Kirchhellen
Foto: aureus GmbH - Valerie Misz
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Nach mehr als 350 Arbeitsstunden: Die Totems sind wieder vollständig

Vor drei Monaten ist die Installation auf der Halde Haniel schwer beschädigt worden - Im Auftrag des RVR hat der Kirchhellener Künstler Guido Hofmann die Bahnschwellen instandgesetzt

Kirchhellen -

Seit 20 Jahren befindet sich die Installation „Totems“ des baskischen Künstlers Augustin Ibarrola auf der Halde Haniel in Bottrop. In dieser Zeit ist sie zu einem Wahrzeichen für Bottrop und das Ruhrgebiet geworden und wird von den Menschen geschätzt. Dass jemand mutwillig das Kunstwerk zerstört, hat für Entsetzen gesorgt.

Jens Hapke, Pressesprecher des Regionalverband Ruhr (RVR), betont: „Das war eine besondere Art von Vandalismus, wie wir ihn hier auf den Halden noch nie erlebt haben.“ Der Kirchhellener Bildhauer und Materialplastiker Guido Hofmann ist ein Schüler Ibarrolas. Als gebürtiger Essener kam er vor vielen Jahren nach Grafenwald, wo er mit seiner Frau fünf Kinder großgezogen und das ländliche Leben lieben gelernt hat. Mit der Familie Ibarrola entstand eine tiefe Freundschaft. Schon bei der Aufstellung der Installation 2002 war Hofmann dabei und kümmert sich seitdem um die Instandhaltung.

Hofmanns Kinder halfen bei der Instandsetzung

Seine Familie ist in den Prozess eingebunden. All sein Wissen um die richtigen Techniken, mit der die Bahnschwellen behandelt werden, gibt der Künstler an seine Kinder weiter. Augustin Ibarrola wird kommendes Jahr 90 Jahre alt. Hofmanns Wunsch: Dass seine Kinder die Arbeit im Sinne Ibarrolas weiterführen könnten, wenn er selbst nicht mehr kann. Die halfen ihm auch in den vergangenen Wochen und sind beinahe täglich mit auf die Halde hochgefahren.

Mehr als 350 Arbeitsstunden sind in die Instandsetzung der fünf abgesägten Bahnschwellen geflossen. Der Wert einer Bahnschwelle liegt bei etwa 20.000 Euro, erklärt Hofmann. „Wir haben überlegt, wie wir mit der Situation umgehen sollen. Die Bahnschwellen restaurieren zu lassen, statt neue anzufertigen, war die beste Lösung für alle“, erklärt Jens Hapke. So bleibt auch der emotionale Wert erhalten. Mit viel Liebe, kiloweise speziellem Epoxitharzkleber und besonders starken Gewinden hat Hofmann mit seiner Familie die Installation wieder vervollständigt – in Absprache mit seinem Lehrmeister.

Wetter hatte starken Einfluss auf die Arbeit

Sein Sohn Felix erzählt: „Drei Wochen sind wir täglich auf die Halde gefahren. Haben vorher frischen Kleber besorgt, die Materialien eingepackt und uns oben an die Arbeit gemacht. Eine Herausforderung war auf jeden Fall das Wetter. Manchmal mussten wir in kürzester Zeit alles einpacken und sind den Schauern nur knapp entkommen.“ Auf einer Höhe von 185 Metern ist das Wetter nicht zu unterschätzen. „Ich habe jeden Tag 50er-Sonnencreme dabei gehabt“, lacht Felix.

Nicht nur Sonne und Regen sorgten für Herausforderungen. Die Stehlen mussten befestigt werden, der Kleber trocknen… Mit einem extra angefertigten Gerüst wurden die Bahnschwellen stabilisiert. Kleinste Erschütterungen und Bewegungen hätten den Kleber lösen können. „Wir sind wirklich froh, dass sich während der Arbeiten auch in den Abendstunden keiner an den unfertigen Totems zu schaffen gemacht hat“, betont Felix.

Installation hat einen hohen emotionalen Wert im Ruhrgebiet

Generell sei die Aktion sehr positiv bei den Besuchern der Halde angekommen. „Ich habe sehr viele Menschen kennengelernt, tolle Gespräche geführt. Da wurde mir wieder klar, wie wichtig die Installation für das Ruhrgebiet und die Menschen hier ist“, sagt Hofmann. Teilweise hätten sie ihm lange bei der Arbeit zugesehen und großes Interesse an der Kunst gezeigt. Während der vergangenen Wochen wurden parallel alle 102 Totem überprüft und kleinere Teile nachgearbeitet. Routinemäßig wird Hofmann jährlich mit dieser Aufgabe betraut.

Nach dem schockierenden Vandalismus-Vorfall schaltete der RVR als Eigentümer der Halde Polizei und Staatsanwaltschaft ein. „Leider haben wir bis heute nicht herausfinden können, wer dahinter steckt“, bedauert Hapke. Dass durch eine Ermittlung noch ein Täter gefunden wird, ist nach Einschätzung des RVR und der Künstlerfamilie unwahrscheinlich. Hofmann habe aber bemerkt, dass die Menschen durch diesen Vorfall sensibilisiert wurden, und hofft, dass so etwas nicht noch einmal vorkommt.

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Valerie Misz

Valerie Misz

v.misz@aureus.de

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