Foto: aureus GmbH - Julia Liekweg
Foto: aureus GmbH - Julia Liekweg

Integration in den Job - Der persönliche Weg in die Zukunft

Ein Informationstag der Stadt Gladbeck in Kooperation mit vielen weiteren Stellen informierte junge Zugewanderte über Berufsmöglichkeiten.

In Gladbeck wohnen zahlreiche Familien, die aus ihren Herkunftsländern geflohen sind und in Gladbeck eine neue Heimat gefunden haben. Ein Arbeitskreis mit Vertretern verschiedener Verwaltungsstellen hat es sich zur Aufgabe gemacht, Migranten bei ihrem neuen Leben unter die Arme zu greifen – hierbei spielen vor allen Dingen die Themen Sprachbildung, Schul- und Ausbildung sowie der Berufseinstieg eine große Rolle.

Der Arbeitskreis „Bildung für Neuzugewanderte – Arbeit, Beschäftigung, Ausbildung“, das sind Vertreter der Stadt Gladbeck, des Amts für Soziales und Wohnen, des Jobcenters Recklinghausen und verschiedener (Sprach-)Bildungseinrichtungen wie -programmen, befasst sich eingehend mit der Aus- und Weiterbildung von immigrierten Familien. Sie trafen sich im Februar mit Wolfgang Krämer, dem Leiter des Kommunalen Integrationszentrums (KI) des Kreises Recklinghausen. Hier besprachen sie den Bericht über die Arbeit und Maßnahmen von Integration der vergangenen zwei Jahre. Seit gut 40 Jahren, so lobt Wolfgang Krämer, engagiere sich die Stadt Gladbeck in der Integrationsarbeit. Vor allem in der frühkindlichen Bildung sei sie stark aufgestellt. Weiter betont Krämer, dass Integration nicht die alleinige Aufgabe der Stadt Gladbeck sei, sondern selbstverständlich die des
gesamtes Kreises Recklinghausen. Hier sei eine stärkere Kommunikation zwischen den Städten vonnöten, auch wenn dies einen höheren Aufwand darstelle.

Foto: aureus GmbH - Julia Liekweg
Foto: aureus GmbH - Julia Liekweg

Doch bei den Mitgliedern des Arbeitskreises gab es weitere Fragen, die unter anderem die finanzielle Förderung ehrenamtlicher Projekte thematisierten. Die finanziellen Mittel, die das Land NRW den Städten zu Verfügung stellt, sind an Bedingungen gebunden. Vorschläge hier betreffen eine Änderung oder mögliche Lockerung der Bedingungen. Ein Grund für diese Forderung ist ein Bericht aus der Sitzung: „Es gibt Momente, da lohnt es sich erst gar nicht, den Antrag auf Förderung einzureichen. Der bürokratische Aufwand ist zu hoch für das schlussendliche Ergebnis.” Seitens des KIs zeigt man sich zwar verständnisvoll, jedoch konnte hier noch keine Besserung versprochen werden, denn Wolfgang Krämer stellt klar: „Das entscheide ich nicht alleine. Auch wir sind da an die gesetzlichen Regelungen des Landes NRW gebunden.”

Im Verlauf der Diskussion fragte man sich weiter, ob das KI Gladbeck berhaupt „auf dem Schirm” habe. Wolfgang Krämer aber versichert, dass Gladbeck keinen Nachteil gegenüber anderer Städte im Kreis Recklinghausen habe, dass aber in den verschiedenen Städten unterschiedliche Arbeit geleistet werde, die unterschiedliche Unterstützung benötige. Gladbeck allerdings, so berichtet er, bekäme große Aufmerksamkeit; eine Aussage, die zwar nicht auf Ablehnung, aber ebenso wenig auf einheitliche Zustimmung stieß.

Ein weiteres großes Thema war die Sprachförderung, sowohl im Kindes-, als auch im Erwachsenenalter. „Wir haben ganz klar festgestellt: Eine schlechte, sprachliche Grundlage in Deutschland hat flächendeckend gezeigt, dass Neuzugewanderte Probleme mit Schulabschlüssen und dem Berufseinstieg haben”, fasst es Wolfgang Krämer in deutliche Worte. Daher sei es umso wichtiger, Programme der sprachlichen Bildung zu fördern. Dazu zählt unter anderem das Ferien-Intensivtraining, das in Gladbeck angeboten wird. Auf freiwilliger Basis können Eltern ihre Kinder in diesem Programm anmelden. An acht Tagen in den Osterferien und an zehn Tagen in den Sommerferien besuchen Kinder das Intensivtraining mit dem Hintergrund, dass sie über die schulfreie Zeit nicht den Kontakt zur deutschen Sprache verlieren. „Viele Eltern räumen auf Nachfrage ein, dass sie mit ihren Kindern während der Ferien hauptsächlich ihre Herkunftssprache sprechen aus Angst, dass die Kinder das sprachliche Erbe vergessen könnten”, heißt es von den Vertretern des Ferien-Programms. Die Angst der Eltern solle sich natürlich nicht bestätigen. „Kinder sollen ihre Muttersprache auf keinen Fall vergessen”, ist man sich im Arbeitskreis einig. Doch besonders in den Ferien müssen die deutschen Sprachkenntnisse weiter trainiert werden, damit sich keine sprachlichen Barrieren im Erwachsenenalter bilden.

