Dorsten
Foto: Stadt Dorsten
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Tage des Grundgesetzes: Ausstellung „Zwischen Erfolg und Verfolgung“

Bis zum 13. Juni steht die Ausstellung am Südwall - Stadtinfo bietet kostenlose Führungen an

Dorsten -

Die Stadt Dorsten zeigt vom 20. Mai bis zum 13. Juni 2022 am Südwall die Ausstellung „Zwischen Erfolg und Verfolgung – Jüdische Stars im deutschen Sport bis 1933 und danach“.

In einer großformatigen skulpturalen Präsentation würdigt die Ausstellung in Trägerschaft des Zentrums deutsche Sportgeschichte e.V. das große Verdienst jüdischer Sportlerinnen und Sportler für die Entwicklung des modernen Sports in Deutschland und dokumentiert anhand ausgewählter Porträts deren Verfolgung in der Zeit des Nationalsozialismus. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen 17 herausragende deutsch-jüdische Sportlerpersönlichkeiten, die als Nationalspieler, Welt- und Europameister, Olympiasieger und Rekordhalter zu den gefeierten Idolen ihrer Zeit zählten. Mit überlebensgroßen Silhouetten wird an ihr Leben und ihre Erfolge erinnert.

Nur weil sie Juden waren, wurden diese Frauen und Männer während der NS-Zeit aus ihren Sportvereinen ausgeschlossen, Titel wurden aberkannt. Dem deutschen Fußballpionier Walther Bensemann, Mitbegründer des Deutschen Fußball-Bundes, blieb wie vielen anderen nur die Flucht. Nicht wenige Sportler, wie der Fußballnationalspieler Julius Hirsch oder die zehnfache Deutsche Leichtathletikmeisterin Lilli Henoch, wurden deportiert und ermordet. Ralph Klein entkam nur knapp der Deportation nach Auschwitz. Nach dem Krieg war er israelischer, später deutscher Basketball-Nationaltrainer.

Vorgestellt werden ebenfalls die Biografien der Fechtolympiasiegerin Helene Mayer, des Schachweltmeisters Emanuel Lasker, des Meisterboxers Erich Seelig, der Deutschen Tennismeisterin Nelly Neppach, der Deutschen Speerwurfmeisterin Martha Jacob, der Leichtathletin Gretel Bergmann, der Turnolympiasieger Alfred und Gustav Felix Flatow, der  Europameister im Gewichtheben beziehungsweise im Ringen Julius und Hermann Baruch, des Eishockeyspielers Rudi Ball und des deutschen Fußballnationalspielers Gottfried Fuchs. Die Ausstellung bietet mit der Schwimmerin Sarah Poewe aber auch einen Ausblick und stellt eine wichtige Verbindung zur Gegenwart her. Als erste jüdische Athletin nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges gewann sie 2004 in Athen eine olympische Medaille für Deutschland.

Die Eröffnung der Ausstellung, die im Rahmen der Dorstener Tage des Grundgesetzes zwischen dem Jüdischen Museum und dem Recklinghäuser Tor Station macht, hat am vergangenen Freitag stattgefunden. Zur Eröffnung sprachen Bürgermeister Tobias Stockhoff und Dr. Norbert Reichling vom Jüdischen Museum Westfalen. Kurator Dr. Henry Wahlig vom Deutschen Fußballmuseum in Dortmund führte in das Thema der Ausstellung ein. Martina Lissner begleitete die kurze Eröffnungsfeier musikalisch mit ihrer Violine.

Dr. Henry Wahlig sagt: „Diese Ausstellung ist bewusst so konzipiert, dass sie nahezu zu jeder Zeit besucht werden kann. Wenn die Menschen schon nicht mehr ins Museum kommen, muss das Museum eben zu den Menschen kommen“. Der Sporthistoriker ergänzt: „Sie werden einen Eindruck bekommen von großen Stars des deutschen Sports, die aus der Geschichte herausgeschrieben wurden, weil sie jüdischer Herkunft waren, die aber wieder ins kollektive deutsche Sportgedächtnis gehören.“

Dr. Norbert Reichling hält es für eine sehr gute Idee, das Thema Grundrechte „greifbarer“ zu machen und wünscht der Ausstellung vor der Haustür des Jüdischen Museums viel Resonanz.

Bürgermeister Tobias Stockhoff sagt: „Diese grandiose Ausstellung passt thematisch wunderbar in den diesjährigen Schwerpunkt unserer Dorstener Tage des Grundgesetzes: Rassismus und Ausgrenzung.  Ich würde mich sehr freuen, wenn neben vielen Einzelpersonen auch Gruppen und Schulklassen die Ausstellung besuchen. Unsere Stadtinfo bietet dazu nach telefonischer Vereinbarung sogar kostenlose Führungen an.“

Uwe Senftleben, Botschafter des Dorstener Stadtdialogs, hatte die Ausstellung vor einiger Zeit in Münster gesehen und anschließend die Idee, auch Dorsten in die Liste der Städte aufzunehmen, in denen die Ausstellung Station macht. Umso glücklicher ist der Lembecker, dass sein Plan aufgegangen ist und „Zwischen Erfolg und Verfolgung“ nun bis zum 13. Juni in Dorsten zu sehen ist: „Es war mir eine Freude, einen Teil dazu beizutragen, dass diese beeindruckende Ausstellung nach Dorsten kommt“, sagt er. „Ich wünsche mir, dass der enge Bezug zum Sport viele Menschen anspricht, sie zu uns führt und die Ausstellung zu einer Brückenbauer-Ausstellung wird.“

Initiiert, konzipiert und finanziert wurde und wird die Ausstellung durch die DFB-Kulturstiftung, die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) und den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB). Die aus Anlass der European Maccabi Games 2015 in Berlin erstmals gezeigte Ausstellung wurde zudem durch die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ (EVZ) und die Deutsche Bahn Stiftung gefördert.

Die Ausstellung ist zweisprachig (deutsch/englisch) und über QR-Codes mit einer Online-Ausstellung verknüpft, auf der ergänzende Texte und Fotos ausführlich die jüdische Geschichte des deutschen Sports dokumentieren: www.juedische-sportstars.de.

Quelle: Pressestelle Stadt Dorsten

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