Kirchhellen
Wenn die Arbeit als Bezirksbürgermeister auch viel abverlangt, ist Ludger Schnieder weiterhin guter Dinge.Foto: aureus GmbH - Valerie Misz
Wenn die Arbeit als Bezirksbürgermeister auch viel abverlangt, ist Ludger Schnieder weiterhin guter Dinge.Foto: aureus GmbH - Valerie Misz

Bezirksbürgermeister Schnieder: „Wir dürfen den Glauben nicht verlieren“

Ludger Schnieder ist ein Mann mit viel Geduld - Im Interview verrät er die Höhen und Tiefen des vergangenen Jahres

Kirchhellen -

Ein weiteres bewegtes Jahr geht zu Ende. Ein Jahr geprägt von der Corona-Pandemie und dem unerschütterlichen Durchhaltevermögen der Kirchhellener Bürger und Politik.

Herr Schnieder, ein weiteres Jahr geht zu Ende. Was waren die relevanten Themen 2021 in Kirchhellen?

Corona. Es war für alle ein schweres und bewegtes Jahr. Die Pandemie gestaltet nach wie vor unseren Alltag. Wir dürfen keine großen Kontakte pflegen, Aktivitäten werden ausgebremst. Aber auch der Austausch wird erschwert. Das macht die Arbeit in der Politik nicht einfacher. Online-Meetings sind bei weitem nicht so effizient wie persönliche Treffen. Ich denke, dass auf persönlicher Ebene vieles schneller erreicht werden kann. Aber auch die Einzelhändler, Vereine und Ehrenamtlichen haben viel Durchhaltevermögen bewiesen. Ich ziehe meinen Hut vor allen, die weitergemacht und, wenn auch nur im kleinsten Rahmen, etwas bewegt haben.

Der Radweg an der Gahlener Straße ist endlich fertiggestellt. Ein Thema, das nicht nur mich über die letzten Jahre begleitet hat. Die Beharrlichkeit der verantwortlichen Bürgerinnen und Bürger ist bemerkenswert. Und das Ergebnis gibt ihnen Recht: Der Bau des Radwegs war nötig und richtig. Er ist eine Bereicherung.

Im Zuge dessen wurden auch neue Glasfaserkabel verlegt. Wir sind am Ende dieses Jahres noch nicht so weit, wie ich es mir gewünscht habe, aber wir sind einen gewaltigen Schritt vorangekommen. Innerhalb der nächsten Wochen werden die Glasfaseranschlüsse dann endlich freigeschaltet. Zu Beginn vieler Projekte denkt man zunächst, es würde schneller gehen. Der Geduldsfaden wird oft auf die Probe gestellt.

Die neue Feuerwache ist auch eines der Projekte, das seit Jahren im Stillstand zu sein scheint. Ist ein Fortschritt erkennbar?

Ich würde mir wünschen, wir wären schon wesentlich weiter in der Planung. Für Außenstehende ist kein Fortschritt zu sehen. Ich hoffe die Bereitschaft der Freiwilligen Feuerwehr bleibt uns erhalten. Dass die Missstände da sind, sollte allen klar sein. Die Standortfrage wurde in diesem Jahr heiß diskutiert. Jetzt warten wir auf Fakten, damit wir weiter handeln können. Für Außenstehende wird der gesamte Prozess immer schwieriger nachvollziehbar. Wir müssen das Tempo im kommenden Jahr anziehen. Wir brauchen die Entscheidung, ob der Standort in Frage kommt oder nicht, damit wir wissen, wohin die Reise geht.

Eine Entscheidung über die künftige Bebauung und Nutzung der Fläche an Schacht 9 in Grafenwald steht auch noch aus. Obwohl es aktuell danach aussieht, als würde die Errichtung eines Wohngebietes gewünscht werden. Vielleicht auch in Kombination mit Gewerbeflächen.

Die Sportentwicklung schreitet langsam voran. Wir werden eine Sporthalle bekommen. Das ist eigentlich sicher. Dies wird jedoch, genau wie der gewünschte Ausbau der Bezirkssportanlage, noch dauern. Wir sind natürlich nur ein Teil der Bottroper Sportentwicklung und auch in anderen Stadtteilen gibt es sinnvolle und wichtige Maßnahmen, die verwirklicht werden müssen.

