Kirchhellen
Die Kirchhellener Apothekerinnen (v.l.) Christiane Petri-Reers, Birgit Lauer und Heike Grolla werben für den digitalen Service in ihren Apotheken.Foto: Valerie Misz

Kirchhellener Apotheken starten Aktion gegen das Apothekensterben

Drei Apothekerinnen werben für ihre digitalen Angebote und betonen die Bedeutung lokaler Versorgung für Alltag und Krisenzeiten

Kirchhellen -

Mit einer gemeinsamen Aktion machen erstmals drei Apothekerinnen aus Kirchhellen-Mitte auf das Apothekensterben aufmerksam. Unter dem Slogan „Lass die Kirche im Dorf und das E-Rezept im Ort“ werben sie für die Stärken der Vor-Ort-Apotheken, auch im digitalen Bereich. Ihre Botschaft: Die Leistungen vor Ort können mit denen großer Versandapotheken problemlos mithalten.

„Die vermeintlichen Vorteile von Online-Apotheken sind klar: Zeitersparnis, Rabatte und Lieferung nach Hause. Aber all das können wir auch“, sagt Birgit Lauer, Inhaberin der Glück Auf Apotheke. Tatsächlich relativierten sich viele dieser Vorteile bei genauerem Hinsehen. Den Apothekerinnen ist es wichtig, das Bewusstsein für die Leistungen vor Ort zu stärken. Seit Jahrzehnten seien sie Ansprechpartnerinnen für die Menschen in Kirchhellen, immer persönlich, zuverlässig und nahbar. „Wir sind die Problemlöser des Gesundheitswesens“, bringt es Christiane Petri-Reers von der Dorf-Apotheke auf den Punkt. Im Mittelpunkt stehe immer der Mensch, nicht der Umsatz. Beratung gebe es direkt in der Apotheke oder telefonisch. „Wir rufen auch immer zurück, das ist für uns selbstverständlich“, betont Lauer.

Apotheken vor Ort sichern

Ein weiterer Punkt: Viele Versandapotheken sitzen im Ausland. Während in Deutschland für verschreibungspflichtige Medikamente eine Preisbindung gilt und Rabatte verboten sind, entstehen dadurch Wettbewerbsunterschiede. Diese Regelung soll eigentlich verhindern, dass der Preis über die Versorgung entscheidet.

Warum die Apotheken vor Ort so wichtig sind, zeigt sich besonders mit Blick auf mögliche Krisen. „Einmal zerstörte Strukturen kommen nicht wieder“, warnen die Apothekerinnen. Präsenzapotheken seien ein zentraler Bestandteil der Notfallversorgung. Sie halten Medikamente vorrätig und sichern so die unmittelbare Versorgung der Bevölkerung. Bestellungen im Versandhandel fließen in diese lokale Versorgung nicht ein. „Was passiert, wenn im Ernstfall noch mehr Apotheken fehlen?“, geben sie zu bedenken.

Lokale Hilfe zählt

Mit ihrer Kampagne, die am 20. März gestartet ist, wollen Petri-Reers, Heike Grolla (Antonius Apotheke) und Birgit Lauer deshalb ein Zeichen setzen. Plakate im Ort und eine große zentrale Werbetafel machen auf das Anliegen aufmerksam. Gleichzeitig betonen sie: Auch digital sind die Apotheken längst gut aufgestellt. Medikamente können per App vorbestellt und kontaktlos abgeholt oder geliefert werden. Der Botendienst ist von morgens bis abends unterwegs, oft schneller als der Versandhandel.

„Viele Menschen wissen gar nicht, dass wir diesen Service schon lange anbieten“, sagt Heike Grolla. Umso mehr stört sie die starke Werbung für Versandapotheken im Fernsehen und Internet. „Das ist nichts Besonderes. Wir machen das hier vor Ort schon seit Jahren.“ Ihr Appell an die Menschen in Kirchhellen ist daher klar: „Lasst das E-Rezept im Dorf und unterstützt die Apotheken vor Ort.“

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Valerie Misz

Valerie Misz

v.misz@aureus.de

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