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Wieder Leerstände in Kirchhellen

Die Drogeriemarktkette Schlecker musste Ende Juni schließen – Bezirksvertretung lehnt Erweiterung des Einzelhandels am Josef-Terwellen-Platz ab

Erkens zu, Schlecker zu, für die Deutsche Bank ist noch kein Nachmieter gefunden und das Modehaus Petersen strafft die Verkaufsfläche an der Hauptstraße 15. Wieder einmal springt der Leerstand in Kirchhellen ins Auge.
 

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Mit Schlecker verschwand Ende Juni der einzige Drogeriemarkt aus dem Dorf.

Für das Modehaus Erkens an der Hauptstraße ist noch kein Nachmieter gefunden. Nachdem sich das Ehepaar Erkens Ende April in einer Nacht- und Nebelaktion aus Kirchhellen verabschiedete, steht das Ladenlokal leer. Mit dem Weggang von Schlecker ist nicht nur ein weiterer Leerstand zu verzeichnen, sondern Kirchhellen hat nun keinen Drogeriemarkt mehr. Wer Nachfolger im Ladenlokal wird, steht ebenfalls noch nicht fest. Und ob sich der von der Kirchhellener Bevölkerung so heiß gewünschte dm-Markt oder auch Rossmann im Dorf ansiedeln, bleibt nach wie vor ungewiss. Von der Schlecker-Schließung ist auch das Ehepaar Petersen betroffen. Schon bevor das Aus des Drogeriekonzerns verkündet wurde, stand fest, dass die Verkaufsfläche am Dorfeingang gestrafft werden würde. Die Kindermode wird nun gemeinsam mit der Damenmode in der Hauptstraße 15 angeboten.

In das frei werdende Ladenlokal Nummer 13 zieht das Musikhaus Backbeat music ein. „Mitten in unsere Umstrukturierung platzte nun die entgültige Schließung von Schlecker“, sagt Gerda Petersen. Als Untermieter von Schlecker war damit auch der Mietvertrag des Modehauses Petersen in der Dorfmitte automatisch beendet. „Ein neuer Vertrag an gleicher Stelle und vor allem zu vergleichbar günstigen und wirtschaftlich rentablen Konditionen ist zur Zeit nicht umsetzbar“, sagt Gerda Petersen. Die Ware wird daher ebenfalls Platz in dem oberen Ladenlokal finden. In Kürze werden die Kunden hier in der gewohnten modernen und angenehmen Atmosphäre das breitgefächerte Angebot an Kinder- und Damenmode finden. Doch der Leerstand könnte weitere Kreise ziehen, denn eine Entscheidung über den Fortbestand des EDEKA-Marktes gibt es bisher nicht. „Unser Mietvertrag endet im Mai 2013 und die momentane Situation ist schwierig. Wir suchen daher nach neuen Möglichkeiten“, sagt Frank Milewski vom EDEKA-Markt. Ein Thema, mit dem sich auch die Bezirksvertretung in ihrer Sitzung im Juni auseinandergesetzt hat.
 

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Im Modehaus Petersen an der Hauptstraße 15 findet nun die Kindermode ihren Platz neben der Damenmode.

Dem politischen Gremium lag dazu die Beschlussvorlage des Einzelhandelskonzepts für Bottrop vor. Ein Konzept, das nicht nur im Vorfeld für erhitzte Gemüter sorgte. Denn ein Dorn im Auge ist den Kirchhellenern, dass die CIMA in einem ersten Vorschlag den Josef-Terwellen-Platz als mögliche Erweiterungsfläche für den Einzelhandel in Kirchhellen vorsieht. Erst nach Einwenden der Politiker und Bürger änderte das Planungsbüro das Konzept, in dem nun nur noch der vordere Bereich zur Schulze-Delitzsch- Straße und zur Hauptstraße Bestandteil des zentralen Versorgungsbereiches ist. „Diese im Vergleich zum Gesamtplatz kleine Fläche ermöglicht eine durchgängige Entwicklung entlang der Hauptstraße, bietet einen theoretischen Entwicklungsspielraum für vorhandene Betriebe und dient nur der Sicherung eines funktionierendenVersorgungsbereiches vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklung neuer Baugebiete in Kirchhellen“, lautet es im Einzelhandelskonzept.
 

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Das kleine Modegeschäft an der Hauptstraße muss aufgrund der Schlecker-Insolvenz schließen.

Zu viel für die Fraktionen in der Bezirksvertretung, CDU und ÖDP stimmten in der Sitzung sogar gegen diesen Vorschlag und plädierten für die „Nullvariante“, auch wenn der technische Beigeordnete der Stadt Bottrop, Norbert Höving, klar formulierte, dass man sich damit rechtlich angreifbar mache. „Wenn man auf die Nullvariante geht, die keinen Quadratmeter freie Entwicklungsmöglichkeit bietet, ist man rechtlich angreifbar, weil die Strukturen dann auf den Bestand beschränkt sind.“ So sieht es auch die FDP, die als einzige Partei gegen die Nullvariante stimmte. Sie unterstützt die sogenannte „Minimallösung“, die eine Entwicklung im Bereich der Schulze-Delitzsch-Straße vorsieht. „Der EDEKA-Markt ist der erste Markt vor Ort gewesen und genießt meiner Meinung nach Bestandsschutz. Dass der Markt daher das Recht hat Ansprüche auf eine Expansion geltend zu machen ist richtig. Wir wollen dem Markt die Fläche dafür gerne bereitstellen“, sagt FDP-Ratsfrau Ruth Becker. Daraufhin entbrannte unter den Bezirksvertreten eine Diskussion „Was ist, wenn wir EDEKA zulassen, bringen wir damit nicht etwas ins Rollen, was wir nicht mehr stoppen können“, sagt Dorothee Askemper. Auf die Frage, ob man damit nicht „Tür und Tor“ für alle anderen Interessenten öffnete, gab es von Norbert Höving keine konkrete Antwort. Fest steht aber, dass der Josef-Terwellen- Platz, der als Festplatz und Treffpunkt unbedingt zu erhalten ist, letztlich städtisches Eigentum ist. Künftige Entwicklungen sind daher von der Stadt steuerbar. Keine Meinung zu einem so wichtigen Kirchhellener Thema hatte an dieser Stelle die SPD. Sie enthielt sich der Stimme und hatte auch schon im Vorfeld keinerlei Fragen und Kritik zu äußern. Die Grünen waren zur Sitzung nicht anwesend.

Mittlerweile hat auch der Rat der Stadt Bottrop getagt und mit einer klaren Mehrheit gegen die so genannte Minimallösung gestimmt. Damit ist die Einbeziehung des Eckgrundstückes in das Einzelhandelskonzept vom Tisch. Wie es mit EDEKA und möglichen Drogeriemärkten nun weitergeht, wird sich zeigen. gk/gj

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