Kirchhellen
Karl-Heinz und Anne nehmen in der Rikscha Platz, umgeben von Ehrenamtlichen und Mitarbeitenden der Tagespflege, die den Start der Fahrt begleiten.Fotos: Valerie Misz

Neues Angebot des Heimatvereins: Mit der Rikscha durch Kirchhellen

Frische Luft, vertraute Orte und strahlende Gesichter: Das neue Rikscha-Projekt des Heimatvereins sorgt für emotionale Momente bei Senioren

Kirchhellen -

Rund ein halbes Jahr ist es her, dass der hiesige Heimatverein sein neuestes Projekt vorgestellt hat: eine Rikscha, mit der Senioren durch Kirchhellen gefahren werden sollen. Mit der Vereinten Volksbank, der Söller-Stiftung, dem Stadtteilfonds sowie dem lokalen Fahrradgeschäft Fiele fand der Verein passende Sponsoren, die diese Idee gerne unterstützten. Ziel ist es, Menschen auch im zunehmenden Alter zu ermöglichen, ihre Heimat weiterhin zu erkunden.

In den vergangenen Monaten haben sich rund 20 Freiwillige gefunden, die bereit sind, diese Fahrten durchzuführen. Die Sicherheit aller Beteiligten steht dabei im Mittelpunkt. So haben die Ehrenamtlichen nicht nur einen vom DRK gesponserten Erste-Hilfe-Kurs aufgefrischt, sondern auch einen Rikscha-Führerschein gemacht. Nun war es so weit: An einem Freitagmorgen Ende April wurden die ersten Senioren an der Tagespflege am Klostergarten abgeholt.

„Wir sind absolut begeistert von der Idee“, sagt Einrichtungsleiterin Vanessa Holt. Zunächst seien die Senioren noch skeptisch gewesen. Dass mit Ludger Schnieder, dem Vorsitzenden des Heimatvereins und ehemaligen Bezirksbürgermeister, ein so bekanntes Gesicht hinter dem Projekt steht, habe geholfen. „Die Menschen vertrauen ihm“, erklärt Holt.

Mutige Damen starten

Mit Heidi und Helga fanden sich zwei mutige Damen, die den Anfang machten. Vor ihrer Fahrt wirkten sie noch aufgeregt, doch die Freude überwog. „Ja, wir sind aufgeregt, denn wir wissen nicht, was uns erwartet“, beschreibt Heidi, die strahlend neben Helga auf den bequemen Sitzen der Rikscha Platz genommen hat. An diesem Morgen sind es gerade einmal 9 Grad, die Sonne lässt noch auf sich warten. Kuschelige Decken schaffen Abhilfe.

Heidi und Helga genießen ihre erste Fahrt in der Rikscha, während Ludger Schnieder in die Pedale tritt und Max Westhoven die Tour auf dem Fahrrad begleitet.

Doch Zeit zum Plaudern bleibt kaum, denn es soll endlich losgehen. Und so tritt Ludger Schnieder in die Pedale, begleitet von drei weiteren Radfahrern. „Das ist zur Sicherheit. Künftig wird immer eine Person die Rikscha-Fahrer begleiten“, erklärt der Vorsitzende. Ausgestattet mit Helmen und Warnwesten macht sich die Gruppe erstmals auf den Weg.

Begeisterung ist ansteckend

In der Tagespflege herrscht derweil gespannte Erwartung. Immer mehr Seniorinnen und Senioren erklären sich bereit, ebenfalls eine Tour zu wagen. Als Heidi und Helga schließlich begeistert zurückkehren und von ihren Eindrücken berichten, ist das Eis endgültig gebrochen: „Wir würden das sofort wieder machen“, sind sich die beiden einig.

Nur kurze Zeit später steigen Karl-Heinz und Anne in das Gefährt. Auch sie gesteht: „Ich war zunächst skeptisch, aber jetzt bin ich bereit.“ „Es ist schön zu sehen, wie auch Menschen, die mobil eingeschränkt sind, ein Stück Freiheit genießen können“, sagt Vanessa Holt. Denn Karl-Heinz ist auf einen Rollstuhl angewiesen, Anne auf einen Rollator.

Positive Reaktionen

Nun übernimmt Max Westhoven das Steuer: „Bei der vergangenen Fahrt haben Passanten sehr positiv reagiert und den beiden Damen fröhlich zugewunken.“ Die Routen sind flexibel anpassbar. Heidi und Helga wollten beispielsweise an ihren Häusern vorbeifahren, anschließend ging es durch ein Neubaugebiet. „Wir gehen auf die Wünsche der Mitfahrenden ein“, so Schnieder.

Fragt man die beiden Seniorinnen, wo sie gewesen sind, kommt die Antwort prompt: „Ach, überall. Das war total schön.“ In den darauffolgenden Tagen machte die Rikscha Halt an weiteren Einrichtungen in Kirchhellen, darunter das Haus St. Johannes sowie das Lorenz-Werthmann-Haus. Auch dort dürfte sich die anfängliche Zurückhaltung schnell gelöst haben.

In naher Zukunft will der Heimatverein Flyer im Ort verteilen. Interessierte können sich außerdem telefonisch bei Ludger Schnieder melden (Tel. 01577 1301781). Dann werden Senioren auch von zuhause abgeholt und auf eine Rundfahrt mitgenommen. Das Angebot ist komplett kostenfrei und wird durch das Engagement Ehrenamtlicher ermöglicht.

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Valerie Misz

Valerie Misz

v.misz@aureus.de

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