Für Bottrop und Kirchhellen gibt es dabei zunächst gute Nachrichten: Im bundesweiten Vergleich der großen Städte schneidet die Stadt bei den Müllgebühren besonders günstig ab. Auch Essen gehört zu den Städten mit vergleichsweise niedrigen Kosten.
Nebenkosten als Belastung
Für Haus & Grund Bottrop ist das Ranking mehr als eine Momentaufnahme. „Bei der Miete denkt man an die Gesamtmiete, an die Kalt- und Warmmiete“, sagt Präsident und Vorsitzender Walter Eilert. Dabei werde häufig unterschätzt, welchen Anteil die Nebenkosten an der Gesamtbelastung ausmachen. In den vergangenen Jahren hätten sich durch höhere Energiepreise, Personal- und Betriebskosten oder die gestiegene Grundsteuer zahlreiche Kostenfaktoren verändert. Diese Kosten müssten Vermieter in der Regel an die Mieter weiterreichen, obwohl sie selbst nicht deren Verursacher seien.
Dass die Müllgebühren in Bottrop dennoch stabil gehalten werden konnten, führt Emilio Pintea, Erster Beigeordneter und zugleich Vorsitzender des Verwaltungsrats der Bottroper Entsorgung und Stadtreinigung (BEST), vor allem auf eine solide Bewirtschaftung zurück. „Trotz gestiegener Kosten für Fahrzeuge, Energie und Personal hat die BEST die Gebühren bislang stabil halten können“, sagt Pintea.
Eine wichtige Rolle spielt dabei auch der Entsorgungsvertrag mit der Müllverbrennungsanlage in Essen-Karnap. Dieser wurde zu einem aus heutiger Sicht ausgesprochen günstigen Zeitpunkt abgeschlossen und enthält zudem zwei Verlängerungsoptionen. Doch die derzeitige Vereinbarung läuft am 31. Dezember 2028 aus. Danach könnten die Entsorgungskosten deutlich steigen.
Gebühren bleiben ungewiss
Was das für die Gebühren der Bottroper und Kirchhellener bedeutet, lässt sich derzeit noch nicht genau sagen. „Ob wir auf dem Niveau bleiben können, ist ungewiss“, räumt Pintea ein. Bis dahin möchte die BEST jedoch an verschiedenen Stellschrauben drehen, Abläufe optimieren und die Kosten möglichst stabil halten. Ziel sei es, die Belastung für die Bürgerinnen und Bürger so gering wie möglich zu halten.
Auch BEST-Prokurist Jannik Hohmann verweist auf zahlreiche Unsicherheitsfaktoren. Dazu gehören mögliche gesetzliche Änderungen, aber auch die Entwicklung der Energie- und Entsorgungskosten. Gleichzeitig denkt BEST über neue Modelle nach, die eine gerechtere Verteilung der Gebühren ermöglichen könnten.
Eine Möglichkeit wäre ein sogenanntes Identsystem. Dabei würde jede Tonne mit einem Chip versehen und eindeutig einem Haushalt zugeordnet. Die Gebühren könnten sich dann stärker danach richten, wie viel Müll tatsächlich anfällt. Allerdings stecke die Idee noch in den Kinderschuhen.