Aus dieser ersten Begegnung entstand für Mahmut Korkut, Inhaber der MA KO GmbH Elektro- und Sicherheitstechnik in Rentfort, ein langfristiges Engagement. Seitdem fliegt er jedes Jahr nach Kenia, seit drei Jahren sogar viermal jährlich. Sein Ziel: „So viel wie es in meiner Hand liegt, die Menschen dort zu unterstützen.“ Die Spenden, die er mitbringt, verteilt er entlang der gesamten kenianischen Küste, von der tansanischen Grenze bis hinauf zur Grenze Somalias. Seine Freunde berichten, dass man schon nach wenigen Stunden vor Ort versteht, warum er immer wieder zurückkehrt: Die Not ist groß, die Dankbarkeit riesig – und die Wirkung jeder einzelnen Spende unmittelbar sichtbar.
Spenden gehen komplett an die Bedürftigen
Im Vorfeld sammelt er gemeinsam mit Freunden, Familienmitgliedern und Firmenkunden Geld. Mittlerweile erreichen ihn Spenden auch über Mundpropaganda. „Weil die Leute einfach wissen, dass er zuverlässig ist“, sagt sein langjähriger Freund Felix Löbbecke. „Man kennt ihn seit vielen, vielen Jahren als Mann des Wortes und hat die Sicherheit, dass es auch dort ankommt, wo es gebraucht wird und nicht in bürokratischen Wegen versickert.“ Korruption sei in Kenia ein großes Problem. „Den Menschen dort kann man leider nichts blind anvertrauen, vor allem nicht denen in höheren Positionen“, erklärt der 38-jährige Korkut. „Du gibst diesen Leuten eine Spende X und im besten Fall kommt die Hälfte davon tatsächlich bei den bedürftigen Kenianern an.“ Deshalb bringt er das Geld persönlich hin und verteilt es selbst. „Das wird immer mein Motor bleiben, solange ich dorthin fliege: dass ich die Spenden selbst 1:1 verteile und nicht blind irgendwelchen Organisationen oder Personen dort anvertraue.“
„Zudem kauft er auch selbst ein und verteilt die Spenden dann vor Ort“, betont Löbbecke. Er habe schon vorher immer für die Aktion seines Freundes gespendet, „aber jetzt bin ich auch mal mitgeflogen und habe es mir vor Ort selbst angesehen.“ Die Eindrücke hätten ihn tief bewegt. „Es ist einerseits schön, aber auch traurig zugleich, wenn man den Menschen dort hilft“, beschreibt er. „Dieses Ausmaß der Armut ist einem im Vorfeld gar nicht so bewusst. Dort sind Menschen, die einfach nichts haben – also wirklich gar nichts.“ Dass viele nur die Kleidung besitzen, die sie am Leib tragen, habe ihn erschüttert. „Da merkt man, dass die Spenden, die ja eigentlich schon recht hoch sind, nur ein Tropfen auf dem heißen Stein sind.“ Die Hilflosigkeit, die man angesichts dieser Dimensionen spürt, begleitet ihn bis heute.
Spendengelder werden überall gebraucht
Jedes Jahr sammelt der Verein Hunderttausende Euro an Spendengeldern. Im letzten Jahr ist Korkut mit insgesamt 500.000 Euro Bargeld nach Kenia geflogen. „Es ist nicht dieses eine Dorf, das Hilfe braucht“, sagt Löbbecke, „sondern die ganze Region, wie ein Flächenbrand.“ Überall fehle es an allem: Bildung, Wasserversorgung, Nahrung, Infrastruktur.
