrankten, ihrer Angehörigen sich verstärkt.
Eine Möglichkeit bietet ein Theaterstück, das die Malteser am 14. November um 18 Uhr im Lichthof der Berufsschule in Bottrop aufführen. „Der König in seinem Exil“ nach dem Roman von Arno Geiger, der die Alzheimerkrankheit seines Vaters beschreibt. Das Kölner Theater im Bauturm hat daraus ein tief berührendes, lebendiges, oft komisches Theaterstück gemacht über ein Leben, das es immer noch zutiefst wert ist, gelebt zu werden. Kartenanfragen richten Sie bitte direkt an den Malteser Tagestreff, Scharfstr. 13 in Bottrop oder telefonisch an (02041) 3 75 46 42. gj

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