Kirchhellen

Halloween im Brauhaus

Eine Kolumne von Stina Schulzke

Kirchhellen -

Eigentlich hatte ich absolut nicht geplant, Halloween im Brauhaus zu feiern. Es liegt nicht so ganz in meiner Komfortzone, laute Musik, unbekannte Menschen, große Menschenmengen und natürlich der Klassiker: ich kann nicht tanzen.

Aber der Abend schritt voran und da meine eigene Party ins Wasser gefallen ist, wäre es eine Schande gewesen, mein selbstgenähtes Kostüm, mit Liebe in jeder Masche, ungetragen zu lassen. Ich gebe zu, der Entscheidungsprozess wurde etwas beeinflusst durch einen freundlichen Facebook-Post, der uns versicherte, dass wir nicht die einzigen Gäste sind, die nicht mehr bei den Eltern wohnen.

Also war die Entscheidung gefallen! Meine erste Halloweenparty nach fast einem halben Jahrzehnt; thematisch ziemlich passend, schlotterten mir ganz schön die Knie. Aber Gott sei Dank kennen wir in der Angststörung einen tollen Weg, mit so etwas umzugehen. Völlige Überplanung. Ich packte meine Handtasche mit allem, was man auch nur im Entferntesten gebrauchen könnte. Nach zwanzig Minuten des nervösen Packens hätte meine Handtasche sogar die Tasche von Mary Poppins in den Schatten gestellt! Ich hatte von Nähzeug, falls mein Kostüm kaputtgeht, bis hin zu Strickzeug, falls ich zu nervös werde und mich ablenken muss, alles in meine kleine Tasche gequetscht.

Am Brauhaus angekommen war es erbaulich leer. Ich ließ meine Notfalltasche im Auto und machte mich auf den Weg zum Eingang. Ich schaute mir die ganzen coolen Kostüme an, als ich von drei sehr respekteinflößenden Sicherheitsmitarbeitern nach meinem Ausweis gefragt wurde. Mein fast 30-jähriger Popo war wirklich empört! Sehe ich so minderjährig aus? Vielleicht nächstes Jahr doch lieber das blutige Zombie-Kostüm statt des mit Blumen übersäten Maikönigin-Kostüms…

Im Saal selbst war es noch recht ruhig, was mich ruhig werden ließ und unmittelbar, als wir uns in Richtung Bar begeben hatten, ist mir wieder Kirchhellens beste Eigenschaft klar geworden: Sogar jemand, der kaum das Haus verlässt, kennt hier Menschen! Wir gesellten uns zu ein paar bekannten Gesichtern, lächelten für den Partyfotografen und langsam fing ich an, mich mit der Situation anzufreunden. Nur für das Protokoll: ich hätte mich eiskalt neben die Tanzfläche gesetzt und ein Zierkissen gestrickt, wenn die Angststörung zu einem Problem geworden wäre, aber es schien alles okay zu sein.

Und glaubt es mir oder nicht… Aber ich habe tatsächlich mal wieder nach langer Zeit die „Stina“ gebracht und mich einfach zu einer fremden Gruppe gesellt und mich angeschlossen! Es funktioniert immer noch! Wir saßen vor dem Brauhaus auf der Wiese, haben gequatscht und jeder hat eine Wasserflasche von uns bekommen, die ich vorsorglich in die Tasche gequetscht hatte. Zugegeben, hat es sich dann doch etwas wie Aufsichtsperson angefühlt, aber das hat dem Abend keinen Abbruch getan.

Übrigens finde ich es extrem schade, dass es kein Kostümwettbewerb gab. Ich hätte zwar nicht gewonnen, aber einige der Kostüme waren schon extrem cool! Mein persönlicher Favorit war der junge Mann, der auf einem Dinosaurier geritten ist.

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Stina Schulzke

Stina Schulzke

s.schulzke@aureus.de

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