Fotos: Privat

Ausstellungen zum Gladbecker Stadtjubiläum

Das Jubiläumsjahr bietet auch viel Raum für Kunst und Kultur – Im März 2019 starten gleich zwei Ausstellungen

Gladbeck - Die Stadt Gladbeck steht ganz im Zeichen ihres 100jährigen Bestehens, das auch den Künstlern vor Ort einigen Raum bietet, das Jubiläum aufzugreifen und in unterschiedlichster Weise in ihren Werken umzusetzen. Eine von ihnen ist Berta Walter-Hamza. Sie ist seit 30 Jahren als Musikschuldozentin in Gladbeck tätig und wählte eben dieses geschichtsträchtige Gebäude – das Günther-Waleczek-Haus – als Ort für ihre Fotoausstellung „Am Puls der Zeit“ 100 Jahre Gladbeck im Herzen des Ruhrgebiets.

Gemeinsam mit der Schulleitung lädt Berta Walter-Hamza am 24. März um 11.30 Uhr ein in den Vorspielsaal der Musikschule zur feierlichen Eröffnung mit Musik, Gedankenaustausch und einem Umtrunk. Die musikalische Umrahmung wird gestaltet vom Blechbläserensemble unter Leitung von Musikschuldirektor Rolf Hilgers, dem Hamza-Quartett, (das unter anderem eine Uraufführung des Gladbecker Komponisten Heinz-Josef Florian zu Gehör bringen wird) und Felicia Hamza, ehemalige Musikschülerin der Musikschule der Stadt Gladbeck. Für die Schirmherrschaft des Projektes konnte die Künstlerin Bürgermeister Ulrich Roland gewinnen.

Erinnerungsräume

Berta Walter-Hamza geht mit ihren Fotoarbeiten auf Spurensuche nach einer versinkenden Ära der über 100jährigen Bergbaugeschichte in Gladbeck und der umliegenden Region: Schauplätze sind dabei nicht nur in Gladbeck zu finden, so wie die Maschinenhalle Zweckel, sondern auch die im Bauhausstil errichtete Zeche Zollverein in Essen, die Jahrhunderthalle Bochum und der Landschaftspark Duisburg sind Teil der Fotoausstellung. Ihre Bilder sieht Walter-Hamza als Erinnerungsräume, in denen die Bergarbeiter der Ruhrregion ihren genetischen Fingerabdruck hinterlassen haben: Menschen aus aller Herren Länder mit ihrer religiösen und ethnischen Vielfalt, regelrecht zusammengeschweißt durch Wissen und Können, Innovation und Tradition, Zusammenhalt und Identität. Sie versteht ihre Bilder auch als Dokumente ihrer Hochachtung vor der außerordentlichen Lebensleistung dieser Menschen.

Wer die Ausstellung besuchen möchte, darf sich auf achtzehn großformatige Farbexponate auf Alu-Dibond freuen. Der jeweilige Titel entstand durch eine Mischung aus Zufall, gezieltem Shooting und einer sich wie in einem Roman entwickelnden Folge von Bild-Szenen, die in messerscharfer Klarheit ebenso beeindrucken wie in verspielter, realistisch-verträumter Fotomalerei. Die Künstlerin lässt sich gerne bei einem Spaziergang mit ihrem Mann und Freunden inspirieren, hat aber auch bei Besuchen von Events der Ruhrtriennale immer einen besonderen Blick für jene Industriestätten des Bergbaus, die zu Recht heute teilweise zum Welterbe der Unesco zählen. Ihr geht es um „Poesie aus schwarzem Gold, archaische Orte aus Kohle und Stahl, Kabeln, Schrauben und Muttern, aus Rädern und Röhren, Kesseln, Turbinen und Hochöfen.“

