Kirchhellen
Nach einem anstrengenden und spannenden Jahr Wahlkampf freut sich Matthias Buschfeld, dass es bald als Oberbürgermeister losgehen kann.Foto: Valerie Misz

Matthias Buschfeld: Der neue Oberbürgermeister will Bottrop und Kirchhellen bewegen

Bürgernähe, Digitalisierung und Traditionen schützen und vorantreiben: Das sind die ersten Ziele des baldigen Oberbürgermeisters

Kirchhellen -

Am Sonntag, den 28. September, hat Bottrop gewählt: Matthias Buschfeld (SPD) setzte sich in der Stichwahl gegen seinen CDU-Kontrahenten Frank Kien durch. Nun steht für den 36-Jährigen der Wechsel ins Rathaus bevor – mit Vereidigung und Amtsantritt Anfang November. Doch schon jetzt laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren.

„Die Gespräche sind im Gange, wir bereiten uns vor“, sagt Buschfeld. Anders als viele seiner Vorgänger zieht er nicht nur in ein anderes Büro im Rathaus, sondern komplett neu ein. Ein reibungsloser Übergang sei ihm wichtig. „Wir müssen eine Mehrheit im Rat bilden, das wird mit der CDU geschehen. Wie genau, das ist noch im Fluss.“

Ziele für die ersten 100 Tage

Zu den größten Herausforderungen der ersten 100 Tage zählt Buschfeld die langen Wartezeiten im Bürgerbüro, der Zulassungsstelle und der Ausländerbehörde. „Da müssen wir schnell Abhilfe schaffen – auch bei den Online-Terminen.“ Ebenso ist ihm die Digitalisierung der Stadtverwaltung ein zentrales Anliegen: „Wir haben ein Digitalisierungsdefizit. Ich möchte eine Struktur und einen Fahrplan schaffen, damit allen klar ist, wo die Reise hingeht.“ Den möglichen Umzug ins Karstadt-Gebäude sieht er als Chance.

Veranstaltungen und Ehrenamt liegen ihm am Herzen. Bei Gesprächen im Wahlkampf hätten ihm viele Kirchhellener Bürger ihre Sorgen um traditionsreiche Feste wie das Schützen- und Brezelfest geschildert. „Diese einzigartigen Veranstaltungen machen Bottrop aus und holen viele Menschen von außerhalb in die Stadt. Wir müssen Rahmenbedingungen finden, die Sicherheit gewährleisten und gleichzeitig ermöglichen, dass solche Feste stattfinden.“

Bürgernähe halten

Buschfeld will auch nach dem Wahlkampf nahbar bleiben. Einmal im Monat möchte er ein Stadtteilgespräch anbieten – sodass er in einem Jahr in jedem Bottroper Stadtteil präsent war. Ergänzend setzt er auf Instagram-Live-Formate und Social Media, „um niederschwellig ins Gespräch zu kommen“. Dass er auf Veranstaltungen präsent sein will, hat er schon gezeigt: Zur eigenen Wahlparty kam er fast zu spät, weil er noch übers Kirchhellener Kartoffelfest schlenderte.

In seiner neuen Rolle als Oberbürgermeister ist Buschfeld zur parteipolitischen Neutralität verpflichtet. Gleichwohl sieht er eine Herausforderung im Umgang mit Mehrheiten im Rat, wenn diese nur durch Stimmen der AfD zustande kommen könnten. „Gerade die ehrenamtliche Politik muss für sich herausfinden, wie sie damit umgeht“, sagt er.

Demokratie stärken

„Ich verstehe Neutralität nicht so, dass meine Aufgabe wäre, mich da rauszuhalten“, so Buschfeld. Er stellt sich vielmehr die Frage, wie er mit öffentlicher Hand die Menschen davon überzeugen kann, dass es sich lohnt, für das jetzige System einzustehen. Dazu gehört eben auch, die AfD Wähler in die politische Mitte zurückzuholen.

Ein Teil wird hier sicherlich sein, die Kommunikation als Stadtverwaltung zu verändern: „Ich diskutiere nicht immer über das „ob“, aber ich kann über das „wie“ diskutieren. Es gibt keine Welt, in der alle mit allem einverstanden sind. Es gibt auch Situationen, in denen die einen „nein“ und die anderen „ja“ sagen und beide haben Recht.“ Wichtig sei hier, Konsens zu schaffen.

Beispiele hierfür seien das lange Ringen um einen Standort für die neue Feuerwache in Kirchhellen oder die Frage der Schulpolitik im Ort. Mit der Einigung auf einen gemeinsamen Neubau für die Sekundarschule und das Gymnasium sieht er viele Chancen für die Kirchhellener Schullandschaft. „So können beide Schulen künftig auf geänderte Rahmenbedingungen reagieren“, sagt Matthias Buschfeld.

Verantwortung anerkennen

Buschfeld weiß um die Verantwortung, die ihn erwartet: „Man ist für alles verantwortlich, auch wenn man nicht jede einzelne Entscheidung trifft.“ Trotzdem sieht er im neuen Amt große Chancen: „Nicht nur verwalten, sondern gestalten – darauf freue ich mich.“

Er bringt, wie er selbst sagt, einen anderen Blick mit: jung, aus der ehrenamtlichen Politik, kein Verwaltungsmann, sondern Bottroper Bürger, der das Rathaus aus der „Anwenderbrille“ kennt. Für ihn steht fest: Bottrop, damit auch Kirchhellen, soll eine Stadt sein, in der Familien gerne leben und bleiben.

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Valerie Misz

Valerie Misz

v.misz@aureus.de

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