Gladbeck
Foto: Stadt Gladbeck

Corona-Folgen für Familien

Das Herbstplenum tauscht sich zu den Corona-Folgen für Gladbecker Familien aus und entwickelt Lösungsansätze

Gladbeck -

Im Rahmen des Herbstplenums des „Gladbecker Bündnis für Familie – Erziehung, Bildung, Zukunft“ unter dem Titel „Belastung, Krise, Chance - Die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Gladbecker Familien“ tauschten sich 110 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in der Mathias-Jakobs-Stadthalle über die aktuellen Entwicklungen in Gladbeck aus.

„Wir müssen unsere gemeinsamen Kräfte bündeln, um für die da zu sein, die uns besonders brauchen: Unsere Familien, unsere Kinder und Jugendlichen. Deshalb bin ich sehr dankbar, dass wir alle gemeinsam heute schauen, wo wir zusammen ansetzen können, wo wir noch besser werden können“, betonte Bürgermeisterin Bettina Weist im Rahmen ihrer Begrüßung.

Die Bürgermeisterin erklärte, dass die in der Stadt tätigen Akteure in den vergangenen Monaten vieles auf den Weg gebracht haben und nun gemeinsam weitermachen wollen. Denn: „Unsere Arbeit ist wichtiger denn je. Wir merken, dass wir manche Familien, dass wir manche Kinder und Jugendliche aus dem Blick verloren haben. Wir merken eine deutliche Zunahme von Gewalt in den Familien. Wir haben einen deutlich höheren Bedarf bei den Hilfen zur Erziehung. Wir erleben immer mehr Kinder, die soziale Defizite haben, die Essstörungen bekommen, die sich von der Welt abkapseln“, stellte Bettina Weist fest. Gemeinsam müsse deshalb weiter daran gearbeitet werden, jungen Menschen zu helfen, das Beste für Gladbecker Familien zu erreichen.

Auswirkungen der Pandemie

In ihrem Vortrag „Die Auswirkungen der Coronapandemie auf Familien“ stellte Delia Temmler von der Bildungsinitiative RuhrFutur GmbH heraus, dass die Belastungen von Kindern und Jugendlichen im Laufe der Pandemie gestiegen sind, auch familiäre Spannungen und Partnerschaftskonflikte nahmen zu. Besonders sozial benachteiligte Familien mit Kindern unter 14 Jahren seien hier betroffen. Dies deckte sich auch mit den Stimmen aus der Praxis. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer berichteten in den verschiedenen Arbeitsgruppen darüber, dass Eltern häufig an der Belastungsgrenze stünden, was viele Familien überfordert und die Konflikte in diesen noch befördert hätte. Insgesamt habe besonders das soziale Miteinander gelitten, was sich auch im Verhalten der Kinder widerspiegelt: Beispielsweise in Sprachdefiziten, Konzentrationsschwächen und einer höheren Gewaltbereitschaft. Doch der Pandemie konnte auch Positives abgewonnen werden: Gelobt wurde der großartige Einsatz der Familien, der vielen Fachkräfte und das starke Gladbecker Netzwerk, die Chancen der Digitalisierung und die Möglichkeiten der Förderung und Integration im Rahmen kleinerer Gruppen in Schulen und Kitas.

Investition in die Zukunft

Einig war sich das Plenum, dass eine große Kraftanstrengung hinter und vor den Fachkräften sowie den Familien liegt. Denn Städte wie Gladbeck seien deutlich von einem Auseinanderdriften durch die soziale Schere bedroht. Ziel ist es deshalb, Familien an den Belastungsgrenzen zu stärken und wieder mehr Miteinander und Begegnungen zu ermöglichen. Eine zentrale Rolle spielen dabei Schulen, die als zentrale Orte für Familien gestärkt werden müssen.

Zudem sprachen sich die Teilnehmenden für mehr Beratungsangebote und besondere pädagogische Konzepte für Kinder, Jugendliche und Familien aus. Dazu werden jedoch mehr Ressourcen benötigt – besonders zusätzliche Fachkräfte. Aktuell herrscht allerdings auch eine gewisse Ungewissheit, denn wie groß die Lücken sind, die die Pandemie bei der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen gerissen hat, können die Experten noch nicht sagen. Eines wurde jedoch deutlich: Die Behebung der Coronaschäden wird nicht kurzfristig zu leisten, sondern eine langfristige Aufgabe sein – und dafür werden die Förderungen des Bundes bis 2022 höchstwahrscheinlich nicht ausreichen.

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