Ein ähnliches Ziel verfolgt auch das Rucksack-Projekt des KIs. Hier werden Eltern mit in die schulische und frühkindliche Erziehung einbezogen. Der Arbeitskreis berichtet ebenfalls fast durchweg positiv vom Rucksack-Projekt. Besonders bei jüngeren Kindern käme das super an. „Zu merken, dass die Mama ja genau die gleichen Spiele und Übungen wie im Kindergarten macht, finden die Kleinen großartig.” Das garantiere einen höheren Lerneffekt, denn die Kinder bekommen gewisse Dinge einmal auf Deutsch und in ihrer gewohnten Umgebung noch einmal in ihrer Herkunftssprache vermittelt. Erwiesenermaßen falle das Merken gewisser Dinge so leichter. Eine ähnliche Lerntechnik verfolgt daher auch das Griffbereit-Projekt, durch das Eltern aktiver an der (früh-)kindlichen Erziehung ihrer Kleinen teilnehmen.

Hilfe, wo sie benötigt wird

Bildungs- und Sprachbarrieren gibt es aber auch bei Heranwachsenden und Erwachsenen. Um dieser Altersgruppe ebenfalls die Unterstützung zu bieten, die sie benötigen, hat die Stadt Gladbeck in Kooperationen mit der Gladbecker Bezirksstelle des Jobcenters Recklinghausen, dem Amt für Soziales und Wohnen, einem Arbeitskreis für Bildung für Neuzugewanderte und dem Berufskolleg der Stadt Gladbeck einen Informationsnachmittag im Foyer des Gladbecker Berufskollegs organisiert. Alle Gladbecker Neubürger zwischen 18 und 27 Jahren waren herzlich willkommen. Nadine Müller, Mitarbeiterin der Stadt Gladbeck im Bereich Bildung und Bildung für Neuzugewanderte, berichtet von einer durchweg positiven Resonanz des Informationsnachmittags. 52 interessierte Neubürger nutzten die Chance, sich umfassend über die Möglichkeiten in Richtung Schule, Ausbildung, Studium und Beruf zu informieren. Dazu hatten die Veranstalter fünf Info-Wände aufgestellt, an denen sie unter verschiedenen Oberthemen Einzelheiten kurz und prägnant aufgelistet hatten. Daran anschließend hatten die Besucher die Möglichkeit, an Workshops zu verschiedenen Themen teilzunehmen, um eventuelle Fragestellungen und Probleme vertiefen zu können.

Foto: aureus GmbH - Julia Liekweg
Foto: aureus GmbH - Julia Liekweg

„Einzelgespräche konnten an diesem Tag trotzdem nicht stattfinden, dafür war nicht genügend Kapazität vorhanden. Die grundlegende Idee war aber ohnehin, dass wir den Kontakt zwischen den Neubürgern und den entsprechenden Anlaufstellen herstellen“, erzählt Nadine Müller. Damit die Menschen, die Unterstützung bei der Ausbildungs- oder Jobsuche benötigen, genau die Beratung bekommen können, die sie tatsächlich brauchen, ist ein starkes Netzwerk notwendig. „Und das haben wir. Wir arbeiten mit verschiedenen Stellen eng zusammen, sodass besonders bei problematischen Einzelfällen schnelle Hilfe garantiert werden kann“, betont sie. „Nach dem Info-Nachmittag sind viele Termine für Einzelberatungen zustande gekommen.“

„Wir hatten bereits einen Info-Nachmittag, den wir für erwachsene Neubürger ab 27 Jahre veranstaltet haben. Auch für ausgebildete Kräfte ist es schwierig, sich bei der Jobsuche zurechtzufinden. Bei der jetzigen Info-Veranstaltung haben wir direkt bei den jüngeren angesetzt, denn die sind erfahrungsgemäß oft orientierungsloser als bereits erwachsene Menschen“, weiß Nadine Müller. Dennoch, und das betonte Wolfgang Krämer während des Treffens des Arbeitskreises, müsse man auch erwachsenen Migranten Unterstützung bieten, da oft nicht nur sprachliche, sondern oft auch fachberufliche Kompetenzen teils nur unzulänglich ausgebildet seien. Dafür setzt sich das große Netzwerk aus den verschiedenen Stellen, verschiedenen Mitarbeitern, Haupt- und Ehrenamtlichen und unterschiedlichen Zuständigkeitsbereichen fortlaufend ein. Denn auch wenn in der Stadt Gladbeck Integration ein großes Thema ist, sei man noch längst nicht fertig mit der Arbeit. „Wir haben viel geleistet und auch vieles erreicht, aber beendet ist unsere Arbeit sicher nicht”, ist man sich einig.  jl

Diesen Artikel teilen:

Zurück