Wie gehen Sie damit um, wenn auch nach Jahren keine sichtbaren Ergebnisse erkennbar sind?

Die Arbeit als Bezirksbürgermeister kann durchaus deprimierend sein; generell in der Politik. Es gibt so viele Menschen mit tollen Ideen. Oft vergehen Jahre oder Jahrzehnte, bis sie umgesetzt werden, wenn überhaupt. Die Phasen zwischen Entscheidungen und Umsetzungen können langwierig sein. Natürlich ist die Warterei oftmals müßig. Die Bürger hören manchmal von den spärlichen Fortschritten und erinnern sich: Achja, da war mal was. Es sind nun mal viele Rädchen, die in den Planungs- und Entscheidungsprozessen ineinandergreifen. Ausdauer braucht man definitiv. Aber solange der Spaß noch überwiegt, mache ich die Arbeit auch gerne. Erfolge wie der Radweg an der Gahlener Straße zeigen, warum sich die Ausdauer lohnen kann.

Auch in diesem Jahr ist viel im Hintergrund passiert. Welche Wege haben Sie für das kommende Jahr geebnet?

Der Ausbau des Radwegnetzes steht kommendes Jahr ganz oben auf der Agenda der Kirchhellener Bezirksvertretung. Wir alle sehen die Notwendigkeit und wollen uns vermehrt dafür einsetzen, voranzukommen. Dabei stehen der Ausbau der Hackfurthstraße und der Alleenradweg an oberster Stelle. Erste Konzepte für die Hackfurthstraße wurden kürzlich vorgestellt. Jetzt gilt es diese zu optimieren. Die Verbindung zwischen Dorsten, Bottrop und Oberhausen durch den Alleenradweg ist ein wichtiger Schritt, auch in Bezug auf den Umwelt- und Klimaschutz. Trotzdem ist auch hier die Herausforderung groß, allen gerecht zu werden. Fußgänger, Rad- und Autofahrer sollen gleich behandelt werden. Wir dürfen bei den Planungen niemanden vergessen. Wir sind auf gute Zusammenarbeit mit dem RVR und der Verwaltung angewiesen. Wir sind optimistisch, dass wir 2022 einen Schritt weitergehen werden.

Mit der Gestaltung des Dorfkerns soll es ebenfalls weitergehen. Einige Begehungen des Johann-Breuker-Platzes haben bereits stattgefunden. Ziel ist mehr Nutz- und Aufenthaltsqualität zu schaffen. Zusätzliche Sitzgruppen und Bäume sollen geprüft werden. Natürlich berücksichtigen wir den Einfluss auf den Wochenmarkt und anderweitige Veranstaltungen. Es ist denkbar, tesweise mögliche Bereiche mit Zäunen abzustecken, um zu sehen, wie sich das Treiben auf dem Platz drumherum entwickelt. Auch der Alte Markplatz soll grüner gestaltet werden. Erste Konzepte dazu befinden sich aktuell in Entwicklung. Dabei sollen übrigens keine Parkplätze genommen werden. Auch die Verkehrsführung bleibt, wie sie ist. Mit der Eröffnung des Bücherschranks sind wir den ersten Schritt in die richtige Richtung gegangen.

Letztendlich war das Jahr sehr durchwachsen. Wir haben viele Höhen und Tiefen erlebt. Oft wird gesagt, der dörfliche Charakter würde durch die Neubaugebiete verloren gehen. Aber Zeiten wie diese zeigen, dass es die Menschen sind, die ein Dorf ausmachen. Ich habe viel Zusammenhalt und Engagement erlebt. Einzelschicksale haben erschüttert. Aber ich denke im Großen und Ganzen haben wir das Jahr souverän gemeistert. Ich hoffe, wir können im kommenden Jahr wieder auf bessere Zeiten hoffen. Wichtig ist nur, dass wir alle den Glauben nicht verlieren.

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Valerie Misz

Valerie Misz

v.misz@aureus.de

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