Foto: Matthias Berns
Foto: Matthias Berns

Reiseziel: Schermbeck

NRW-Blogger Matthias Berns hat bei seiner Tour auf der 3-Flüsse-Route auch unsere kleine Gemeinde besucht.

Wenn schon einmal jemand Schermbeck als Reiseziel aufsucht, dann müssen wir auch das Gespräch suchen, hat sich unsere Redaktion gedacht. Urlaub in Deutschland steht aufgrund der Pandemiesituation hoch im Kurs, doch dass Leute dort Urlaub machen, wo sie auch wohnen, ist sicherlich ungewohnt. Aber gesagt, getan: Wir haben mit Matthias Berns gesprochen und er hat uns von seinen Eindrücken aus Schermbeck erzählt.

Schon im vergangenen Jahr hatte der reiselustige Rheinländer die Tour auf der 3-Flüsse-Route angetreten. „Mein Begleiter und ich sind auf die e-Trikes gestiegen und sind losgeradelt“, erzählt uns der sympathische Reiseblogger. Gleichzeitig erklärt er uns auch die Vorteile eines e-Trikes: „Die eignen sich besonders gut für Menschen mit einer körperlichen Einschränkung. Denn anders als herkömmliche Fahrräder beispielsweise kann man mit einem e-Trike an einer roten Ampel anhalten und beide Füße auf den Pedalen lassen, ohne dass man umkippt. Das gibt Menschen mit körperlichen Einschränkungen ein völlig neues Gefühl der Mobilität und sie gewinnen damit auch ein gehöriges Stück Lebensqualität wieder dazu.“

Den ersten Teil seiner Tour hatte Matthias Berns im Sommer 2019 in Raesfeld begonnen. Hier blieb das Auto stehen und er machte sich mit seiner Begleitung auf den Weg durch das, was Matthias Berns liebevoll die „niederrheinische Toskana“ nennt. „Auf meiner Reise habe ich sicherlich fünf spektakuläre Hochzeitslocations gesehen. Dort zu heiraten lohnt sich ganz bestimmt“, berichtet er begeistert. „Sagenhaft ist besonders der toskanische Garten des Weinguts Kloster-Kraul als Kulisse für die schönsten Tag im Leben“, schwärmt der Blogger weiter.

Der Aufenthalt in Schermbeck

Foto: Matthias Berns
Foto: Matthias Berns

Mit vielen tollen Geschichten und Bildern im Gepäck beendete er dann die “Route der Romantik”. Mit diesen Erfahrungen im Kopf machte sich Matthias Berns dann in diesem Jahr auf zum zweiten Teil seiner Tour: Dieses Mal war die südliche Hälfte der 3-Flüsse-Route dran, die ihn dann auch in unsere beschauliche Gemeinde führte. „Einen Aufenthalt hatten wir auch im Haus Mühlenbrock, da fingen die Erlebnisse schon mit einem ostafrikanischen Abendessen an. Das war schon sehr außergewöhnlich“, erzählt Matthias Berns. Das Haus Mühlenbrock wird von Stephan Mühlenbrock und seiner Frau Carol-Waithira betrieben. „Sie ist die gute Seele des Hauses. Stephan Mühlenbrock hat sich sehr gut um uns gekümmert, seine Frau aber sorgt für das ganze Ambiente drumherum. Sie gestaltet den Garten, die Einrichtung des Hauses und kümmert sich natürlich auch um das Essen. Alles ist sehr authentisch hier, denn Carol-Waithira Mühlenbrock ist selbst Ostafrikanerin“, hat der Reiseblogger auf seiner Tour gelernt.

Begeistert war er auch von dem historischen Stadtrundgang. Dieser führt die Besucher auf einer Wanderroute einmal quer durch Schermbeck und an jeder Sehenswürdigkeit kann man den entsprechenden QR-Code scannen, um weitere Informationen dazu zu bekommen. Auch die St. Georgskirche ist Matthias Berns stark in Erinnerung geblieben. „Ich weiß ja nicht, wie es Ihnen geht“, beginnt er, „aber ich besuche immer gerne Kirchen, wenn ich im Urlaub bin. Auf der einen Seite ist es immer ein Moment der Einkehr, ich gedenke den Lebenden und denjenigen, die leider nicht mehr bei uns sind. Auf der anderen Seite aber bergen Kirchen immer ein großes Stück Stadtgeschichte. Beeindruckt war ich natürlich auch von der übergroßen Georgsstatur, die über dem Kirchenraum schwebt. Auch das Triptychon hat mir sehr gut gefallen“, versucht er die vielen Bilder in wenige Worte zu fassen. Alles in allem sagt Matthias Berns: „Schermbeck lohnt sich immer für einen Ausflug. Es gibt viel mehr zu entdecken, als man anfangs denkt.“

