Foto: aureus GmbH - Julia Liekweg
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Preisgekrönte Rinder in Grafenwald

Zwei der insgesamt mehr als 30 Galloway-Rinder der Familie Hasenbein haben bei der Grünen Woche in Berlin stolze Preise gewonnen.

Kirchhellen - Für Rinder sind sie ungewöhnlich: Die schottische Rasse Galloway. Sie sind in der Regel schwarz, haben lockiges Fell und flauschige Ohren. Trotzdem bringen sie ein stolzes Gewicht von bis zu einer Tonne auf die Waage, ihre Köpfe sind wuchtig, der Blick sanft.

Elmo heißt das Prachtexemplar, das bei dem Wettbewerb Schwarz-rot-gold Robust auf der Grünen Woche in Berlin unter 300 Tieren den zweiten Platz bei den Jungbullen belegte. Elmo ist gerade mal 22 Monate jung und bringt bereits 750 Kilo auf die Waage. „Der wächst sogar noch”, sagt Olaf Hasenbein. Galloway- Rinder wachsen bis sie etwa vier Jahre alt. Elmos Stallgefährtin Nancy, dreieinhalb Jahre alt, hat mit ihrem Kälbchen Nell den ersten Platz in der Kategorie „Kuh mit Kalb belegt”. „Außerdem wurde Nancy als schönstes Tier des gesamtes Wettbewerbs ausgezeichnet”, berichtet Ulla Hasenbein stolz. Angefangen haben die Hasenbeins 2012 mit zwei Galloway-Rindern, mittlerweile sind es mehr als 30. “Das ist unter anderem auch gut für die Nachbeweidung unserer Flächen”, erklärt Olaf Hasenbein. Die Galloways verteilen sich großzügig auf den Weiden ein und essen viel Gras, daher kann die Wiese dort auf den Feldern gleichmäßig nach- und neu wachsen. Anders als die Pferde, die die Familie außerdem noch in ihrer Pferdepension beherbergt und die die Weide nur stellenweise abfressen, werden die Galloways zu richtigen Hof-Helfern.

Die Glasvitrine im Wohnzimmer des Ehepaars Hasenbein erzählt Erfolgsgeschichten: Viele Medaillen und Auszeichnungen haben sich dort gesammelt. Kurz nach dem Besuch der Grünen Woche zeigt der geräumige Esstisch bereits wieder ein Bild mit vielen Unterlagen, Katalogen, Zettel. „Wir bereiten uns schon auf die nächste Reise mit den Tieren vor”, verrät Olaf Hasenbein. Die beiden Landwirte, die 2005 den May Hof mitten in Grafenwald kauften und sanierten, sind stolz auf ihre Tiere. Olaf Hasenbein hat in den vergangenen Jahren viel über die Rasse gelernt: „Die Tiere sind beeindruckend. Sie sind eigentlich ganz friedliebend und führen ein harmonisches Beisammensein. Unterschätzen sollte man sie aber nicht. Kein Tier wird gerne gereizt, besonders nicht, wenn eine Mutter Gefahr für ihr Kalb wittert.” Trotz ihrer ruhigen Art machen die Tiere aber deutlich, wenn ihnen etwas nicht gefällt. Elmo beispielsweise wird nicht gerne fotografiert. Nur widerwillig lässt er sich von seinem Besitzer auf die Weide geleiten, auf der das Foto aufgenommen werden soll. Schlussendlich haben wir es dann aber doch geschafft, den Preis-Jungbullen abzulichten.

Foto: aureus GmbH - Julia Liekweg
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Galloway-Kuh Nancy hat da weniger Probleme. Die Hauptsache ist, dass man ihr Kälbchen Nell nicht zu weit von ihr entfernt. „Galloways haben eine unglaublich starke Mutter-Kind-Beziehung. Wenn Nancy merkt, dass etwas mit Nell passiert, wird sie wild”, warnt der Landwirt. Das wird besonders deutlich, als die beiden Tiere sich zum Foto aufstellen sollen. Kaum ein Moment vergeht, in dem die beiden nicht versuchen, Blickkontakt zueinander zu haben. Als Nancy wieder von der Weide geführt wird, hat Nell es ebenso eilig, ihrer Mutter hinterherzukommen, die wiederum konstanten Blickkontakt zu dem Jungtier hält. So sanft die Tiere auch miteinander umgehen, umso robuster sind sie. Galloways können ganzjährig auf der Weide gehalten werden, anders als andere Rinderarten. „Ab und zu bringen wir sie trotzdem für ein oder zwei Tage in die Box”, sagt Olaf Hasenbein.

Selbst neugeborene Kälber bleiben bloß ein bis zwei Tage nach der Geburt in der Box, ab etwa dem dritten Tag leben sie mit den erwachsenen Tieren auf der Weide. Dort werden sie zwar an einem sicheren Ort versteckt, sodass selbst Olaf Hasenbein die kleine Nell am Anfang suchen musste. „Ich habe erst dann gewusst, wo unser Kälbchen ist, als ich zufällig in die Nähe des Verstecks kam und Nancy nervös wurde”, erzählt er lachend. Insgesamt habe man ohnehin viel zu lachen mit den Rindern, sie seien ungewollte Komiker. Elmo beispielsweise hörte überhaupt nicht auf zu niesen - ob nun als Protest gegen das Foto oder aus anderen Gründen, das konnten wir nicht herausfinden. // jl

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