Foto: Katharina Boll

Vernässung im Kirchhorst in Kirchhellen

Nach unserem letzten Gespräch mit der RAG haben wir nun mit dem Initiativkreis bergbaubetroffener Bürger (IBB) über das Gebiet „Kirchhorst“ gesprochen

Kirchhellen - Bereits im Februar haben wir uns mit dem Thema „Vernässung im Kirchhorst“ beschäftigt. Nach zahlreichen Anfragen aus der Bevölkerung haben wir uns mit der RAG getroffen und ihre Meinung zu dem Thema eingeholt. Nun möchten wir Ihnen auch eine andere Blickweise auf das Thema geben und haben uns mit Michael Farien und Stephan Heitmann von dem Initiativkreis bergbaubetroffener Bürger (IBB) zusammengesetzt, um über das Gebiet zu sprechen. Für beide steht fest: hier muss etwas geschehen.

„Wir haben uns seit unserer Gründung im Jahr 2001 Umweltschutz und damit auch den Schutz von Wald- und Landflächen auf die Fahne geschrieben. Somit fällt auch der Kirchhorst in unseren Aufgabenbereich“, erklärt Michael Farien einleitend. Die Vernässung im Kirchhorst ist bereits seit mehreren Jahren ein bekanntes Problem, das auch den IBB beschäftigt.

„Wir führen regelmäßig Begehungen durch und insbesondere in den vergangenen zwei bis drei Jahren sind uns einige gravierende Veränderungen aufgefallen“, erzählt Michael Farien. Zwar gibt es keinen uns bekannten Hinweis auf eine Überschwemmungsgefahr in Sinne der Ausbildung eines weiteren Senkungssees, wohl aber bestätigen Gutachter der RAG in einer an den IBB gerichteten Stellungnahme eine Zunahme der Vernässung des Bodens. „Diese zerstört die Lebensgrundlage nicht-feuchtigkeitsresistenter Gehölze und gefährdet dadurch die Grundvoraussetzungen für den Fortbestand des Waldgebiets in der per Naturschutzziel der Stadt Bottrop definierten Form: als Mischwald, dominiert und charakterisiert durch Buchen, Hainbuchen und Eichen“, erklärt Michael Farien.

Die gutachterlich festgestellte zunehmende Vernässung seit dem Jahr 2006 sieht der IBB nicht nur in einem zeitlichen sondern auch in einem sachlichen Zusammenhang mit den fortschreitenden Bergsenkungen im Waldgebiet und seinem Umfeld.
 

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Zwei umgestürzte Bäume sind dem IBB bei einer Besichtigung im März aufgefallen.
Foto: IBB

Anfragen wurden abgewiesen

„Nach unseren Beobachtungen haben wir bei der Bezirksregierung Arnsberg, die die Monitoring-Untersuchung des Bergwerks beaufsichtigt, eine Anfrage gestellt, die Daten dieser Untersuchung einsehen zu können“, erzählt Michael Farien. Doch wie sich herausstellte, liegen diese Daten der Bezirksregierung gar nicht vor, sondern nur dem Bergbau selbst. „Der Bergbau war jedoch nicht gewillt, uns einen Einblick zu geben“, erklärt Stephan Heitmann. Hier stellt sich dem IBB die Frage, warum der Dateneinblick verweigert wird, obwohl in der Vergangenheit stets von einer offenen Beziehung gesprochen werden konnte. „Als Begründung teilte uns die RAG ihre „feste Überzeugung“ mit, die bei der Bezirksregierung eingesehenen Unterlagen seien für uns ausreichend. Bergwerksvertreter argumentierten später zusätzlich, die dazugehörigen Basisdaten seien für uns Nichtfachleute zu kompliziert. Eine solche Geheimhaltung schürt natürlich Zweifel.“

Andere Voraussetzungen

Das Bergwerk Prosper-Haniel besitzt einen Rahmenbetriebsplan für den untertägigen Abbau von Steinkohle mit Umweltverträglichkeitsprüfung vom 12. April 2001, der das Waldgebiet Kirchhorst betrifft. In dem  In dieser sog. UVP wurden für die vom Bergbau zukünftig beeinträchtigten Gebiete Entwicklungsprognosen aufgestellt. „Doch zu diesem Zeitpunkt war der Kirchhorst noch kein Naturschutzgebiet. Das heißt, die Voraussetzungen haben sich geändert. Die bergbaulichen Abbaupläne müssten also diesen neuen Gegebenheiten angepasst werden“, betont Michael Farien. „Als Naturschutzgebiet muss das Waldgebiet eine andere Begutachtung erfahren.“
 

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Foto: IBB

Kritik an Messstellen und Beobachtungsflächen

„Wir zweifeln keineswegs die Messungen der Gutachter an. Doch wenn man sich ansieht, wo deren Beobachtungsflächen bzw. Grund­wassermessstellen liegen, sind die Ergebnisse dieser Messungen nicht sehr aussagekräftig“, sagt Michael Farien. „Keiner der Grundwassermessstellen liegt im Wald. Alle liegen außerhalb. Der Grundwasserstand dort wird lediglich errechnet, und zwar im sog. Grundwasserströmungsmodell anhand der Messergebnisse entfernterer Messstellen. Es wäre nun interessant zu sehen, wie tatsächliche Messungen innerhalb des Waldgebietes ausfallen.“ Außer­dem fordert der IBB, die Anzahl der bislang lediglich fünf Dauerbeobachtungsflächen im Waldgebiet durch Hinzunahme repräsentativer Flächen zu vergrößern. So werde nicht nur eine großflächigere, sondern auch eine realistischere Überprüfung des Waldes auf Schäden durch Stau- bzw. aufsteigendes Grundwasser gewährleistet.

„Wir würden uns in Zukunft ein bisschen mehr Offenheit wünschen und hoffen auf eine kooperative Zusammenarbeit, denn es ist jetzt wichtig, dass der Bergbau zu seiner Verantwortung steht und man das Thema dort nicht nur ernsthaft, sondern auch ergebnisoffen behandelt“, sind sich beide einig. kb

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