Foto: Privat - Stadt Gladbeck

Nach dem Ende der Jubiläumsfeiern starten viele weitere Projekte in Gladbeck

Im Rahmen des 100-jährigen Stadtjubiläums hat Stadtbaurat Dr. Volker Kreuzer einen Vortrag über die Weiterentwicklung Gladbecks in den kommenden Jahren gehalten.

Gladbeck - Die Entwicklung seit der Stadtwerdung Gladbecks 1919 bis jetzt ist bereits bemerkenswert, aber die Stadt hat noch große Pläne für die Weiterentwicklung in der Zukunft. In einem 90-minütigen Vortrag im Haus der VHS hat Dr. Volker Kreuzer am Anfang November interessierten Bürgern die bisherigen Erfolge der vergangenen 100 Jahre aufgezeigt und Ausblicke gegeben, wie es in der Zukunft mit baulichen Vorhaben in der Stadt weitergehen soll.

Die Anfänge: Entwicklungen seit 1919

Die erste Hälfte des Vortrages an diesem Abend befasste sich mit den bisherigen Entwicklungen und Erfolgen, die seit der Stadtwerdung verzeichnet werden können. Anschaulich mit verschiedenen Karten der Stadtteile zeigte Kreuzer, wie Rentfort und Brauck noch 1921 strukturiert waren. In der Zeit kurz nach dem ersten Weltkrieg dominierten Felder und Wiesen die Gegenden, kleine Kolonien beherbergten nur wenige Bewohner. Was heute als Alt-Rentfort bekannt ist, durchlief vor gut 100 Jahren einen steten Prozess, bis ein Stadtteil erkennbar war. Geprägt war Gladbeck durch das Bild der Wohnkolonien, die in den folgenden Jahren immer weiter ausgebaut wurden. Durch Zuwanderung, wie sie im gesamten Ruhrgebiet stattgefunden hat, musste für viele Menschen Wohnraum geschaffen werden und das geschah durch den stetigen Aus- und Weiterbau der bestehenden Kolonien.

Eine weitere bemerkenswerte Entwicklung ist die des Wittringer Waldes. Um 1920 war dieser laut Dr. Kreuzer noch eine „ökologische Vollkatastrophe“ – zumindest aus heutiger Sicht. Wo früher noch Abfälle abgeladen wurden, wurde bald ein Abwassersystem geschaffen, das bis heute betrieben wird und weitere Verbesserungen durch den andauernden Weiterbau der Emscher Genossenschaft genießt. Dominant war und ist auch das Prinzip des Volksparks. Diese wurden ebenfalls in den 1920er Jahren in das Stadtbild Gladbecks implementiert und markierte den Anfang der Entwicklung zur Großstadt. Die Hauptsäulen eines Volksparks sind Erholung, Sport und Freizeit; drei Aspekte, die auf einer zusammengehörige Fläche miteinander vereint werden und so nicht nur das Stadtbild, sondern auch die Gemeinschaft in den Städten stärkt.

Diese Stadtentwicklungsprozesse sind zum Teil bis heute erkennbar. Daher war es wichtig, dem Publikum ein Gesamtbild zu verschaffen, um heutige Entscheidungen oder wichtige Entwicklungsaspekte des Stadtbildes nachvollziehen zu können. Denn Gladbeck genoss, auch nach Ende des zweiten Weltkrieges, stetige Verbesserungsmaßnahmen der bisherigen Erfolge.

„Der Aufbruch in die Moderne“ nach dem zweiten Weltkrieg

Viele Pläne zur Stadtentwicklung sind bereits in der Umsetzung. Foto: Julia Liekweg

