Foto: Privat - GAGU

Am Home of hope geht es gut voran

Rotary-Club Lippe-Issel unterstützt die Initiative der GAGU-Zwergenhilfe in Sierra Leone

Schermbeck - Noch geprägt von den Eindrücken ihres Besuchs in Marokko, einem kleinen Ort in der Nähe der Hauptstadt Freetown in Sierra Leone berichten Gudrun Gerwien und Dieter Schmitt vom Vorstand der GAGU-Zwergenhilfe sowie Stephan Proff vom Rotary-Club Lippe-Issel über die aktuelle Situation dort. Wie immer sind sie berührt und sehr dankbar für alles, was im Home of Hope, dem Kinderheim, das die Schermbecker Hilfsorganisation dort betreibt, geschieht. Seit ihrem letzten Besuch hat sich einiges getan. Sierra Leone gehört zu den ärmsten Ländern der Welt und hat noch immer an den Folgen der Ebola-Epidemie 2014 zu leiden. Strom gibt es für diejenigen, die ihn bezahlen können, für einige Stunden nachts sowie sonntags. Sonst nur, wenn man einen eigenen Generator hat. Aber, so Dieter Schmitt: „Es gibt Fortschritte. Die neue Regierung hat kostenlose Schulbücher eingeführt und der Straßenbau wird vorangetrieben.“

Erste Generation zieht bald aus

Foto: Gundis Jansen-Garz

„Die erste Generation der Kinder, die im Home of hope leben, wird es in den kommenden Wochen verlassen. Sie haben ihr Abitur in der Tasche und stehen vor dem Schritt in eine Ausbildung oder ein Studium. „Das macht mich stolz und traurig zugleich“, erzählt Gudrun Gerwien. Dann natürlich freut sie sich, dass ‚ihre‘ Kinder nun in die Selbstständigkeit gehen können, zugleich ist es aber auch ein Abschied. Und so ganz selbstständig werden sie zunächst nicht leben können, denn auch ein Studium kostet Geld; das haben sie nicht. Deshalb startet die GAGU-Zwergenhilfe einen Spendenaufruf, um die Kosten für eine Unterkunft in Uni-Nähe, Bücher, Prüfungs- und Studiengebühren finanzierenzu können. „Die Gelder aus den Patenschaften erhalten die Absolventen weiterhin für ihren Lebensunterhalt, aber Zimmer und Gebühren werden von uns bezahlt. Sonst müssen sie zurück in die Slums, und das wäre eine schlechte Alternative.“ Rund 550 Euro im Jahr werden benötigt, so können die Jugendlichen ihr Studium finanzieren.

Wie sich das Leben in den Slums gestaltet, davon konnte sich Stephan Proff ein Bild machen: „Es war sehr bedrückend und hat mich sprachlos gemacht zu sehen, wie die Menschen dort auf engstem Raum mit fast nichts überleben müssen“, sagt der 56-jährige Jurist. Die kleine Reisegruppe, zu der auch Johannes Nover gehörte, wurde wieder einmal mit ausgesprochener Freundlichkeit und Fröhlichkeit begrüßt. Egal ob im Home of Hope, der Schule oder am Bau des Gesundheitszentrums, die Menschen dort „sind so freundlich und es wird schnell klar, welch guten Klang die GAGUs dort haben“, berichtet Stephan Proff.

Schule erhält neue Bänke

Natürlich wurden alle Projekte der Schermbecker Hilfsorganisation besucht. Dazu gehörten neben dem Kinderheim Home of hope das Nähzentrum und die Bäckerei. Auch der Besuch der Schule, die von Schermbecker Sponsoren unterstützt wird, stand auf dem Programm. Hier fehlt es vor allem an Schultischen und Bänken, die jetzt aber neu angeschafft werden, so dass jedes Kind einen Platz findet, an dem es auch schreiben kann.

Bäckerei ist wieder in Betrieb

Auf einem an das Home of hope angrenzenden Gelände entstand in den Jahren 2013 bis 2016 ein Ausbildungszentrum mit einem Nähzentrum und einer Bäckerei. Das Nähzentrum dient der Herstellung und Umarbeitung von Kleidern für die Kinder des Home of hope und weiteren Kindern der umliegenden Dörfer. Die Bäckerei hat nun wieder Personal und versorgt das Home of Hope mit Backwaren, aber auch die Bevölkerung. Im Jahre 2019 konnten zwei Häuser von Familien bezogen werden, die bereit waren, am Bau der Häuser mitzuwirken und Kinder aufzunehmen, deren Eltern im Rahmen der Ebola-Epidemie starben. Die Familien können die Häuser bis an ihr Lebensende bewohnen, den Hausbesitz aber nicht vererben.

Gesundheitsstation schreitet voran

Die ambulante Gesundheitsstation, die so dringend benötigt wird, wird seit rund einem halben Jahr mit Hilfe des Rotary Clubs Lippe-Issel gebaut. Helmut Ackmann, ehemaliger Präsident des Clubs, hat gemeinsam mit dem Schermbecker Ehepaar Proff die Unterstützung gewährleistet. Jetzt konnte sich Stephan Proff von den Fortschritten ein Bild machen. „Es sieht gut aus und wir sind überzeugt davon, dass wir noch in diesem Sommer die Einweihung feiern können.“ Bislang hat der Club 15.000 Euro zur Verfügung gestellt. Die Bereitschaft, Kosten für den Innenausbau und für die Beschäftigung des Personals zu übernehmen, hat der Rotary-Club bereits signalisiert. „Ich glaube, dass wir das stemmen können“, ist Stephan Proff überzeugt. In dem etwa 200 Quadratmeter großen überdachten Gesundheitszentrum entstehen zwei Behandlungsräume, ein Arztraum, ein Schwesternraum, ein Raum für Apparate und Medikamente sowie ein Aufnahmeraum. Gudrun Gerwien hofft, mit dem Zentrum Hilfe für die Menschen anbieten zu können, die sich keinen Arzt leisten können – und das ist in Sierra Leone der überwiegende Teil der Bevölkerung. „Es ist so unendlich traurig und macht uns wütend, weil wir zusehen müssen, wie die Menschen dort an vermeintlich leichten Krankheiten sterben und wir können nichts tun“, berichten Gudrun Gerwien und Dieter Schmitt. Mit der Ambulanz soll ein Weg freigemacht werden, um den Menschen,zu helfen. Dabei geht es um Wundversorgung oder Medikamentenausgabe. „Damit Lappalien nicht zum Tod führen“, sagen die beiden GAGU-Vertreter und sind unendlich dankbar für jede Unterstützung.

Momentan sind es 64 Patenkinder, die über die GAGUs unterstützt werden. Aber auch spontane Hilfsanfragen werden übernommen. Ein Mädchen, das bei einem Verkehrsunfall verletzt wurde, haben die GAGUs spontan in ein Krankenhaus gebracht und die Behandlung bezahlt. Einer Familie, die mit fünf Personen in ärmlich ausgestatteten zwei Räumen lebte, beschafften die GAGUs eine neue Wohngelegenheit, die jährlich 250 Euro kostet. Aktuell mussten neue Matratzen für die Kinder des „Home of hope“ angeschafft werden und das Auto ist kaputt und ein neues muss her. gj

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