Foto: Privat
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Interkulturelle Begegnungen mit dem AFS erleben

Dank der gemeinnützigen Organisation American Field Service (AFS) haben viele Schüler und Familien aus der ganzen Welt die Möglichkeit, kulturelle Begegnungen zu erfahren.

Schermbeck - Die Schermbecker Familie von Estorff ist ein alter Hase, was den Schüleraustausch über die ganze Erdkugel angeht. Zum dritten Mal beherbergen sie nun schon ein Gastkind. Dieses Mal ist es die 18-jährige Majo, die sich in der Gastfamilie vollends zuhause fühlt. Aber Britt und Gregor von Estorff, die beide als Ehrenamtliche des Austauschprogramms tätig sind, wissen: Nicht jeder Gastschüler hat so ein Glück wie Majo.

„Den Kindern wird in dem Austauschprogramm so viel geboten“, schwärmt Britt von Estorff. An oberster Stelle stehen hierbei natürlich die Erfahrungen aus kulturellen Begegnungen, die für Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen spannend sind. „Viele potenzielle Gastfamilien befürchten ja, dass die Schüler hier nur sind, um Party zu machen“, erzählt sie weiter. Aber da können Gastfamilie ohne Sorgen sein, denn ein solches Verhalten würde der AFS nicht dulden.

Bei dem Schüleraustausch geht es vorrangig darum, dass die Gastschüler am Leben und Alltag der Familien teilhaben, ja, ein Teil davon werden. „Viele Schulen hier treten dem Gastschülerprogramm ganz offen entgegen“, weiß Gregor von Estorff, der selbst Lehrer ist. Natürlich können die Gastschüler, die in der Regel ohne jegliche Vorkenntnis der deutschen Sprache in ihrer Gastfamilie ankommen, nicht am normalen Unterricht teilhaben. Frida von Estorff, die Tochter der Familie, weiß aber: „Dann nehmen sie eben am Unterricht der fünften oder sechsten Klasse teil. Da muss man ja noch keine Gedichtsanalysen schreiben“, setzt die Vierzehnjährige lachen hinzu.Frida und Majo verstehen sich super, obwohl die beiden einen Altersunterschied von gut drei Jahren haben. Das AFS-Programm schweißt zusammen. Über Jahre, wie die Familie von Estorff weiß. Das erste Gastkind reiste aus Thailand nach Deutschland, das zweite aus Neuseeland und Majo kommt aus Kolumbien. „Wir selbst haben so tolle Erfahrungen gemacht. Das hat nicht nur uns an Eindrücken reicher gemacht, auch unsere Tochter ist daran sehr gewachsen“, berichten die Eheleute. Frida engagiert sich auch ehrenamtlich beim AFS wie ihre Eltern. „Das ist einfach toll, wir machen so viel“, schwärmt die Teenagerin. Einmal im Monat ist der AFS Stammtisch, zu dem sich die Ehrenamtler und Gastfamilien treffen. Es gibt ein Plätzchenbacken, das bald wieder stattfindet. Im Frühling werden Ostereier gefärbt, im Sommer zusammen gegrillt.

Sie wollen auch Gastfamilie werden?

Der Austausch ist eine Möglichkeit, kulturelle Begegnungen zu erfahren. Foto: Privat
Der Austausch ist eine Möglichkeit, kulturelle Begegnungen zu erfahren. Foto: Privat

So viel Glück, wie Majo es hatte, haben nicht alle Gastschüler. In jedem Jahr gibt es Schüler, die „buchstäblich auf gepackten Koffern sitzen und warten“, wie Britt von Estorff erzählt. Das Austauschjahr beginnt immer entweder im Februar oder im September. Es gibt Programme, die drei, sechs oder zwölf Monate dauern. Der AFS ist stetig auf der Suche nach neuen Familien, die sich freuen, Gastschüler aufzunehmen. Außerdem ist es gar nicht schwer und aufwendig, Gastfamilie zu werden. Wenn Sie sich als Gastfamilie bei der Organisation melden, werden Sie zunächst von den ehrenamtlichen Mitarbeitern des AFS besuch. „Man braucht jetzt auch keine Sorge haben, wenn man nicht in einem Einfamilienhaus wohnt“, versichert Britt von Estorff. Solange die Mitarbeiter des AFS der Meinung sind, dass die Wohnung in Ordnung und gut bewohnbar ist – und dass der Gastschüler ein eigenes Bett hat, das ist die einzig feste Bedingung – steht Ihnen als Gastfamilie nichts im Weg. Einzuhaltende Richtlinien, wie ein extra Schlafzimmer oder eine Mindestquadratmeteranzahl der Wohnung gibt es nicht. „Wir möchten einfach, dass die Gastschüler sich wohlfühlen und ein Zuhause auf Zeit finden“, sagt Britt von Estorff.

Wenn die ehrenamtliche Arbeit und der Einblick in das Leben mit einer Gastfamilie Sie überzeugt und neugierig gemacht hat, können Sie sich bei der AFS-Koordinatorin für das Komitee WEB (Wesel, Emmerich, Bocholt, Borken, Dorsten) Andrea Große Brinkhaus melden. Viele weitere Informationen zum Programm, zum Ablauf und zur Organisation finden Sie auch auf der Internetseite www.afs.de, bei Facebook (afsgermany) und bei Instagram (afs.komitee.web).

Das ist der AFS

Die gemeinnützige Organisation, die sich hinter der Abkürzung AFS verbirgt, ist der American Field Service. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs hat es sich der AFS zur Aufgabe gemacht, Schülern die Möglichkeit auf einen Austausch in die ganze Welt zu ermöglichen. Diese interkulturellen Begegnungen stellen bis heute einen wichtigen Beitrag zum Weltfrieden, um das Verständnis unter den Kulturen zu fördern. Der Name der Organisation blickt allerdings auf eine längere Geschichte zurück: Im Ersten Weltkrieg entschieden sich amerikanische Austauschstudenten, die sich 1914 in Paris aufhielten, als freiwillige Sanitäter auf den Schlachtfeldern zu arbeiten. Unter dem Namen „American Field Service“ setzten sie ihre Tätigkeit dann im Zweiten Weltkrieg fort. Heute blickt der AFS auf viele Jahrzehnte Schüleraustausch und Kulturzusammenführung – aber die Arbeit ist noch nicht beendet. jl

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