Ein Grund dafür ist sicher, dass die Wahrnehmung mit Zunahme von mehr Informationsmöglichkeiten und den Sozialen Medien heute wesentlich größer ist als noch vor einigen Jahren. Ein wesentlicher Grund für die wachsende Unsicherheit vieler Menschen liegt in der veränderten Wahrnehmung: Durch die Vielzahl an Informationsquellen und die Dynamik der sozialen Medien ist heute vieles sichtbarer als noch vor einigen Jahren. Ereignisse, die früher kaum Beachtung fanden, werden inzwischen nahezu in Echtzeit verbreitet, kommentiert und diskutiert. Selbst kleinere Vorfälle wie ein Taschendiebstahl erreichen so schnell eine große Öffentlichkeit und prägen das Sicherheitsgefühl vieler Bürger.
Wahrgenommene Unsicherheit im Alltag
Viele Senioren nennen immer wieder ähnliche Bereiche im Stadtgebiet, die sie vor allem in den Abendstunden meiden. Dazu gehören schlecht beleuchtete Wege oder Parks wie etwa der Nordpark, Unterführungen und abgelegene Haltestellen wie der Oberhof‑ und der Schürenkamptunnel sowie Orte, an denen nur wenig Betrieb herrscht und man sich schnell allein fühlt. Solche Bereiche wirken oft unübersichtlich oder verlassen und tragen daher besonders stark zu einem subjektiven Unsicherheitsgefühl bei – selbst dann, wenn dort objektiv nur selten etwas passiert. Solche Orte wirken schnell unübersichtlich oder verlassen – und genau das verstärkt das Gefühl, dort nicht sicher zu sein. Dieses Empfinden ist menschlich und nachvollziehbar, denn mit zunehmendem Alter verändert sich auch das Sicherheitsbedürfnis.
Warum Gefühl und Realität auseinandergehen können
Das subjektive Sicherheitsgefühl wird von verschiedenen Einflüssen geprägt. Medien und soziale Netzwerke verstärken negative Eindrücke, weil dort vor allem über Vorfälle berichtet und diese intensiv kommentiert werden. Einzelne spektakuläre Ereignisse bleiben zudem stärker im Gedächtnis als positive Entwicklungen und verzerren so die Wahrnehmung. Auch persönliche Erfahrungen oder Erzählungen aus dem eigenen Umfeld spielen eine große Rolle. Hinzu kommen Veränderungen im Stadtbild – etwa Leerstände, Baustellen oder schlecht beleuchtete Bereiche –, die Unsicherheit auslösen können, selbst wenn dort objektiv kaum etwas passiert. Diese verstärkte mediale Präsenz kann den Eindruck erwecken, die Kriminalität nehme zu. Doch ein Blick in die aktuelle Kriminalstatistik zeigt ein anderes Bild.
Im Kriminalitätsbericht des Polizeipräsidiums Recklinghausen für das Jahr 2025 ist die Bilanz für Gladbeck ausgesprochen positiv. Die Gesamtzahl der registrierten Straftaten ist im Stadtgebiet um mehr als 11 Prozent zurückgegangen und zeigt damit eine deutlich rückläufige Tendenz.
Kriminalität stark gesunken
Besonders hervorzuheben ist die Entwicklung der Kriminalitätshäufigkeitszahl (KHZ), die als zentraler Indikator für die Kriminalitätsgefährdung gilt. In Gladbeck ist dieser Wert so stark gesunken wie in keiner anderen Kommune des Kreises Recklinghausen. Damit verzeichnet die Stadt den deutlichsten Rückgang im gesamten Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums.
Laut dem aktuellen Bericht der Polizei konnten vor allem in den Bereichen, die das Sicherheitsgefühl der Menschen im Alltag maßgeblich beeinflussen, deutliche Rückgänge verzeichnet werden: So gingen insbesondere die Zahlen der Straßenkriminalität, u.a. gab es weniger Fahrraddiebstähle und Sachbeschädigungen, sowie die Fälle von Wohnungseinbrüchen zurück. Jedoch im Bereich der Gewaltkriminalität gab es einen Anstieg um rund 11 Prozent. Hierunter fallen Raubdelikte und gefährliche sowie schwere Körperverletzungen.
Doch auch Gregor Wirgs, Amtsleiter vom Kommunalen Ordnungsdienst (KOD) bestätigt, dass Gladbeck für Senioren im Vergleich zu vielen anderen Ruhrgebietsstädten eine relativ sichere Stadt ist. Gleichzeitig weiß er, dass die subjektive Wahrnehmung häufig von der objektiven Lage abweicht. „Die persönliche Einschätzung ist oft eine andere“, sagt Wirgs. Gerade deshalb sei der KOD an den Orten, die von Bürgern als sogenannte Angsträume benannt werden, besonders präsent und verstärke dort gezielt seine Kontrollen.
Sensibilisierung für Betrugsmaschen
Für ältere Menschen spielt eine gute Kommunikation untereinander eine zentrale Rolle – ebenso wie die Sensibilisierung für Betrugsmaschen wie etwa Schockanrufe. Gerade bei solchen Anrufen gilt: Im Zweifel immer die Polizeiunter der 110 informieren und kein Risiko eingehen.
Bei Belästigungen oder unsicheren Situationen im öffentlichen Raum steht der Kommunale Ordnungsdienst (KOD) täglich von 8 bis 23 Uhr unter der Nummer 99 28 88 zur Verfügung. Darüber hinaus können mögliche Angsträume oder Gefährdungspunkte auch unkompliziert über die Gladbeck‑App gemeldet werden, sodass Hinweise schnell an die zuständigen Stellen gelangen.
Die Stadt ist objektiv sicherer geworden, aber das subjektive Gefühl vieler Menschen – besonders älterer – bleibt ein wichtiger Faktor. Beides verdient Aufmerksamkeit: die positiven Entwicklungen in der Statistik und die realen Sorgen der Bürger.