Kirchhellen
Foto: aureus GmbH - Aileen Kurkowiak
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Generation Nichtschwimmer: Nur ein Mythos oder Gefahr der Zukunft?

Schon vor der Corona-Pandemie haben sich erste Defizite in den Möglichkeiten der Schwimmschulen und -vereine abgezeichnet - Wartelisten für das Seepferdchen werden immer länger

Kirchhellen -

Seit Jahren ein großes Thema im Bottroper Stadtgebiet: Schwimmschulen und auch -vereine klagen über nicht ausreichende Wasserzeiten. Die Schwimmabteilung des TSG Kirchhellen verzeichnet aktuell Wartezeiten von knapp drei Jahren für die Nichtschwimmer-Kurse

Eine Zahl, die schockiert. Nicht nur Eltern sind entsetzt, auch Schwimmlehrer Ralf Hoffbauer vom TSG und Schwimmmeister Karl Auschrat sind am Ende mit ihren Ideen. „Wir wissen einfach nicht, was wir noch tun sollen“, bedauert Hoffbauer.

Eine Situation, die erstmal akzeptiert werden muss. Jürgen Heidtmann vom städtischen Sport- und Bäderbetrieb räumt ein: Wir stoßen an unsere räumlichen Kapazitätsgrenzen. Mit Beginn der Corona-Pandemie und der langen Schließung der Hallenbäder im gesamten Stadtgebiet habe sich die Lage zugespitzt. Gemeinsam mit der Bottroper Bewegungsinitiative Sportif wurden innerhalb der Ferien kostenfreie Kurse angeboten, in denen Schüler der dritten und vierten Klasse auf die Absolvierung einer Schwimmprüfung vorbereitet wurden.

Den Ansturm zu kompensieren, ist beinahe unmöglich

Dabei zeichnet sich in vielen Vereinen und Institutionen ab, dass Personalmangel eine mindestens genauso große Herausforderung darstellt. „Wir suchen aktuell noch Schwimmschulen, mit denen wir kooperieren können, um weiterhin Schwimmangebote in den Ferien anzubieten“, erklärt Abteilungsleiter Heidtmann. Viele Schwimmlehrer und Ausbilder sind ehrenamtlich oder nebenberuflich tätig. Deshalb finden die meisten Nichtschwimmerkurse in den Abendstunden statt. Und das, obwohl Kinder schon vor dem Schulalter, also idealerweise mit fünf Jahren, das Schwimmen lernen sollten.

Foto: aureus GmbH - Valerie Misz
Foto: aureus GmbH - Valerie Misz

Ralf Hoffbauer ist bereits seit 1984 als Schwimmtrainer für den TSG Kirchhellen tätig. In seiner Laufbahn hat er tausenden Kirchhellenern das Schwimmen beigebracht. Die Verantwortung verliert er dabei nie aus den Augen. „Es gibt keine Möglichkeit die Kurse zu verkürzen oder mehr Kinder aufzunehmen. Manchmal bekommen sie ihr Schwimmabzeichen erst nach zwei oder drei kompletten Kursen. Ein Kind mit Seepferdchen, das sich nicht traut zu schwimmen? Damit ist niemandem geholfen“, betont er.

Dass der Schwimmunterricht fest in der Schulausbildung verankert ist, überschätzen viele Eltern auch. Die Schule ist nicht dafür zuständig den Kindern das Schwimmen beizubringen. „Eltern müssen selbst dafür Sorge tragen, dass die Kleinen rechtzeitig die Grundlagen beherrschen und eine gewisse Sicherheit im Wasser erlernen. Nur Kinder, die bei uns angemeldet werden, können wir unterstützen“, erklärt Rebecca Grimm von der Schwimm-Vereinigung Bottrop. Vorschulkinder auf den Wartelisten werden aktuell priorisiert.

Tiefsitzende Probleme wurden durch die Pandemie verschärft

Für Lehrer der Schulen sei es eine Zumutung, ein Ding der Unmöglichkeit, im regulären Schulschwimmen Nichtschwimmerausbildungen vorzunehmen. Das weiß auch Schwimmmeister Karl Auschrat, der die Entwicklungen seit Jahren beobachtet. Während der Hoch-Zeiten der ersten Impfstrecke waren viele Mitarbeiter aus dem Kirchhellener Hallenbad im Impfzentrum angestellt. „Wir alle geben unser Möglichstes. Die Corona-Pandemie zeigt jetzt lediglich verschärft auf, was bereits seit langer Zeit ein Problem ist“, so der Kirchhellener.

Zu wenig Wasserzeiten für Schwimmschulen, zu wenig Schwimmlehrer und zu wenig Lehrschwimmbecken: Die Stadt Bottrop steht vor Herausforderungen. Ideen, die Situation zu entschärfen, gibt es kaum noch. Zumindest nicht auf die Schnelle. Ob aus den Herausforderungen eine Generation der Nichtschwimmer hervorgeht? Rebecca Grimm ist sich sicher: „Nein, es wird keine Nichtschwimmergeneration geben.“ Wichtig sei lediglich, dass Kinder und auch Eltern weiterhin Eigeninitiative ergreifen und sich rechtzeitig um die Schwimmausbildung der Nichtschwimmer bemühen.

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Valerie Misz

Valerie Misz

v.misz@aureus.de

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