Kirchhellen
Werner Dierichs prägte das Schützenleben in Kirchhellen und die Schützen prägten ihn. Der Gemeinschaft bleibt er selbstverständlich erhalten.
Werner Dierichs prägte das Schützenleben in Kirchhellen und die Schützen prägten ihn. Der Gemeinschaft bleibt er selbstverständlich erhalten.Foto: Valerie Misz

Verdiente Ehrenamtsrente: Werner Dierichs blickt auf 56 Jahre bei den Schützen zurück

Seit über 50 Jahren sind die Kirchhellener Schützen sein Zuhause – Werner Dierichs gibt Verantwortung ab, doch Herz, Haltung und Gemeinschaft bleiben

Kirchhellen -

Mehr als ein halbes Jahrhundert ist er Teil der Kirchhellener Schützengesellschaft und doch spricht er nicht von Ämtern oder Titeln, sondern von Gemeinschaft, Haltung und Zusammenhalt: Seit seinem ersten Schützenfest im Jahr 1970 begleiten die Schützen Werner Dierichs durch sein Leben.

„Mein Herz ist bei den Schützen, das war es schon immer“, bringt er es schlicht auf den Punkt. Seit 2008 wirkte er als Präsident mit, bei der Gründungsversammlung im Januar dieses Jahres legte er sein Amt nieder. Doch der Gemeinschaft bleibt er selbstverständlich erhalten, nur eben mit weniger Verantwortung.

Lange Karriere

Schon früh übernahm Werner Dierichs Verantwortung: zunächst als aktiver Schütze, dann als Leutnant, später als Offizier, ergänzte die Karriere mit dem Titel des Oberleutnants, wurde 2002 Prinzgemahl an der Seite seiner Schützenkönigin Angela I. und wurde 2008 schließlich in das Präsidentenamt gewählt. Letzteres zunächst mit ein wenig Gegenwehr.

Wie sein Sohn Hendrik heute bekleidete auch Werner Dierichs von 1991 bis 2007 das Amt des Bezirksvorstehers. Ehrenamtliches Engagement wie in der Politik oder auch bei den Kirchhellener Schützen liegt der Familie im Blut. Nachdem der ehemalige Schützenpräsident Theo May verstarb, blieb die Position lange unbesetzt. Der Schützenvorstand wollte das Amt eigentlich nicht mehr mit einem Politiker besetzen, doch nachdem Dierichs seine politische Karriere beendete, war die Bahn frei und die Anfrage, ob er die Position des Präsidenten besetzen wolle, ließ nicht lange auf sich warten. Der Rest ist Geschichte.

Die Zeit verändert

Als seinen Nachfolger im Präsidentenamt schlug er den ehemaligen Schützenkönig Jörg Noltenhans vor.
Als seinen Nachfolger im Präsidentenamt schlug er den ehemaligen Schützenkönig Jörg Noltenhans vor. Foto: Daniel Böhm

Im Laufe der Jahre hat sich das Schützenwesen im Dorf verändert, ist größer und „weniger gemütlich“ geworden, findet Dierichs und bewertet das keineswegs als schlecht, sondern sieht darin vielmehr das immer weiter wachsende Interesse junger Leute, die am Brauchtum teilhaben möchten. „Man sieht es ganz einfach an der Größe des Festzelts. Früher war es überschaubar, man hat immer seine Bekannten direkt gefunden, heute muss man sich an Theke Drei verabreden, um sich zu finden“, schmunzelt er.

Dass auch die jungen Generationen am Ehrenamt Freude haben, schätzt er: „Ein unvergleichlicher Einsatz im Dorf.“ Und für jene möchte der scheidende Präsident Platz machen. „Es wird Zeit für die nächste Generation die Verantwortung zu übernehmen“, erklärt er und blickt zufrieden auf die vergangenen Jahrzehnte zurück.

Höhen und Tiefen

Kein Fest wurde ausgelassen: Die Kirchhellener Schützen sind seit über 50 Jahren ein fester Bestandteil in der Familie Dierichs.
Kein Fest wurde ausgelassen: Die Kirchhellener Schützen sind seit über 50 Jahren ein fester Bestandteil in der Familie Dierichs. Foto: Daniel Böhm

„Es ist schade, keine Wache mehr zu haben“, bedauert er. „Aber dann muss ich wenigstens nicht um 6 Uhr parat stehen, sondern kann einfach zu meinem Sohn herübergehen“, schmunzelt Dierichs. Schließlich rückt Sohn Hendrik jetzt als Gastgeber durch sein Amt als Bezirksbürgermeister nach.

Der ehemalige Präsident blickt auf viele schöne Momente und echte Highlights seiner Schützenkarriere zurück: „Das ‚Schafholen‘ war ziemlich besonders“, erinnert er an einen alten Brauch der Kirchhellener Schützen. Aber insbesondere auch die Bataillonsfeste seien ihm sehr positiv in Erinnerung geblieben.

In seiner Amtszeit gab es allerdings auch Tiefen, mit denen man umgehen musste: So wurde ihm die Verantwortung zuteil, die Absage des Festes während der Pandemie bekanntzugeben. Heute stehen den Verantwortlichen andere Herausforderungen bevor: „Die Sicherheitsauflagen sind extrem. Ich wünsche allen, die an der Organisation des Ganzen beteiligt sind, einen guten Mittelweg zu finden.“

Verdiente Ehrenamtsrente

Pünktlich zum diesjährigen Schützenfest wird Dierichs 77 Jahre alt, so hat er sich nun bewusst aus der Verantwortung zurückgezogen. Keine Termine mehr in den frühen Morgenstunden, kein organisatorischer Druck: „Jetzt kann ich einfach hingehen und feiern.“ Eine Ehrenamtsrente ohne Wehmut. Denn eines ist klar: Aufhören wird er nie ganz. Schütze zu sein ist für ihn kein Amt. Es ist ein Teil seines Lebens.

Zurück

Aileen Kurkowiak

Aileen Kurkowiak

aileen.kurkowiak@aureus.de

Diesen Artikel teilen