Gladbeck
Fotos: Nicole Gruschinski

100 Jahre Reiterverein Gladbeck – ein Jahrhundert im Sattel

In den 1920er Jahren boomten Reit-, Zucht- und Fahrvereine - Die Zeit vom 11. bis zum 19. Juli 2026 steht ganz im Zeichen des Jubiläums

Gladbeck -

Der Reiterverein Gladbeck e.V. feiert in diesem Jahr ein ganz besonderes Jubiläum: Seit 100 Jahren prägt er das sportliche und gesellschaftliche Leben der Stadt, ein Verein, der Generationen verbindet, Talente fördert und die Leidenschaft für Pferde lebendig hält. Was 1926 als kleiner Zusammenschluss engagierter Pferdefreunde begann, ist heute eine feste Größe im Gladbecker Vereinsleben.

Ein Pferd ohne Reiter ist immer ein Pferd. Ein Reiter ohne Pferd ist nur ein Mensch, dieser Spruch von Stanislaw Jerzy Lec ist das Motto beim Reiterverein Gladbeck e.V.. Der Verein entstand 1926 aus einem Zusammenschluss engagierter Pferdezüchter und Reiter. Zu den prägenden Persönlichkeiten der Anfangsjahre gehörten Franz Springmann, Johann Bohmkamp, Theodor Terhardt, Johann Hachmann sen. und Hermann Feldhaus.

Anfänge in den 1920er

In den 1920er Jahren boomten Reit-, Zucht- und Fahrvereine, auch in Gladbeck trafen sich die Mitglieder vor allem im Sommer nach Feierabend zum gemeinsamen Reiten, bereits unter Anleitung eines Reitlehrers. Die heutige Anlage existierte damals noch nicht; geritten wurde auf einem Gelände nahe Gladbeck-West. Die ersten Reitlehrer waren ehemalige Kavalleristen.

Der Reiterverein Gladbeck nutzte zwischen 1930 und 1933 den Übungsplatz der Bueraner Reiter, bevor das Vereinsleben durch die nationalsozialistische Machtergreifung bis 1945 vollständig zum Erliegen kam. Bereits 1946 gelang unter Hans Hachmann der Wiederaufbau. Mit neuen Trainingsplätzen, engagierten Reitlehrern und einer 1948 angefertigten Standarte entwickelte sich der Verein erneut lebhaft und feierte in den 1950er und 1960er Jahren sportliche Erfolge.

8000 Besucher

1952 erreichte der Verein bereits über 200 Mitglieder, wobei sich die Struktur vom landwirtschaftlich geprägten Ursprung hin zu einem breiten, gesellschaftlich vielfältigen Reitsport entwickelte. 1954 erfolgte die offizielle Eintragung als „Ländlicher Zucht-, Reit- und Fahrverein Gladbeck“. Um Turniere finanziell zu ermöglichen, führte der Verein die passive Mitgliedschaft ein und gewann gezielt Kaufleute, Handwerker und andere Gewerbetreibende als Förderer. Der Verein richtete seine ersten Gladbecker Reitturniere mangels eigener Anlage in den 1950er Jahren im Stadion aus und zog dabei bis zu 8000 Besucher an, was den Reitsport in der Stadt sichtbar machte. „Heute liegen wir da leider nur bei 500 bis bestenfalls 800 Zuschauer“, blickt Karin Scharfenorth mit Wehmut auf diese Zahlen zurück.

Mit dem Erwerb eines Erbpachtgrundstückes neben der Gaststätte Quäling begann 1961 eine neue Ära, in der der Verein erstmals über eigene Außenplätze verfügte und die Grundlage für die heutige Anlage legte.

Der Verein professionalisierte sich ab Mitte der 1960er Jahre weiter, begann mit regelmäßigem Reitunterricht auf eigenen Schulpferden und öffnete sich organisatorisch, etwa durch die erste Frau im Vorstand und die Umbenennung zum heutigen Reiterverein Gladbeck. Mit dem Wilhelm-Heidelbach-Gedächtnispreis, neuen Vorstandsstrukturen und wachsender sportlicher Aktivität prägten die 1970er Jahre eine Phase des Aufbruchs. In den frühen 1980er Jahren folgten bauliche Erweiterungen wie der Richterturm und die Neuordnung der Grundstücke, die die Anlage nachhaltig modernisierten und den Verein für die Zukunft stärkten.

Modernisierung der Anlage

Der Verein modernisierte in den 1990er Jahren seine Anlage umfassend, erneuerte Stallungen und Hallenbereiche und baute zusätzliche Außenboxen sowie eine neue Heuscheune. Parallel dazu entwickelte sich das Vereinsleben weiter: Jugendarbeit, Kooperationen mit Kindergärten und Schulen, Schnupperkurse und das therapeutische Reiten prägten eine zunehmend breitensportorientierte Ausrichtung. Mit internationalen Austauschprogrammen wie z.B. mit französischer Partnerstadt Marcq-en-Baroeul und Angeboten für erwachsene Reitanfänger öffnete sich der Reiterverein Gladbeck neuen Zielgruppen und stärkte seine Rolle als inklusiver, vielseitiger Pferdesportverein.

