Darin warnen die Bundesfachgruppe Obstbau und die Landesverbände vor einem schleichenden Rückzug der heimischen Obstproduktion. Jörg Umberg, Kirchhellener Obstbauer, hat den Brief in den Sozialen Medien geteilt und unterstützt den Appell.
Zukunft heimischer Obstproduktion
Für Jörg Umberg ist das im Brief gezeichnete Bild keine abstrakte Entwicklung. Die Probleme beträfen nicht einen einzelnen Betrieb oder eine bestimmte Kundengruppe, sondern den Obstbau insgesamt. Auch wenn die eigene Vermarktung derzeit grundsätzlich gut läuft, sei die Entwicklung in Deutschland bedenklich, betont Umberg
Als Ursache sieht der Obstbauer ein Zusammenspiel aus Politik, Handel und Verbrauchern. „Die Produktionskosten seien in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen“, so der Landwirt. „Vor allem höhere Löhne, Energie- und Düngemittelkosten belasteten die Betriebe.“ Viele Kosten können die Landwirte jedoch nicht vollständig an die Kunden weitergeben.
Die Folgen sind bereits sichtbar. Der Kirchhellener Betrieb hat sein Angebot in den vergangenen Jahren ebenfalls angepasst und die viel gefragte Selbstpflücke ausgebaut. Der Brandbrief verweist unterdessen auf eine drastische Entwicklung: Deutschland erwarte in diesem Jahr die niedrigste Freiland-Erdbeerernte seit mehr als 30 Jahren.
Die Obstbauern führen das nicht allein auf das Wetter zurück. Entscheidend sei auch, dass Betriebe aufgeben und Anbauflächen verschwinden. Wetterbedingte Schwankungen könnten die Entwicklung zusätzlich verstärken.
Verantwortung des Handels
Umberg sieht auch den Handel in der Verantwortung. Es gebe zwar immer wieder Bekenntnisse zur Regionalität, entscheidend sei aber, welche Produkte tatsächlich angeboten und eingekauft würden. Regionalität dürfe nicht nur ein Werbeversprechen sein. Gleichzeitig müssen Verbraucher bereit sein, für heimische Lebensmittel einen angemessenen Preis zu bezahlen.
Im Brandbrief richten die Obstbauern ihren Appell deshalb ausdrücklich an Handel und Verbraucher. Wer heimisches Obst haben möchte, müsse auch dazu beitragen, dass dessen Produktion wirtschaftlich möglich bleibe. Denn wenn Betriebe erst einmal verschwunden seien, lasse sich die regionale Produktion nicht kurzfristig wieder aufbauen.
Für den Kirchhellener Obstbauern ist die Veröffentlichung des Brandbriefs vor allem ein erneuter Versuch, auf ein seit Jahren bekanntes Problem aufmerksam zu machen. Nichts von alledem sei neu. Nun wollen die Landwirte erneut deutlich machen: Die Entscheidung darüber, ob es auch künftig heimisches Obst geben wird, fällt nicht nur auf den Feldern, sondern ebenso im Handel und an der Ladenkasse.