Doch die Arbeit ist nicht ungefährlich. Das Bargeld muss in Frankfurt beim Zoll angemeldet werden. In Afrika wartet dann Militär oder Security auf die Gruppe, um einen sicheren Transport zu gewährleisten. Dort wird das Geld in die Landeswährung umgetauscht. „Du kannst da nicht einfach in die Bank spazieren und das Geld wechseln“, erklärt Löbbecke. „Die Gefahr, dass irgendein Bankangestellter das an irgendwen weitergibt, ist immens hoch.“ Beim letzten Mal traf sich die Gruppe deshalb auf einem Hinterhof eines Fußballplatzes mit einem Kontaktmann, der das Geld in kenianische Schilling tauschte. In einigen Regionen, besonders nahe der somalischen Grenze, ist zudem die Terrorgruppe Al-Shabaab aktiv. Kemal Kayaagil wurde vor Jahren sogar entführt. „Die wollten dem tatsächlich den Kopf abschneiden“, berichtet Löbbecke. Erst als er erklärte, dass er „Essen für eure Kinder“ bringe, ließen die Entführer ab. Heute stehen entlang der Strecke zahlreiche Checkpoints.
Trotz der bedrohlichen Erfahrungen ließ sich Kemal Kayaagil nicht davon abhalten, weiterhin nach Afrika zu reisen. Die Begegnung mit der Terrorgruppe Al-Shabaab, die ihn vor Jahren beinahe das Leben gekostet hätte, hat seinen Einsatz für die Hilfsprojekte des Vereins nicht gebrochen, sondern eher bestärkt. Auch bei der jüngsten Hilfstour war er wieder mit dabei.
Hilfe zur Selbsthilfe
Korkut und seine Unterstützer setzen auf Nachhaltigkeit und Hilfe zur Selbsthilfe. Dazu gehören der Bau von Brunnen, Schulen, teilweise auch Häusern, alles Projekte, die den Menschen langfristig helfen sollen. „Bringe einem Mann einen Fisch und er ist satt für einen Tag. Bringe einem Mann das Fischen bei und er ist satt für sein ganzes Leben“, zitiert Löbbecke ein bekanntes Sprichwort. Viele Menschen hätten nie gelernt, wie man Gemüse anbaut oder Saatgut nutzt. Oft fehle es an Know-how, Werkzeug oder schlicht am Geld. „Es sind Leute, die haben halt nichts, und das wenige, was sie haben, wird für Nahrung verwendet“, sagt Löbbecke. „Hat die Cousine aus dem Nachbardorf mit ihren zehn Kindern nichts zu essen, wird die Schaufel, die man zum Gemüseanbau eigentlich braucht, wieder verkauft.“ Ein Kreislauf, der nur durch Bildung durchbrochen werden kann.
Deshalb fliegt Korkut seit drei Jahren mit mindestens 400.000 Euro pro Reise in die Region, zunehmend weniger für akute Nahrungsmittelhilfe, zunehmend mehr für langfristige Projekte. Ackerflächen gebe es genug, betont er, doch es brauche Wissen, Strukturen und Unterstützung, um sie zu nutzen.
„Die Jungs sind wieder da!“
Die Reaktionen der Menschen sind jedes Mal überwältigend. „Die Jungs sind wieder da!“, rufen sie, sobald der Konvoi in Sicht ist. Viele kennen die Namen der Helfer inzwischen auswendig. „Wenn du denen heute hilfst, vergessen die das in 15 Jahren nicht“, sagt Korkut. Die Kommunikation läuft auf Englisch, der zweiten Amtssprache Kenias neben Suaheli.
Um seine Hilfe auf stabile Beine zu stellen, gründete er gemeinsam mit Veysel Ucar den Verein „Human Health Gladbeck“ (HHG). Auch von seiner jüngsten Reise ist er erneut mit dem Gefühl zurückgekehrt, dass jede Unterstützung zählt. Was einst als private Initiative begann, ist heute ein verlässliches Hilfsprojekt, das vielen Menschen in Kenia Hoffnung und konkrete Perspektiven bietet.
Wer gerne Spenden möchte, kann das unter:
HHG-Humanitäre Hilfe Gladbeck
DE65 4245 0040 0071 0419 25
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