„Die Stadt war eine einzige Baustelle und das über Jahrzehnte“, bilanziert Dr. Volker Kreuzer. Man mag sich gar nicht vorstellen, wie unzufrieden die heutige Gesellschaft mit so vielen Baustellen gewesen wäre, bedenkt man, dass einzelne Baustellen heute zu großem Unmut führen. Das stellte der Stadtbaurat in den Raum und erntete teils zustimmendes Nicken und teils leise Widersprüche. Dr. Kreuzer wies damit nicht nur auf die Zeit nach 1945 hin, sondern beschrieb einen Zeitraum seit Ende des ersten bis weit nach Ende des zweiten Weltkrieges. „Damals gab es auch nicht so viele Autos“, kommentierte eine Stimme aus dem Publikum die Gedanken des Stadtbaurats. Ein Lachen ging durch den Raum. „Das ist richtig, aber Fortbewegungsmittel, seien sie in Form von Kutschen gewesen, gab es auch damals schon“, war die Antwort des Vortragenden. Die Baustellen, besonders die nach dem Wiederaufbau der Stadt, zeigten Erträge. „Wir können erstaunliche Bauleistungen verzeichnen“. Das Leitbild nach 1945 war das einer Gartenstadt. Die Idee war, dass die alten Kolonien der 1920er Jahre im Sinne des Gartenstadtkonzeptes erhalten werden. Noch bis heute sind Merkmale von Gladbeck als Gartenstadt sichtbar: Die vielen Alleen, die besonders in der Sommerjahreszeit für ein fast durchweg grünes Stadtbild sorgen, sind die markantesten Überbleibsel. Der Wielandgarten ist ein weiterer Aspekt der Gartenstadt, in dem Natur mit städtebaulichen Elementen verbunden wurde, die heutzutage in die Idee der Gartenstadt des 21. Jahrhunderts einfließen.

Gladbeck heute und bald

Foto: Privat - Stadt Gladbeck

Markant für die Entwicklung einer Stadt ist die zunehmende Bevölkerungsdichte. „Sie müssen sich vorstellen: Seit 1900 gibt es eine Verfünf- oder sogar Versechsfachung der Einwohnerzahlen hier“, verblüfft Dr. Kreuzer die Zuhörer. Ende Dezember 2018 liegt die aktuelle Einwohnerzahl bei 78.000. Gladbeck ist nicht wie umliegende Städte – Kreuzer nannte hier Kirchhellen – von vielen Feldern umgeben. Daher entfällt sowohl die Landwirtschaft aus Gladbecks Stadtbild als auch Potenzialflächen für mögliche Neubauwohnungen. Aber Gladbeck ist belebt und darauf ist Kreuzer stolz, denn eine Statistik aus dem Sommer vergangenen Jahres zeigt, dass sowohl an einem Donnerstag als auch an einem Samstag die Innenstadt Gladbecks am Standort Horster Straße die belebteste Fußgängerpassage im Kreis Recklinghausen ist. Damit das so bleibt, sollen auch der lokale Einzelhandel und das Innenstadtbild weiter erhalten und gepflegt werden, sodass die Innenstadt nicht nur den Einkäufen dient, sondern ein Ort zum Wohlfühlen wird.

In puncto Wohlfühlen ist auch die Freiraumerhaltung ein wichtiger Aspekt. „Entwicklung durch Nichtbauen, das geht“, versichert Stadtbaurat Kreuzer. Gladbeck soll grün bleiben, das hohe Priorität bei den Entwicklungsplänen. Auch der Zukunftsraum A52 gerät nicht im Geringsten in Vergessenheit. „Das ist zweifelsohne das größte Bauprojekt und damit meine ich nicht nur die Autobahnen“, verrät der Stadtbaurat. Es stünden Überlegungen an, ob Gladbeck eine Hochschulstadt werde. „Der Platz dort würde ausreichen“, sagt der Stadtbaurat. Da es hier aber noch keine Ergebnisse und Pläne gäbe, könne man zu einem solchen Vorhaben auch noch nicht viel sagen.

Es gibt noch viele weitere Pläne für die Zukunft. So soll die Haldenlandschaft Gladbecks umgestaltet werden. Den Anfang macht die Mottbruchhalde, die den ersten Baustein in der Gestaltung der Haldenlandschaft darstellt. Nach dem alten Volksparkgedanken sollen sie umgebaut und zu einem Gebiet für Sport, Erholung und Freizeitaktivitäten werden. Das Johannes-Quartier an der Buerschen Straße bekommt auch ein neues Konzept. Dort, wo die Johanneskirche stand, soll ein Neubau im Mehrgenerationensinn entstehen. Jung und Alt sollen hier Raum und Möglichkeiten für individuelle Freizeitgestaltung bekommen.

Diese und viele weitere Projekte sind geplant. „Manche sind komplizierter als andere, aber wir sind guter Hoffnung“, verspricht Dr. Kreuzer. Dass manche Projekte mehr Zeit benötigen, weil beispielsweise Lieferschwierigkeiten bei Bauunternehmen vorliegen oder ob sich alles realisieren lässt, sind Fragen, die an dem Dienstagabend nicht beantwortet werden konnten. Doch die bisher realisierten Projekte, die Dr. Volker Kreuzer in seinem Vortrag nannte, geben für Bürger und Stadtverwaltung einen hoffnungsvollen Ausblick auf zukünftige Vorhaben.

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