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Raus aus der Schuldenfalle

Stadt Gladbeck hilft mit einem neuen Team den Bürgern dabei, ihre Schulden in den Griff zu bekommen

Gladbeck - Was genau kann ich mir eigentlich leisten? Wie viel Geld gebe ich für Lebensmittel aus, für Kleidung, Freizeit und Versicherungen? Nicht alle Menschen setzen sich mit ihren Finanzen auseinander und wissen genau, wo das Geld bleibt. Die häufige Folge: Schulden, die immer höher werden und aus denen man nicht so einfach wieder herauskommt. Hilfe gibt es dann beim Amt für Soziales und Wohnen der Stadt Gladbeck. Hier steht ein dreiköpfiges Team in Sachen Schuldner- und Insolvenzberatung bereit, um Gladbecker Bürgern aus der Schuldenfalle zu helfen.

Özgül Capraz, Beate Mayrhofer und Sandra Schwermer wissen: „Wer auf uns zukommt und eine Beratung wünscht, der hat einen entscheidenden Schritt gemacht, auch wenn der Schuldenberg schon hoch ist.“ Denn es geht bei einer Überschuldung immer darum, Hemmschwellen zu überwinden, sich einzugestehen, dass man Hilfe braucht und sich diese dann auch zu suchen. „Wir beraten hier jeden Bürger, der auf uns zukommt, geben ihm Wege aus der Krise an die Hand und stehen bei Formularen und Anträgen helfend zur Seite.“ Dann geht es darum, gemeinsam zu schauen, was zu der Überschuldung geführt hat - „Das können Lebenskrisen wie Trennungen oder Jobverluste sein, aber auch schlichtweg ein falscher Lebensstil“ -, um dann Schritt für Schritt wieder auf Kurs zu kommen.

Angst davor, Briefe zu öffnen

Beate Mayrhofer hat die meiste Erfahrung und ist bereits viele Jahre als Schuldnerberaterin bei der Stadt Gladbeck tätig und erklärt: „Es kommen Menschen hierher, die seit Jahren keine Briefe geöffnet haben. Die wissen gar nicht, wie sehr sie wirklich verschuldet sind und leben einfach nur noch von dem, was auf dem Pfändungskonto ist, also von dem Geld, an das niemand heran darf.“ Das ist in der Regel wenig, aber irgendwie reicht das aus, um nach außen hin ein „normales“ Leben zu führen. „Manche brauchen aber nur eine Budgetplanung und werden vom Jobcenter an uns weitergeleitet“, ergänzt Sandra Schwermer. „Andere stehen plötzlich ohne Partner, alleinerziehend und ohne Job da. Dann handeln wir natürlich sofort und planen, wie es für diese Familien dann finanziell weitergehen kann.“ Ansonsten warten die Menschen drei bis sechs Monate auf einen Termin. Im Vorfeld zum Ersttermin steht aber immer schon eine Infoveranstaltung an, die auf das weitere Vorgehen hinweist. Özgül Caprez: „Hier gibt es Informationen dazu, welche Unterlagen wir benötigen, welche Formulare und Anträge eventuell ausgefüllt oder gestellt werden müssen, um schnell einen Überblick darüber zu bekommen, an welcher Stelle sich jeder einzelne befindet.“

Auch Kleinstbeträge häufen sich

Ist ein Überblick seitens des Schuldnerberaters vorhanden, nimmt er Kontakt zu Gläubigern auf, berät in Sachen Konsumverhalten und hilft bei Insolvenzverträgen, „denn die Privatinsolvenz ist häufig der letzte Ausweg.“ Dass es soweit kommen muss, hängt immer öfter von einer falschen Einschätzung der Kosten ab, die bei Online- und In-App-Käufen, für Kleinstratenzahlungen oder für den täglichen Bedarf auf einen zukommen. „Auch die kleinsten Beträge summieren sich. Das darf nicht vergessen werden.“ So hangeln sich zahlreiche Betroffene lange Zeit von Monat zu Monat, bis der Gerichtsvollzieher wirklich nichts mehr pfänden kann und Strafen zu erwarten sind – entweder wird einfach der Strom, das Wasser oder der Telefonanschluss abgestellt, in manchen Fällen droht aber eine Haftstrafe. „Dann erst sind die meisten in der Lage, sich Hilfe zu holen. Schön wäre es aber, wenn die Leute bereits nach der ersten nicht bezahlten Rechnung kommen, damit sich die Spirale nicht immer weiter dreht“, so Schwermer.

Wenn auch Sie Schulden haben oder sich Ihr Leben in absehbarer Zeit so verändert, dass Sie sich auch finanziell neu aufstellen müssen (beispielsweise durch den Verlust der Arbeit oder eine Trennung), dann stehen beim Amt für Soziales und Wohnen an der Wilhelmstraße 8 in Gladbeck die Türen offen. Hier sind Sie eingeladen, einen Beratungstermin zu beantragen, um dann mit kompetenter Unterstützung einen Weg zu finden, schuldenfrei zu werden oder zu bleiben. ko

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