Vom Banker zum Blogger

Foto: Matthias Berns
Foto: Matthias Berns

Die Leidenschaft zum Reisen hat der ehemalige Banker bereits mit 16 Jahren entdeckt. Damals hatte er sich mit vier Freunden die Fahrräder geschnappt und zusammen sind sie an die Nordsee geradelt. „Mein Vater hat mir damals sogar noch einen Brief mitgeben müssen, auf dem stand, dass ich nicht von zuhause ausgebüchst bin, sondern mit Erlaubnis umherreise“, erinnert er sich lachend. Drei Wochen haben sie auf dem Acker eines Landwirten an der Nordsee gezeltet, haben sich durchgeschlagen. „Das Erlebnis war so einschneidend - positiv, versteht sich - dass direkt meine Reiseleidenschaft entfacht wurde.“ Seitdem gehört das Reisen zu ihm und irgendwann brachten ihn Freunde und Bekannte auf die Idee, die Geschichten, die er nach seinen Reisen immer erzählte, doch aufzuschreiben. „Also gab ich meine Stelle bei der Bank, die ich zu dem Zeitpunkt gut 20 Jahre ausführte und dort Immobilienberater war, auf und schlug im Alter von 50 einen völlig neuen Weg ein“, sagt er. Schon nach der Schule wollte er gerne Journalismus und Touristik studieren, doch diese Möglichkeit gab es damals entweder nur in München oder in der ehemaligen DDR und beide Alternativen kamen für Matthias Berns nicht infrage. Als Alternative zum Journalismusstudium wäre er auch gerne Tourismuskaufmann geworden und hätte anderen Menschen Reisen empfohlen, doch als junger Mann entschied er sich, auch auf Raten seines Vaters, eine sichere Banklehre zu absolvieren. Das sollte eigentlich bei Weitem nicht sein Lebensziel werden und war auch nur für einen kurzfristigen Zeitraum als Beruf geplant, aber: „Ich bin dann 20 Jahre in der Bank geblieben. Statt anderen Reisen zu verkaufen, habe ich ihnen eben Häuser verkauft.”

Irgendwann hatte Matthias Berns aber den Entschluss gefasst, dass die Bankkarriere nun zu Ende sein soll. „Das hat mich erst einmal Überwindung gekostet, denn man gibt ja nicht leichtfertig alles von jetzt auf gleich auf.” Seine Familie aber hatte ihn dabei tatkräftig unterstützt und ihn sogar ermutigt, seinen Journalismus- und Reisetraum im Alter von 50 Jahren doch noch zu verwirklichen. Seit gut drei Jahren reist Matthias Berns nun am liebsten durch seine Heimatregion und teilt seine Erlebnisse auf seinem Reiseblog NRW. Doch die Geschichten und Erzählungen, die er dort mit interessierten Lesern teilt, haben auch einen genauen Zweck: Matthias Berns möchte, dass sein Reiseblog zu dem Nachschlagewerk für den Urlaub vor der Haustür wird. „Ich habe den Blog so gestaltet, dass Leser auf einen Blick direkt sehen können, welche die perfekten Routen für Wanderer und Radfahrer sind, wo welche Sehenswürdigkeit zu finden ist und was sie ausmacht. Natürlich gibt es auf meinem Blog auch reichlich Informationen zu Hotellerie und Gastronomie”, erklärt uns der Familienvater. Bebildert sind die Blogeinträge selbstverständlich auch und so kann jeder Reisefreudige sich schon vor Antritt der eigenen Tour ein ungefähres Bild seines Urlaubs zeichnen. Zum Abschluss unseres Gesprächs erklärt Matthias Berns noch, was ihn am Niederrhein als Reiseziel so reizt: „Als junger Mensch hatte ich, wie viele andere sicherlich auch, den großen Drang, Urlaub im Ausland zu machen. Bloß weit weg von zuhause, bloß Deutschland für ein paar Tage verlassen.

Irgendwann aber habe ich festgestellt, wie schön es hier doch sein kann und dass unsere Region recht unterschätzt ist. Aber wir haben tolle Wander- und Fahrradrouten, tolle Burgen, sagenhafte Kirchen und spektakuläre Gastronomien. Das sollte nicht in Vergessenheit geraten. Da kam diese ganze Corona-Pandemie ja fast richtig, denn endlich lernen wir auch wieder mehr zu schätzen, was wir direkt vor der Haustür haben und dass unsere Umgebung problemlos mit Spanien mithalten kann.”

Wer nun auch ins Reisefieber gekommen ist und den Niederrhein einmal selbst erkunden oder vielleicht kennenlernen möchte, kann vorab schon einmal im Internet unter www.reiseblog-nrw.de stöbern und lesen, welche Routen Matthias Berns schon bereist hat. // jl

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