Männer sind heute eher Exoten

In diesen Tagen feiert der Reiterverein Gladbeck nun also sein 100. Jubiläum. Was wünscht man sich für die kommenden Jahre? „Vor allem wieder mehr männliche Reiter“, sagt die 2. Vorsitzende Karin Scharfenorth, denn während Frauen vor 100 Jahren im Reitsport noch Exotinnen waren, sind es heute die Herren, die selten geworden sind. Was die 2. Vorsitzende allerdings bedauert, zumal der Reitsport so vielseitig ist.

Gelegenheit, einmal in den Reitsport hineinzuschnuppern, gibt es während der Jubiläumswoche reichlich und damit könnte sich auch Scharfenorths zweiter Wunsch erfüllen: Zuschauerzahlen wie in den 1950er Jahren, als die Gladbecker Turniere Tausende Menschen anzogen und den Pferdesport in der Stadt zu einem gesellschaftlichen Ereignis machten.

Jubiläumswoche vom 11. bis 19. Juli 2026 – ein Fest für Verein, Pferde und Gäste

Die Zeit vom 11. bis zum 19. Juli 2026 steht ganz im Zeichen des Jubiläums. Den Auftakt bildet am Samstag, 11. Juli, um 10.30 Uhr ein feierlicher Gottesdienst in der Günter-Melcher-Halle auf dem Vereinsgelände. Gemeinsam möchte der Reitverein danken, innehalten und um Segen für die kommenden Jahre bitten. Ein besonders stimmungsvoller Moment wird dabei die Segnung der Vereinspferde sein, ein Ritual, das die enge Verbindung zwischen Mensch und Tier eindrucksvoll sichtbar macht.

Im Anschluss lädt der Verein ab 12 Uhr zum offiziellen Empfang ein. Auch Bürgermeisterin Bettina Weist hat ihr Kommen angekündigt. Bei Live-Musik der Band Zwischenklang, kühlen Getränken und einem kleinen Imbiss können Gäste in Erinnerungen schwelgen, das Erreichte feiern und zugleich den Blick auf die Zukunft des Vereins richten.

Familientag am 12. Juli – Programm für Groß und Klein

Bereits am nächsten Tag geht es weiter: Am Sonntag, 12. Juli 2026, von 13 bis 17 Uhr, lädt der Reiterverein zu einem öffentlichen Familientag ein. Die Besucher erwartet ein buntes Programm mit und ohne Pferd. Neben dem beliebten Ponyreiten auf den Vereinspferden wird in Kooperation mit dem Landessportbund NRW und der AOK das Kinderbewegungsabzeichen angeboten. Spielstationen, Getränke, Snacks und eine Hüpfburg sorgen dafür, dass sich Familien jeden Alters wohlfühlen.

Jubiläumsturnier am 18. und 19. Juli – Reitsport auf hohem Niveau

Am darauffolgenden Wochenende steht der Reitsport im Mittelpunkt. Am 18. und 19. Juli 2026 richtet der Reitverein Gladbeck sein großes Jubiläums-Reitturnier aus.

  • Samstag, 18. Juli: Springsport mit Prüfungen nach WBO und LPO bis zur Klasse L
  • Sonntag, 19. Juli: Dressursport mit Prüfungen nach WBO und LPO bis zur Klasse S

Ein besonderes Highlight sind an beiden Tagen die Prüfungen, die im Rahmen der FN-Initiative „Schulpferde-Champions präsentiert von Effol“ unterstützt werden – ein starkes Zeichen für die Bedeutung der Schulpferdearbeit im Verein.

Teilnahme, Ausschreibung und Service

Die Anlage an der Kirchhellener Straße 233 bietet an beiden Tagen beste Bedingungen für Reiterinnen, Reiter und Publikum. Die Ausschreibung ist bereits auf nennung-online.de verfügbar. Teilnahmeberechtigt sind Stammmitglieder der Reitvereine in den

Pferdesportverbänden Rheinland und Westfalen sowie in begrenzter Zahl Einzelreiterinnen und -reiter auf persönliche Einladung des Veranstalters. Eine Turnierfotografin begleitet die Prüfungen und hält besondere Momente fest.

Für das leibliche Wohl sorgt das Veranstaltungskomitee des Vereins: Ein schmackhaftes gastronomisches Angebot erwartet sowohl die Turnierteilnehmenden als auch das herzlich willkommene Publikum.

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Nicole Gruschinski

Nicole Gruschinski

n.gruschinski@aureus.de

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