Der SkF Gladbeck blickt auf eine außergewöhnlich lange Geschichte zurück. Bereits 1917 als Fürsorgeverein gegründet und in den 1960er‑Jahren in den Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) umbenannt, war er über Jahrzehnte ein fester Bestandteil der sozialen Landschaft der Stadt. Von Anfang an trug ein besonderes Merkmal die Arbeit des Vereins: Die gesamte Vorstandsarbeit wurde ehrenamtlich geleistet.
Mutiger Vorreiter
Mutig war der SkF schon früh. Mit der Arche entstand die erste Einrichtung in Gladbeck, die Kinder ab drei Monaten betreute, ein Schritt, der damals fast revolutionär wirkte. Später folgte die Oase in Butendorf, ein Haus, das Familien mit Zuwanderungsgeschichte willkommen hieß und ihnen einen Ort gab, an dem Sprache, Begegnung und Vertrauen wachsen konnten. Programme wie Rucksack, Griffbereit oder Opstapje holten Eltern aktiv ins Boot und machten sie zu Partnern im Lernprozess ihrer Kinder. Spielerisch, alltagsnah und mit viel Freude begleiteten sie die Kleinen dabei, die deutsche Sprache zu entdecken, ein gemeinsamer Prozess, der nicht nur sprachliche Fähigkeiten stärkte, sondern auch Vertrauen und Nähe wachsen ließ.
Fehlender Nachwuchs
Doch Engagement braucht Menschen, die Verantwortung tragen wollen. Und genau diese fehlen heute. Trotz einer engagierten jüngeren Mitstreiterin findet der Verein nicht mehr genügend Ehrenamtliche, um die umfangreiche Vorstandsarbeit fortzuführen. Gleichzeitig hat sich die Förderlandschaft verändert: Freie Horte werden nicht mehr unterstützt, während der Ausbau der Offenen Ganztagsschulen vorangetrieben wird. Unter diesen Bedingungen kann der SkF seine Trägerschaft nicht weiterführen. Mit der Übergabe der letzten Einrichtung endet die Präsenz des SkF als Träger in der Gladbecker Kita‑ und Hortlandschaft.
Zum Abschied versammelten sich alle Wegbegleiter noch einmal, um feierlich Abschied zu nehmen. Ein Abschied voller Wehmut, aber auch voller Dankbarkeit. Dankbarkeit für Menschen, die über Jahrzehnte Wärme, Nähe und Zuversicht in Gladbeck geschaffen haben. Besonders traurig ist Leiter Jörg Hain und seine Mitarbeiter. Für ihn geht nach 27 Jahren als Leiter der Einrichtung ein Lebensabschnitt zu Ende. Und so kullerten bei ihm, den Mitarbeitern und natürlich den Kindern einige Tränen am letzten Tag. Zahlreiche Geschenke der Kinder zeigten, wie wichtig die Arbeit für sie war und wie viel Wertschätzung sie ihren Betreuern entgegenbrachten. Ein ehemaliges Kind der Einrichtung bedankte sich tränenreich am Telefon für die Zeit dort vor 25 Jahren, ohne die sie möglicherweise nicht das wäre was sie heute ist. Ein schöneres und besseres Kompliment für seine Arbeit kann es kaum geben. Umso trauriger, dass keine Nachfolgelösung gefunden werden konnte.