Am „Rad der Zeit“

Fotos: Privat - Walter-Hamza

Das Titelbild „Am Puls der Zeit“, aus dem Inneren der Maschinenhalle Zweckel, zeigt die Darstellung eines Drehrads (das Druckluft und Energie zu regeln vermochte), symbolisch ein Drehen am „Rad der Zeit“, deren Abläufe wir versuchen zu steuern und zu beherrschen, eine Zeit, die bis heute ihre Spuren hinterlassen hat in den Biografien der dort arbeitenden Menschen und ihrer Landschaft. Den vierteiligen Fotozyklus „Hommage an Herta Müller“, versteht Walter-Hamza als eine Verneigung vor der rumäniendeutschen Literaturnobelpreisträgerin, deren beeindruckende Eröffnungsrede zur Ruhrtriennale 2017 in Bochums Turbinenhalle wesentlicher Inspirationsquell war zur Entwicklung ihrer fotografischen Impressionen. Die beiden Fotogemälde „Mitten wir im Leben sind“ (dem Titel der gleichnamigen Bachkantate BWV 383 entlehnt) sind eine Reminiszenz an einen unvergesslichen, großen Abend in der Maschinenhalle Zweckel mit dem Cellisten Jean-Guihen Queyras und der niederländischen Tanzkompanie von Anne Teresa De Keermaeker im August 2017, der Ausgangspunkt werden sollte für Idee und Gestaltung der vorliegenden Fotoserie.

Besonders am Herzen liegt Berta Walter-Hamza auch die Darstellung von Olu Oguibes Installation „Aufruf an die Jugend aller Nationen“. Diese war ein Auftragswerk der Ruhrtriennale 2018 im Westpark der Jahrhunderthalle Bochum. Darin findet sie Anregung zu zwei wesentlichen Fragen: Was können wir lernen aus der Geschichte des Bergbaus für unsere Zukunft? Was sie meint, sind Themen wie Zusammenhalt, Solidarität, Respekt, Toleranz, Identität und Zugehörigkeit. Außerdem befasst sich die Künstlerin mit der Frage, was den Bergbau mit der Kunst verbindet und sieht darin eine Lebensaufgabe, die nur mit Ausdauer, Fleiß, Durchhaltevermögen, Kreativität und Disziplin zu meistern ist. „Kunst ist essentiell für ein menschliches Leben“, erzählt Berta Walter-Hamza. Es ist ihr Credo von Wirken und Beschäftigung mit und für die Kunst.

Verwandlung bis Verfremdung

So sieht Walter-Hamza im Umgang mit dem vor 50 Jahren eingeleiteten Abschied vom Bergbau in der Ruhrregion eine großartige Symbiose von verantwortlichem Umgang mit Identitäts- und Geschichtsbewusstsein, dem Respekt vor einer herausragenden Arbeit und Lebensaufgabe der Bergwerkszunft, erkennt darin Vorläufer und Spiegel einer vorbildlichen multikulturellen, in die Moderne führenden Gesellschaft; eine Symbiose, die Zeugnis ablegen soll über den Wandel der Zeiten mit dem Mensch im Mittelpunkt des Geschehens.

Als Zugereiste (vor fast 40 Jahren aus ihrer süddeutschen Heimat berufshalber weggezogen ins Ruhrgebiet) verweigert sich Berta Walter-Hamza einem nostalgisch-verklärten Blick auf die Bergbauepoche, deren Schattenseiten heute mehr denn je zu Tage treten und noch viele Generationen danach beschäftigen werden. Vielmehr geht es ihr darum, im Blick auf das Kleinste ein großes Ganzes widerzuspiegeln. Dazu verwendet sie wie zufällig gewählte Perspektiven, nutzt spielerisch die Optik des Lichts, der Kontraste, Geometrie von Form und Farbe, erzeugt Verwandlung bis hin zu Verfremdung des Objekts. Die Ausstellung „Am Puls der Zeit“ 100 Jahre Gladbeck im Herzen des Ruhrgebiets wird bis Ende September zugänglich sein. Auf Anfrage führt die Künstlerin gerne persönlich durch die Ausstellung.

Kunstprojekt an der Waldorfschule

Und noch eine sehenswerte Ausstellung wird ab März in Gladbeck zu sehen sein: Da die Waldorfschule zeitgleich mit der Stadt ihren 100sten Geburtstag feiert, haben sich die Schüler entschlossen, zum Thema „100 Jahre in einem Bild – times they are changing“ künstlerisch mit der Zeit auseinanderzusetzen. Aus unterschiedlichen Techniken und Formaten ist eine Ausstellung entstanden, die vom 18. März bis zum 12. April in der Stadtbücherei zu sehen sein wird. Der Eintritt hierzu ist frei. ko

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